Psychoanalyse ist wirksam
Analytische Therapien wirken – das haben mehrere Studien erwiesen. Immer wieder wird die lange Dauer der Behandlung kritisiert: 240–300 Stunden sind keine Seltenheit. Doch eine Psychoanalyse dauert so lange, weil sie eine Reifung der Persönlichkeit bewirkt. Mit dieser Veränderung gehen auch Symptome wie Ängste, Depressionen oder Zwänge zurück. Wenn die Analyse glückt, wird das Leben häufig reicher: Lebensfreude, Vitalität und Beziehungsfähigkeit kehren ein. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Karin Wülfing, PIXELIO)
Wachstum braucht Zeit
Es ist wie mit dem Großwerden eines Kindes: Auch ein Kind braucht einige Jahre, um Vertrauen zu lernen, sich selbst und seine Wünsche kennenzulernen und allein sein zu können. Dazu gehört auch, dass es Vertrauen in die eigenen Entscheidungen gewinnt.
Diese und viele Fähigkeiten mehr erwachsen aus der stabilen, liebevollen Beziehung, die das Kind zu seiner Mutter hat. Ähnliches entsteht durch die Beziehungsarbeit zwischen Patient und Therapeut. Darum ist es häufig auch nicht möglich, eine psychische Störung “mal eben” in einer Kurzzeittherapie zu beheben. Was zählt, sind die neuen Erfahrungen, die der Patient machen kann. Dennoch: Auch psychodynamische Kurzzeittherapien sind bei vielen Problemen wirksam.
Hier eine Liste von Studien zur Psychoanalyse:
Rolf Sandell et al.:
Unterschiedliche Langzeitergebnisse von Psychoanalysen und Psychotherapien (Stockholmer Studie).
Psyche 2001; 3: 277–310. Zusammenfassung hier.
Gerd Rudolf et al.:
Strukturelle Veränderungen in psychoanalytischen Behandlungen –
Zur Praxisstudie analytische Langzeittherapien (PAL).
In: Stur U, Leuzinger-Bohleber M, Beutel M (Hrsg.):
Langzeitpsychotherapie. Perspektive für Therapeuten und Wissenschaftler.
Kohlhammer, Stuttgart 2001: 238.
Zusammenfassung im Ärzteblatt: hier.
Dorothea Huber, Günther Klug, Michael von Rad:
Münchner Psychotherapiestudie –
Ein Vergleich zwischen Psychoanalysen und Psychodynamischen Psychotherapien.
In: Ulrich Stuhr, Marianne Leuzinger-Bohleber, Manfred Beutel:
Langzeit-Psychotherapie – Perspektiven für Therapeuten und Wissenschaftler.
Kohlhammer, Kiel 2001: 260–270
Horst Kächele et al.:
Stationäre analytische Behandlungsprogramme bei Essstörungen.
In: Wolfgang Herzog, Dietrich Munz, Horst Kächele (Hrsg.):
Analytische Psychotherapie bei Essstörungen.
Schattauer, Stuttgart New York 1996: 1–4






Oktober 28th, 2009 02:54
Hier werden die selben Weltfremden PA-Mythen verbreitet wie in den 80ern.
Aha, eine Reifung der Persönlichkeit braucht Zeit, stimmt. Nur ist doch eine gewisse Symptomfreiheit Bedingung dieser Reifung. Jemand der an der Welt nicht Teil nimmt weil er in dem Apathie-Gefänngnis einer Depression eigesprerrt ist kann nicht richtig reifen oder wachsen, zumindest wenn diese lange dauert.
Wie soll eine Patient Vertrauen lernen von einen Therapeuten der selbst fast die ganze Zeit schweigt und ab und zu komische Deutungen von sich gibt mit der der Patient nichts anfangen kann oder gar Deutungen gibt die die Schuldgefühle einer Depression erst recht verschlimmern ? Ein Kurzzeittherapie, die im Unterton hier negativ dargestellt wird die erst mal an den “Symptomen” herumdoktert wäre genau das richtige um Vertrauen zu schaffen.
Ja neue Erfahrungen sind wichtig. Aber eingesperrt in einen Teufelskreis von Symptomen ist es eben nicht möglich neue Erfahrungen zu machen. Eine Kurzzeittherapie kann eben doch kurzfristig die Symptome beheben und damit den Weg für neue Erfahrungen und Wachstum in der Welt außerhalb der Psychoszene machen.
Hier wir werbewirksam eine Unzulänglichkeit der PA in einen Vorteil verwandelt. Vielleicht dauert die PA so lange weil Sie eben keine Therapie sondern eine Analyse=Untersuchung ist? Würde man von einen Körpermediziner erwarten dass z.B. seine Röntgenuntersuchungen und das Besprechen dieser Heilen ohne dass der Arzt die notwendigen Eingriffe aus der Erkenntnisse zieht ? Ich glaube nicht. Man kann Menschen auch Kaputtuntersuchen. Röntgen ist ja auch schädlich. Analog sind die Untersuchungen in der PA ohne auch nur Tips wie der Patient damit umgehen kann eine reine Qälerei, vergleichbar mit der Aufforderung sich am eig. Schopfe aus dem Sumpf zu ziehen wie Münchhausen es tat. Münchhausen ist aber ein Märchen , hier aus gutem Grunde : Dieses am eig. Schopfe aus dem Sumpf ziehen ist physikalisch nicht möglich, die PA und einige humanistische Schulen verlangen aber ähnliches von Patienten und erhöhen damit den Stress der eine Spontanremission im Wege steht.
Der Beziehungsvergleich von Mutter und Kind ist hier völlig fehl am Platze. Eine Mutter verweigert ihrem Kind keine Ratschläge . Ein PA-Therapeut blockiert durch Wunschdeutungen eben genau diese Eigeninitiative die er vom Pagtienten verlangt, falls ihm tatsächlich mögliche Lösungswege einfallen und er diese zur Sprache bringt.
Sie widersprechen sich hier übrigens selbst. Sie verweisen auf Untersuchungen zu Wirksamkeit. Nur genau solche Untersuchungen belegen die Wirksamkeit einiger Kurzeittherapien vor allem der kognitiven VT noch mehr.
Bei 240-300 Stunden hat dürfte ein typischer Depressions-Patient längst aus dem Gesellschaftssystem gefallen sein was in D. nur durch den Luxus unseres Sozialstaates gemildert würde. Jemand der 3 Jahre nicht zur Arbeit gehen kann, der seinen Schulabschluss nicht machen konnte ( weil ihm die Symptome entsprechend einschränkten ) hat dann ein echtes Problem was wiederum zur Ursache von Depression werden kann.
Aber wahrscheinlich werden Sie ( wie ich es von ihren Kollegen kenne ) meine Einwände nur als ” neurotische Abwehr ” klassifizieren. Bedenken Sie aber dabei, dass ähnliche Einwände auch von vielen Kollegen der Verhaltenspsychologie geteilt werden. Gut, bei diesen Leuten wird das auch behauptet. Ist sehr bequem um sich nicht mit dem Inhalt von Kritik auseinandersetzten zu müssen, wenn man die Diskussion auf vermutete Motive dieser Diskussion lenkt. Trotzdem hoffe ich, dass mein Post hier veröffentlicht wird.