Psychoanalytische Therapien sind wirksam – die Veränderungen sind auch im MRT erkennbar
Psychoanalytische Therapien wirken – das haben mehrere Studien erwiesen (siehe Literaturliste unten). Oft wird die lange Dauer der Behandlung kritisiert: Die von den gesetzlichen Krankenkassen finanzierten 300 Stunden sind für viele häufig nur der Anfang. In manchen Fällen zahlt die gesetzliche Krankenkasse auch weiter, doch nicht wenige Patienten führen die Analyse mit Gespartem als Selbstzahler fort, andere nehmen sogar einen Kredit auf. Doch der Aufwand kann sich wirklich lohnen. Ich selbst denke manchmal: Die Psychoanalyse, die ich selbst gemacht habe, wird mir bis an mein Lebensende helfen.
Dass psychodynamische Langzeittherapien bei Depressionen helfen, ist bekannt. Doch bisher war nicht ganz klar, ob die Wirksamkeit der Langzeittherapie auf die psychoanalytischen Techniken oder auf die höhere Anzahl der Sitzungen zurückzuführen ist. Johannes Zimmermann und Kollegen (Studie) verglichen die hochfrequente psychoanalytische Therapie mit einer niedrig frequenten psychodynamischen Therapie. Außerdem untersuchten sie die Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie (CBT, cognitive-behavioural therapy) bei Depressionen. An der Studie nahmen 77 Patienten teil. 27 Patienten erhielten eine psychoanalytische Therapie, 26 eine psychodynamische Therapie und 24 Teilnehmer wurden mittels Verhaltenstherapie behandelt.
Welche „inneren Objekte“ gibt es?
Die Wissenschaftler befragten die Patienten zu ihren Symptomen und zwischenmenschlichen Problemen. Auch untersuchten sie, welchen Introjekten die Patienten innerlich nahestanden. (Unter „Introjekten“ oder „Objektrepräsentanzen“ versteht man die „guten oder schlechten inneren Figuren (Objekte)“ – z.B. kann die Erinnerung an den „bösen Vater“ so ein Introjekt sein. Wer sich selbst gut behandelt, der denkt dabei vielleicht an die gute Tante, die immer liebevoll mit einem umging. Die Tante ist dann ein „gutes inneres Objekt“/ein „gutes Introjekt“.)
Die Befragungen fanden direkt vor und nach der Behandlung statt. Weitere Nachbefragungen wurden ein, zwei und drei Jahre nach der Behandlung durchgeführt. Die Wissenschaftler untersuchten, welche psychoanalytischen Techniken die Analytiker anwandten, indem sie pro Behandlung drei Audio-Aufnahmen auswerteten. Hierzu nutzten sie das „Psychotherapie-Prozess-Q-Set“.
Symptome, zwischenmenschliche Beziehungen und die innere Welt verbesserten sich
Die Teilnehmer, die eine psychoanalytische Therapie erhielten, gaben an, dass sie nach der Therapie weniger zwischenmenschliche Probleme hatten. Sie behandelten sich selbst liebevoller und ihre depressiven Symptome hatten ebenfalls abgenommen. Bis zum Zeitpunkt der Nachbefragungen nahmen diese Verbesserungen sogar noch zu. Solche lang anhaltenden Effekte konnten die Wissenschaftler bei den Patienten, die psychodynamisch oder mittels Verhaltenstherapie behandelt worden waren, nicht feststellen.
Sowohl Sitzungszahl als auch Technik spielen eine Rolle
Die Verbesserungen im zwischenmenschlichen Bereich und die Zugehörigkeit zu verschiedenen Introjekttypen veränderte sich hauptsächlich durch die höhere Anzahl an Sitzungen, so die Forscher. Die weitere Verbesserung der depressiven Symptome in den Nachfolgeuntersuchungen führten die Forscher hingegen eher speziell auf die psychoanalytischen Techniken zurück.
Auch fanden die Forscher heraus, dass sich infolge der psychoanalytischen Techniken auch in der Nachuntersuchungszeit die Introjektzugehörigkeiten noch weiterhin verbesserten. Zu den psychoanalytischen Techniken gehörten die Untersuchung von Träumen, Phantasien, sexuellen Erfahrungen und Kindheitserinnerungen. Fazit: Sowohl die spezielle psychoanalytische Technik als auch die hohe Sitzungszahl helfen Patienten mit Depressionen.
Stockholmer Studie
Der schwedische Psychoanalytiker Rolf Sandell veröffentlichte zusammen mit seinen Kollegen im Jahr 2001 eine Studie, die die Wirksamkeit der Psychoanalyse nachwies. In diese Studie einbezogen waren 400 Patienten in unterschiedlichen Behandlungsphasen. Sie wurden drei Jahre lang mit direkten Interviews und Fragebögen untersucht. Weitere drei Jahre später führten die Wissenschaftler eine Nachuntersuchung durch. Das Beschwerdebild der Studienteilnehmer, die eine Psychoanalyse machten, wurde mit dem Bild von Patienten verglichen, die pro Woche nur eine Stunde Psychotherapie erhielten.
Das Ergebnis: Die Patienten der psychoanalytischen Behandlung schnitten signifikant besser ab als die Patienten mit der gängigen Psychotherapie.
Welche Analytiker waren besonders gut?
Ältere Psychoanalytiker schnitten besser ab als jüngere. Weibliche Analytiker waren erfolgreicher als männliche. Je länger und hochfrequenter die Therapie, desto wirksamer. Nachteilig wirkte es sich aus, wenn tiefenpsychologische Therapeuten eine klassisch-psychoanalytische Haltung einnahmen, also wenn sie sehr zurückhaltend und „zu neutral“ waren.
Die Studienteilnehmer wurden mit diesen Fragebögen befragt:
- Well-being-Questionnaire (WbQ)
- Social Adjustment Scale (SAS)
- SCL-90
- Sense of Coherence Scale (SOCS)
Die Analytiker füllten den Fragebogen zur therapeutischen Identität (ThId) aus.
Weitere Ergebnisse der Stockholmer Studie
Die Befragung mit dem Fragebogen SCL-90 ergab, dass Psychoanalyse- und Psychotherapiepatienten gleiche Fortschritte machten. Doch je länger das Ende der Therapie zurücklag, umso besser waren die Ergebnisse für die Psychoanalyse-Patienten. Im ersten Behandlungsjahr verschlechterte sich das Befinden der Patienten leicht (ermittelt mit SOCS und SCL-90). Selbstzahler waren NICHT motivierter als die Patienten, deren Kosten von den Krankenkassen übernommen wurden.
Je mehr Selbsterfahrung der Therapeut hatte, desto schlechter waren seine Behandlungsergebnisse. „Therapeuten mit einer besonders langen psychoanalytischen Selbsterfahrung hatten als Psychotherapeuten besonders schlechte Ergebnisse“ (Psyche 3/2001). (Anmerkung Voos: Therapeuten mit besonders langer psychoanalytischer Selbsterfahrung kennen unter Umständen eine „frühe Störung“ aus eigener Erfahrung. Sie behandeln häufig auch gerne Patienten mit sehr schweren Störungen, die wiederum selbst nur langsam und mühselig zu beheben sind.) Es wirkte sich positiv aus, wenn der Therapeut freundlich war und den Patienten unterstützte.
Besonders gute Langzeitwirkung
Wissenschaftler um Paul Knekt, Helsinki, Finnland, haben 326 Patienten mit Stimmungs- und Angststörungen in einer Vergleichsstudie untersucht: Die Patienten erhielten entweder eine lösungsorientierte Kurzzeittherapie, eine psychodynamische Kurzzeittherapie oder eine psychodynamische Langzeittherapie. 41 Patienten unterzogen sich einer Psychoanalyse. Es zeigte sich: Nach 5 Jahren hatten die Patienten, die eine Psychoanalyse gemacht hatten, den größten Benefit. Allerdings setzte bei einer Psychotherapie die Wirkung schneller ein als bei einer Psychoanalyse.
Was wirkt denn nun in der Psychoanalyse? Eigene Erfahrungen
Ich weiß nur: Psychoanalyse wirkt. Ein hartnäckiges Problem, das jahre- und jahrzehntelang bestand, ist auf einmal nicht mehr da. Man spürt es. Und man weiß: Die Psychoanalyse hat es bewirkt. Doch welche Sätze des Analytikers waren es? Welche Momente haben die Wendung gebracht? Es waren unzählige Worte und Wiederholungen, es waren viele Atemzüge, viele schweigsame Minuten und Momente der Begegnung. Es ist das Gefühl der Verbundenheit, des Verstandenwerdens, das heilt.
Tavistock Adult Depression Study (TADS): Psychoanalytische Therapie hilft bei Depressionen
Die Tavistock Adult Depression Study (TADS) (Depressionsstudie bei Erwachsenen, durchgeführt von der Tavistock-Clinic, Großbritannien) ist eine randomisiert-kontrollierte Studie (RCT), bei der die psychoanalytische Therapie mit anderen üblichen Therapien bei Depressionen verglichen wurde. Die Studie mit 129 Patienten kam zu diesen Ergebnissen:
- 44% der Patienten, die 18 Monate lang eine psychoanalytische Therapie erhalten hatten, litten zwei Jahre nach Therapieende nicht mehr unter schweren Depressionen. Von den Patienten, die andere Therapien erhalten hatten (= Kontrollgruppe), hatten sich nur 10% teilweise erholt.
- 14% der psychoanalytisch behandelten Patienten erholten sich vollständig von der Depression. Aus der Kontrollgruppe traf dies auf nur 4% der Patienten zu.
- Diejenigen, die eine psychoanalytische Therapie erhalten hatten, fühlten sich deutlich wohler in ihrem Leben als die Patienten der Kontrollgruppe.
- Einige Patienten profitierten gar nicht. Hier geht die Forschung weiter.
Die TADS begann im Jahr 2002. Bis März 2010 rekrutierten die Forscher Patienten. Die Behandlungsphase endete im Dezember 2011. Das Follow-up nach zwei Jahren fand im Dezember 2013 statt. Peter Fonagy et al. (2015): Pragmatic randomized controlled trial of long-term psychoanalytic psychotherapy for treatment-resistant depression: The Tavistock Adult Depression Study (TADS). World Psychiatry, Volume 14, Issue 3, Article first published online: 25 SEP 2015, Open Access, onlinelibrary.wiley.com/…
Psychoanalyse-Wirkung auch im MRT erkennbar
In einer aufwendigen Studie (2014, PlosOne), der Hanse-Neuropsychoanalyse-Studie, konnten Wissenschaftler bei 20 depressiven Patienten nachweisen, dass die psychoanalytische Therapie Veränderungen im Gehirn bewirkt. Schon nach 7 Monaten verringerte sich die Hirnaktivität in den Regionen, die für Angst und Furcht zuständig sind. Das Projekt trägt den komplizierten Namen „Neurobiologische und psychometrische Veränderungsprozesse bei psychoanalytischen Behandlungen von depressiven Patienten“.
Die Autoren Anna Buchheim (Universität Innsbruck) und ihre Kollegen haben 16 depressive Patienten, die keine Medikamente einnahmen, untersucht. Daneben gab es eine passende Kontrollgruppe von 17 depressiven Patienten, die sich dieser Behandlung nicht unterzogen. Die Studienteilnehmer erhielten 15 Monate lang eine psychoanalytische Therapie, zu der sie 2- bis 3-mal pro Woche gingen. Zwei Mal wurden die Patienten mittels funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) untersucht.
Während der Untersuchung im MRT wurden den Patienten Bilder verschiedener Bindungs- und Beziehungsszenen vorgestellt. Diese wechselten sich mit neutralen Bildern ab. Außerdem präsentierten die Forscher den Patienten spezielle Sätze, die aus einem Bindungs-Interview stammten. Die Forscher analysierten, wie das Gehirn der Patienten auf die angebotenen Bilder und Sätze reagierte. Auch die 17 Studienteilnehmer der Kontrollgruppe wurden so im Magnetresonanztomografen untersucht. Während bei den behandelten Patienten am Ende des 15-monatigen Zeitraums deutliche Unterschiede im Vergleich zum Studienbeginn erkennbar waren, konnten die Forscher bei den unbehandelten depressiven Patienten keine Unterschiede feststellen.
Die Studienteilnehmer zeigten zu Beginn der Studie erhöhte Aktivitäten des linken vorderen Hippocampus, der Amygdala, des subgenualen Cingulums sowie des präfrontalen Kortex (Hirnrinde des Vorderhins). Nach 15 Monaten psychodynamischer Therapie war erkennbar, dass diese Hirnregionen nicht mehr so übermäßig aktiv waren. Dieser Rückgang der Aktivität war insbesondere mit einer Verbesserung der Depression verbunden. Der Rückgang der Aktivitäten im medioalen präfrontalen Kortex hing allgemein mit einem verbesserten psychischen Wohlbefinden zusammen.
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Acquisition of adaptive skills: Psychotherapeutic change in cognitive and dynamic therapies
Clinical Psychology Review, Volume 19, Issue 6, September 1999, Pages 721-737
www.sciencedirect.com/… „We suggest that the acquisition of adaptive skills describes patient change processes that are common to both therapies … Specifically, the development of an ‚observing ego‘, increased capacity to gain psychological distance, and changes in adaptiveness of defensive function are some of the desired patient changes occurring in dynamic therapy which can be viewed in terms of the acquisition of adaptive (cognitive) skills—very similar to the changes that take place in cognitive therapy.“
Dieser Beitrag wurde erstmals veröffentlicht am 11.10.2011
Aktualisiert am: 6.11.2025
7 thoughts on “Psychoanalytische Therapien sind wirksam – die Veränderungen sind auch im MRT erkennbar”
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Liebe Nessaia,
oft kann man sich eine Psychoanalyse erst vorstellen, wenn man sie macht. Ich mag besonders die vierstündigen Analysen, also Analytiker und Patient sehen sich vier Mal pro Woche. Meiner Erfahrung nach werden dadurch oft erstmals Arbeiten und Beziehung möglich. Wenn die Entwicklung gut verläuft, findet man durch die Psychoanalyse so viel neue Freiheit und neue Kraft, dass man gerade in der Analysezeit unglaublich viel schafft. Natürlich gibt es auch Zeiten, in denen man sehr geknickt ist und in denen die Analyse fast das Einzige zu sein scheint, das überhaupt noch wichtig ist. Vielleicht braucht es manchmal auch so eine „Zeit im Kokon“, damit es weitergehen kann.
Die Kommentare hier sind ja schon ein paar Jährchen alt, so scheint es diesen Artikel schon öfter gegeben zu haben.
Was Sie, liebe Frau Voos, hier in allen Ihren Artikeln beschreiben, klingt wunderschön, heilsam, wärmend. Ich muss oft weinen, wenn ich das lese. Denn es ist nicht die Realität, zumindest nicht meine.
Ganz richtig schreiben Sie jedoch teilweise im Konjunktiv. Oder eben so, dass man es von zwei Seiten aus sehen kann.
‚Psychoanalyse ist wirksam‘ – ja, das stimmt wohl. Aber sie ist eben auch im Negativen sehr sehr wirksam, eben wenn die ‚Beziehung’ nicht gelingt. Ich schreibe Beziehung in Anführungszeichen, da diese höchstens einseitig ist. Ich bezweifle, dass Therapeut*innen eine Beziehung zu ihren Patient*innen haben. Man ist ihnen schlichtweg egal. Wenn es einem nicht besser geht, hat man die Psychoanalyse nicht verstanden. Wenn es einem richtig schlecht geht, wird man an die Telefonseelsorge oder an die Psychiatrie verwiesen.
Psychoanalytiker*innen übernehmen keinerlei Verantwortung für das, was sie tun oder nicht tun.
Ich weiß einfach nicht, wie man vertrauen soll, wenn echte Menschlichkeit überhaupt nicht vorkommt.
Vor fast fünf Jahren habe ich eine analytische Behandlung zwangsweise beendet, letztendlich bin ich rausgeflogen, was ich aber auch ein wenig provoziert habe. Ich habe die Härte einfach nicht mehr ausgehalten. Meine Analytikerin wollte unbedingt, dass ich sie liebe. Ich habe das falsch verstanden und dachte, jemand interessiert sich wirklich für mich. Sie hat mein Herz genommen, es ausbluten lassen und es dann einfach weggeworfen.
An den Nachwirkungen- oh ja, Psychoanalyse IST wirksam – leide ich bis heute und ich werde da auch nicht mehr herausfinden. Ich mache eine Folgetherapie, auch bei einer Analytikerin, aber es sind ganz normale Gespräche über meine Alltagssorgen, das hilft immerhin ein bisschen, eine Beziehung habe ich aber zu der Therapeutin nicht, wenn sie morgen weg wäre, würde ich das wohl einen Moment bedauern, aber dann wäre es mir egal. Ich werde nie mehr eine Beziehung und Vertrauen zu einem anderen Menschen aufbauen können. Ich denke nur noch, dass ich anderen lästig bin und habe keinerlei Selbstwertgefühl mehr. Den letzten Rest Würde habe ich in dieser ersten Therapie verloren.
Hier wird öfters von Abstinenz geschrieben. Ja klar, während der Therapie dürfen Analytiker*innen zu Patient*innen keine Beziehung haben. Aber danach sollte es nach einer gewissen Zeit möglich sein, sich menschlich zu begegnen, was auch immer dann daraus wird. Eine Übertragung bzw.Abhängigkeit kann dadurch aufgelöst werden, dass der Mensch, auf den man überträgt, sich erreichbar macht.
Dadurch, dass Analytiker*innen sich lebenslang unerreichbar machen, halten sie die Patient*innen lebenslang klein und unmündig, das kollidiert mit dem Anspruch, durch die Therapie Reife zu erlangen. Deshalb ist auch der Vergleich mit Eltern falsch, denn (gute) Eltern ziehen ihre Kinder groß, lassen sie reifen und pflegen dann mit den erwachsenen Kindern eine möglicherweise neue Beziehung.
Mit ihrer Unerreichbarkeit drücken Analytiker im Grunde genommen aus, dass die Patienten in ihren Augen niemals Reife erlangen werden. Denn mit einem ‚reifen’ Patienten könnten sie ja ganz normal umgehen. Ein reifer Patient könnte ihnen ja vielleicht sogar etwas geben.
Das absolut-abstinente Getue ist m.E. oft nichts als grobe Unhöflichkeit. Der blöden Patientin muss man auf einen Brief nicht antworten, weil es eben nur die blöde Patientin ist. Wäre es ein Mensch, der dem Analytiker wichtig ist, müsste er vor negativen Konsequenzen für sich selbst bangen, aber wenn es nur eine Patientin ist, kann er die Unlust, auf Briefe zu antworten, nach Herzenslust ausleben. Psychoanalytiker*innen dürfen unter dem Deckmantel der Abstinez bis zum Äußersten quälen, sie dürfen einen Suizid durch unterlassene Hilfeleistung riskieren , sie dürfen einfach alles und müssen keinen Schaden befürchten. Wenn die Patientin abhaut oder stirbt, kein Problem, die nächste steht ja schon auf der Warteliste. Die Abstinenzregel schützt die Therapeut*innen, denn klar, man möchte sich die meisten Menschen privat vom Halse halten, da ist des einfach, wenn man auf eine Regel verweisen kann und nicht ehrlich sagen muss, dass man die Patientin nicht mag. Patient*innen sind durch nichts geschützt, auch nicht durch diese Regel. Ein Therapeut, der missbrauchen möchte, wird das unbeschadet tun. Nur in sehr seltenen Fällen gibt es Konsequenzen.
Übrigens sehe ich das überstrenge Anwenden der Abstinenzregel und die an Sadismus grenzende Freude daran auch als Missbrauch an.
Apropos Sterben, dieser Tage ja durchaus ein Thema: Was ist eigentlich bei schwerer Krankheit und Tod? Da wird die Abstinenz so richtig zur grausamen Farce. Nehmen wir an, eine Patientin hat eine lebensbedrohliche Erkrankung und muss für längere Zeit ins Krankenhaus/in Isolation. Der wichtigste Mensch , von dem man in dieser Situation Beistand bräuchte, wird nicht da sein, weil er nicht ‚darf‘ .
Aber im Grunde nicht will, da man einen Besuch im Krankenhaus wahrscheinlich nicht abrechnen kann.
Und umgekehrt? Was, wenn man eine Beziehung zu seiner Analytikerin hat, wenn die Gefühle echt sind, auch wenn einem das abgesprochen wird . Wenn diese Person nun schwer erkrankt oder gar stirbt, ist das beste , was man für sie tun kann, zu verschwinden. Denn man ist dann einfach nur Ballast. Helfen darf man nicht, so sehr man es auch möchte. Von ihrem Tod wird man vielleicht gar nicht erfahren, und wenn doch, darf man noch nicht einmal zur Beerdigung gehen, und man darf eigentlich überhaupt nicht trauern, weil es ja keine echte Beziehung gegeben hat.
Was spricht dagegen, einer schwer depressiven Patientin Brücken zu bauen? Eine weitere schreckliche Regel: Die Patientin muss die Stunde beginnen. Wenn sie das nicht kann – Pech gehabt.
Nach 50 Minuten ist die Stunde rum und die Chance auf Hilfe vertan. Für die 50 Minuten erhält die Analytikerin einen Geldbetrag, für den die Patientin fast einen ganzen Tag arbeiten muss, um ihn netto zu erwirtschaften. Ist es da zu viel verlangt, die Patientin anzusprechen, sie aus ihrem Elend abzuholen, um in einen Dialog zu kommen? Ja, ist es – für den Verlauf der Stunde ist knallhart die Patientin alleine verantwortlich. Schafft sie es nicht, dieser Verantwortung gerecht zu werden, bekommt sie zusätzlich noch den Zorn der Analytikerin ab.
In Grund und Boden stampfen möchte ich die Psychoanalyse nicht, aber als Therapieform sollte man sie so nicht mehr anwenden. Als Wissenschaft ist sie ein Teil des Grundlagenwissens, das wir über die Psyche haben.
Was hier in anderen Kommentaren schon gesagt wurde: Psychoanalyse ist wohl eher für stabile Menschen geeignet, die Zeit, Kraft und Geld für eine Selbsterfahrung haben.
Man sollte im Hinterkopf haben, dass Freud die Psychoanalyse nur bei sehr wohlhabenden Menschen , die sich den ganzen Tag um sich selbst drehen konnten und kaum arbeiten mussten, angewendet hat.
Auf die Frage, warum er keine mittellosen Patienten behandle, hat er sich sehr gewunden und gemeint, dass diese Menschen zu sehr mit ihrem Alltäglichen beschäftigt seien und daher keine Fähigkeit hätten, tiefer zu schauen. Was unfassbar zynisch ist . Man sollte auch nicht vergessen, dass eine psychoanalytische Ausbildung sehr teuer ist und privat finanziert werden muss.
Sie ist damit von vornherein nur sehr Wohlhabenden vorbehalten, auch wenn es sicherlich die eine oder andere Ausnahme geben mag. Daher fehlt völlig das Verständnis für psychische Probleme, die aus gesellschaftlichen Zusammenhängen und Chancenungleichheit entstehen.
Nur so ist zu erklären, dass meine frühere Therapeutin mich zusammengefaltet hat, weil ich nicht in Urlaub gefahren war. Sie konnte und wollte nicht verstehen, dass es für mich nur entweder Urlaub oder Therapie gab und dass ich mit dieser Option schon mehr hatte als so manche andere Arbeitnehmerin.
Von daher ist mein Plädoyer, dass Analytiker*innen nur Patient*innen als Selbstzahler*innen aufnehmen, die mindestens das gleiche Einkommensniveau haben, denn sonst ist das ohnehin schon schwierige Gefälle unerträglich.
Menschen, die ernsthafte Probleme haben, saufen in einer Analyse erst recht ab. Sie brauchen Begleitung und im Idealfall Heilung… am besten in Zusammenhang mit echter Herzengüte und echtem Wohlwollen.
Noch eine Geschichte, die es sehr gut verdeutlicht: Einmal, als es mir sehr schlecht ging, entwarf ich das Bild, ich ginge über eine Eisfläche , die jeden Moment zu brechen drohte. Ich hatte den Wunsch, dass die Therapeutin am Ufer steht und mir das rettende Seil zuwirft. Statt dessen hatte ich jedoch das Gefühl, dass sie am Ufer steht und völlig gleichgültig zusieht, wie ich einbreche und ertrinke. Darauf sagte sie sehr erfreut: ‚Ich bin das Eis!‘ Sie fand das total super, dass sie die Eisfläche ist, die zusammenbricht und mir den Halt nimmt, so dass ich in die Tiefe gehe. Und ja, für Analytiker ist Tiefe super…. besonders, wenn nicht sie, sondern die Patienten absaufen. Echte Hilfe wäre gewesen, wenn sie gesagt hätte: Ich bin das Eis und ich werde nicht brechen! Und es dann genau so gemeint und danach gehandelt hätte.
Ich hoffe, dass zukünftige Therapeutengenerationen Therapien entwickeln, in denen echte Menschlichkeit sein darf, die aber trotzdem seriös ( und nicht esoterisch) sind, auch sollten die Gespräche auf Augenhöhe stattfinden- erst dann könnte man von einer Beziehung sprechen und ja, das könnte dann heilsam sein.
Ansonsten rate ich, dass man, wenn es nur irgendwie geht, versuchen sollte, alleine zurechtzukommen
und schauen, ob man nicht doch im Alltag etwas findet, dass einen aufbaut. Und wenn das alles eben nicht mehr geht, eine Therapie zu suchen, in der es nicht um die Therapeutin und die angebliche Beziehung zu ihr geht, sondern in der man frei über seine Probleme sprechen kann und es auch mal
Lösungsansätze gibt. Es gibt AnalytikerInnen, die modifizierte Gesprächstherapien anbieten, diese sollte man suchen und unterstützen.
Liebe Frau Voos, Ihre Seite ist trotzdem sehr schön gestaltet und informativ, aber eben sehr idealisierend.
Leider habe ich in den letzten Jahren das Gefühl, dass die Idealisierung zunimmt – möge das daher rühren, dass Sie persönlich viele gute Erfahrungen machen konnten!
Ich möchte Sie mit meinen Ausführungen auch nicht persönlich angreifen, vielleicht sind sie ja eine, die mit sehr beschädigten Menschen in deren Tiefe geht und trotzdem Halt bietet.
Trotzdem würde ich mich freuen, wenn Sie auch die andere – schwere und destruktive Seite- betrachten und dass Therapeut*innen eines Tages andere Wege gehen könnten.
Ich habe eine Analyse gemacht ,bin weiterhin arbeiten gegangen und habe als alleinerziehende 3 Kinder gross gezogen. Mir hat die Gespräcjstherapie und die Analyse geholfen zu reifen und Realität zu bewältigen. Bin weder reich noch privilegiert. Ich hatte nicht die Erwartung , dass die Analyse mich „gesund“ macht , sondern den Wunsch dass es einen Ort geben kann , wo ich mich verstehen und akzeptieren kann.
Ich habe schon viel Therapieerfahrung aber noch keine Analyse gehabt. Letztendlich ist es doch aber so, daß es die individuelle Beziehung zwischen Analytiker und Analysand ist, die heilt – oder auch nicht. Das ist eigentlich wohl auch bei jeder anderen Therapierichtung so, nur daß eine Analyse ungleich kosten- und zeitaufwändiger ist als andere Psychotherapien. Ich frage mich, wie man es als Analysand machen soll, daß man dreimal die Woche in die Analyse geht, vielleicht auch noch mindestens 1 Stunde Anreise hat und dabei noch arbeiten geht. Das ist doch heutzutage für viele Berufstätige gar nicht machbar, zumal einen ja so eine Therapie auch psychisch voll beansprucht, auch außerhalb der Stunden. Da findet man doch kaum noch Zeit, um z. B. Beziehungen zu Freunden zu pflegen, vor allem, wenn es einem durch die Therapie gerade mies geht. Wenn man das jahrelang macht, hat man wahrscheinlich zum Schluß keine Arbeitsstelle und keine sozialen Kontakte mehr. Es ist nicht meine Absicht, die Psychoanalyse hier grundsätzlich schlecht zu machen. Ich frage mich nur, wie sich die ganzen Umstände, die dazu gehören, in der Praxis auswirken mögen. Ich selber überlege, ob ich eine Analyse machen sollte …. aber ich habe auch viele Zweifel. Letztendlich hängt alles davon ab, was in der Beziehung zwischen dem Analytiker und dem Patienten passiert. Wer kontrolliert den Analytiker? Was, wenn er eine schlecht Phase hat und einen monate- und jahrelang falsch behandelt und man als Patient nicht merkt, daß da etwas schief läuft? Oft haben ja gerade psychisch Kranke ein schlechtes Bauchgefühl und wenig Vertrauen in ihre Wahrnehmung. Letztendlich ist so eine therapeutische Beziehung ja genauso störanfällig wie jede andere Beziehung im Leben auch. Wenn man an die falschen Beziehungspartner gerät und es nicht merkt, weil man vielleicht schon als Kind ungesunde Beziehungserfahrungen gemacht hat …. ja …. was dann??? Letztendlich ist jede Therapie ein ziemlich schwammiges Gebilde und der Erfolg ist objektiv schwer meßbar, außer vielleicht bei einer Verhaltenstherapie … Die Beteiligten müssen selber entscheiden, ob das, was in der therapeutischen Beziehung passiert, ihnen etwas bringt oder nicht. Das ist manchmal nicht einfach zu entscheiden, denn in jeder Therapie gibt es Phasen, in denen man sich schlecht fühlt und am Therapeuten zweifelt. Aber liegt das dann daran, daß man sich gerade in einer notwendigen Therapiekrise befindet, die sich wieder auflöst und sogar neue Erkenntnisse bringt, oder läuft etwas schief mit der Behandlung und man sollte schleunigst die Beine in die Hand nehmen und abhauen? Das ist oft sehr schwer zu entscheiden, wenn man in der Sache drin steckt.
Aus Klientensicht muss ich den Behauptungen widersprechen.
– Ich habe PA gemacht, mit dem Ergebnis, dass eine weitere Therapie notwendig war, denn die PA konnte mir nicht bei der Beseitigung meiner Probleme helfen. Sie lieferte mir keine Lösungsstrategien und auch keine Verhaltensalternativen. Das einzige, was mir die PA lieferte war einen Sündenbock (meine Eltern), die ich für all meine Probleme verantwortlich machen konnte.
– PA postuliert, dass es irgendetwas Verdrängtes geben muss. Meine Probleme und die Ursachen der Probleme, die mir bewusst waren, wurden ignoriert. Vielmehr begann meine PA nach dem angeblich Verdrängtem zu suchen, stocherte dabei willkürlich in meinem Leben rum, in der Hoffnung, irgendetwas zu finden, machte aus jedem Floh einen Elefanten, … und induzierte mir falsche sexuelle Missbrauchserinnerungen.
– PA ist was für Leute ohne schwerwiegende Probleme, die Zeit genug haben, um 10 Jahre auf einen „Heilungserfolg“ warten zu können.
– …
Entschuldigen Sie, machen Sie doch erstmal selbst eine Analyse.
Mein Freund und ich sind beide seit Jahren in der Analyse und uns beiden hilft sie sehr.
Er war anfangs noch so depressiv, dass er sein Studium nicht mehr meistern konnte und dank der Analyse hat er es ohne Medikamente wieder auf die Beine geschafft.
Ausserdem verstehe ich Ihre schwarz-weiss-Malerei nicht, da nicht jede Depression zwangsläufig so stark sein muss, jemanden komplett ausser Gefecht zu setzen.
Ehrlich gesagt, ich finde, bevor Sie nicht selbst die Erfahrung gemacht haben, sollten sie nicht so vorschnell urteilen.
Für mich persönlich kann ich sagen, diese Therapie hat mein Leben und mich so drastisch zum Positiven verändert, dass ich sie gegen nichts eintauschen wollte.
Hier werden die selben Weltfremden PA-Mythen verbreitet wie in den 80ern.
Aha, eine Reifung der Persönlichkeit braucht Zeit, stimmt. Nur ist doch eine gewisse Symptomfreiheit Bedingung dieser Reifung. Jemand der an der Welt nicht Teil nimmt weil er in dem Apathie-Gefänngnis einer Depression eigesprerrt ist kann nicht richtig reifen oder wachsen, zumindest wenn diese lange dauert.
Wie soll eine Patient Vertrauen lernen von einen Therapeuten der selbst fast die ganze Zeit schweigt und ab und zu komische Deutungen von sich gibt mit der der Patient nichts anfangen kann oder gar Deutungen gibt die die Schuldgefühle einer Depression erst recht verschlimmern ? Ein Kurzzeittherapie, die im Unterton hier negativ dargestellt wird die erst mal an den „Symptomen“ herumdoktert wäre genau das richtige um Vertrauen zu schaffen.
Ja neue Erfahrungen sind wichtig. Aber eingesperrt in einen Teufelskreis von Symptomen ist es eben nicht möglich neue Erfahrungen zu machen. Eine Kurzzeittherapie kann eben doch kurzfristig die Symptome beheben und damit den Weg für neue Erfahrungen und Wachstum in der Welt außerhalb der Psychoszene machen.
Hier wir werbewirksam eine Unzulänglichkeit der PA in einen Vorteil verwandelt. Vielleicht dauert die PA so lange weil Sie eben keine Therapie sondern eine Analyse=Untersuchung ist? Würde man von einen Körpermediziner erwarten dass z.B. seine Röntgenuntersuchungen und das Besprechen dieser Heilen ohne dass der Arzt die notwendigen Eingriffe aus der Erkenntnisse zieht ? Ich glaube nicht. Man kann Menschen auch Kaputtuntersuchen. Röntgen ist ja auch schädlich. Analog sind die Untersuchungen in der PA ohne auch nur Tips wie der Patient damit umgehen kann eine reine Qälerei, vergleichbar mit der Aufforderung sich am eig. Schopfe aus dem Sumpf zu ziehen wie Münchhausen es tat. Münchhausen ist aber ein Märchen , hier aus gutem Grunde : Dieses am eig. Schopfe aus dem Sumpf ziehen ist physikalisch nicht möglich, die PA und einige humanistische Schulen verlangen aber ähnliches von Patienten und erhöhen damit den Stress der eine Spontanremission im Wege steht.
Der Beziehungsvergleich von Mutter und Kind ist hier völlig fehl am Platze. Eine Mutter verweigert ihrem Kind keine Ratschläge . Ein PA-Therapeut blockiert durch Wunschdeutungen eben genau diese Eigeninitiative die er vom Pagtienten verlangt, falls ihm tatsächlich mögliche Lösungswege einfallen und er diese zur Sprache bringt.
Sie widersprechen sich hier übrigens selbst. Sie verweisen auf Untersuchungen zu Wirksamkeit. Nur genau solche Untersuchungen belegen die Wirksamkeit einiger Kurzeittherapien vor allem der kognitiven VT noch mehr.
Bei 240-300 Stunden hat dürfte ein typischer Depressions-Patient längst aus dem Gesellschaftssystem gefallen sein was in D. nur durch den Luxus unseres Sozialstaates gemildert würde. Jemand der 3 Jahre nicht zur Arbeit gehen kann, der seinen Schulabschluss nicht machen konnte ( weil ihm die Symptome entsprechend einschränkten ) hat dann ein echtes Problem was wiederum zur Ursache von Depression werden kann.
Aber wahrscheinlich werden Sie ( wie ich es von ihren Kollegen kenne ) meine Einwände nur als “ neurotische Abwehr “ klassifizieren. Bedenken Sie aber dabei, dass ähnliche Einwände auch von vielen Kollegen der Verhaltenspsychologie geteilt werden. Gut, bei diesen Leuten wird das auch behauptet. Ist sehr bequem um sich nicht mit dem Inhalt von Kritik auseinandersetzten zu müssen, wenn man die Diskussion auf vermutete Motive dieser Diskussion lenkt. Trotzdem hoffe ich, dass mein Post hier veröffentlicht wird.