
„Gerade wolltest du noch Roller fahren! Ich hol‘ dir jetzt nicht dein Fahrrad raus! Du musst schon wissen, was du willst!“, sagt die Mutter, die gerade ihr Fahrrad aus der Garage zieht. Der „Eben-wolltest-du-noch-Satz“ ist wohl einer der Sätze, der uns Eltern am häufigsten über die Lippen geht. Wir ärgern uns, schütteln den Kopf, wollen unserem Kind klarmachen, dass es so nicht geht. Dabei spricht unser Kind nur aus, was in ihm vorgeht und was wir auch als Erwachsene gut kennen. Hin- und Hergerissen zu sein ist etwas Menschliches. Das Seelenleben ist voller Konflikte (siehe Leon Wurmser: „Der Konflikt und die Freiheit, 2013, Youtube). Wir sind so oft ambivalent.Weiterlesen
„Achtung, Trigger!“, steht in manchen Internetforen, was eigentlich eine Warnung an traumatisierte Menschen sein soll. Sie sollen hier nicht weiterlesen, denn es könnten ungute Gefühle, Erinnerungen ans Trauma, „Flashbacks“ und Ängste ausgelöst werden. Natürlich wird durch diese Vorwarnung oft der gegenteilige Effekt erreicht: Neugierig klickt man drauf und freut sich heimlich fast auf’s Gruseln. Viele Traumatisierte leiden jedoch regelrecht darunter, dass sie keinen „Trigger“ ausmachen können, sondern sie eiskalt erwischt werden von ihrer Angst.Weiterlesen

Manchmal scheint eine Entscheidung unmöglich. Es ist, als hättest Du nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Für so manche Entscheidung ist es wichtig, sich ausreichend Informationen zu beschaffen. Doch manchmal scheint das wenig zu nützen – trotz ausführlicher „Pro- und Kontraliste“ fällt die Entscheidung nicht leichter. Da kannst Du vielleicht nur überlegen: Was ist zumindest ein bisschen weniger schlimm? Gilt Deine Entscheidung für immer und ewig? Weiterlesen

Scham folgt oft rasch auf unsere – oft unbewussten – Phantasien. Oft können wir gar nicht so genau sagen, warum wir uns in diesem Ausmaß schämen. Die Psychoanalytikerin Ana-Maria Rizutto hat in einem Beitrag (1991, pep-web.org) die Scham genauer untersucht. Freud selbst stelle die Scham in Zusammenhang mit dem Sexualinstinkt (1905), insbesondere mit dem Zeigen und Sichtbarwerden der Geschlechtsorgane. Weiterlesen

Manche Menschen können sich gar nicht mehr vorstellen, dass auch ein schwerer grippaler Infekt mit Bettruhe von alleine wieder vergehen kann. Die gesunde Haut fettet sich von selbst, dazu brauchen wir keine Cremes. Der gesunde Darm schafft seine Verdauung alleine, wenn wir ihn nicht mit Verdauungsmitteln durcheinanderbringen. Auch Geburten verlaufen bei gesunden Müttern und Kindern ohne besondere Eingriffe von außen oft am besten. Doch woher kommt unsere Eingreiferitis? Weiterlesen
Seit August 2024 lebe ich in Frankreich. Trotz vier Jahren Schulfranzösisch und vielen Selbstlernversuchen komme ich hier im Alltag erstmal nicht so richtig klar. „Tabitu?“ ist keine afrikanische Sprache, sondern heisst: „Tu habites où?“ Erst gestern noch konnte ich im Café nicht das Wort „soci“ finden, obwohl die Kassiererin jeden fragte: „Avecsoci?“ Das Rätsel konnte ich vor Ort noch lösen: „Avec ce-ci? (= mit dem hier? = ausserdem?). Überall gibt’s gute Ratschläge, doch am Ende ist man allein mit dem Problem. Hier eine Liste mit meinen bisherigen Erfahrungen und eigenen Ratschlägen:Weiterlesen

„Wenn Du weißt, was Du willst, kannst Du Berge versetzen“, heißt es. Manche haben die Erfahrung gemacht, dass sie nahezu Übermenschliches schaffen, wenn der Wille und die Not gross sind. Wer Schaffenskraft, Energie, vielleicht auch Wut und Mut hat, der kann unglaublich viel verändern. Doch wird die Veränderung am Ende nicht immer als Gewinn empfunden. Es gibt Situationen im Leben, da ist es besser, den Berg stehen zu lassen, wo er ist. Es zu unterlassen, den Berg zu versetzen, kann um ein Vielfaches mehr Kraft kosten, als Berge in Bewegung zu setzen.Weiterlesen

Der Führerschein ist da und man rast. „Mann, kann der Auto fahren!“, sollen die Leute denken. Doch es ist nicht die Kunst, aufs Gas zu treten. Es ist die Kunst, die richtige Dosierung zu finden und auf dem verschneiten Berg mit Geschick so anzufahren, dass man den Vordermann nicht berührt. Erst mit der Zeit kommen Gefühl und Erfahrung zusammen, sodass das Fahren geschmeidig wird. Ähnlich ist es mit der Sexualität: Vielen fällt es leicht, mit jemandem „in die Kiste zu springen“. Manche haben kein Problem damit, sich nackt zu zeigen und lieben die „schamlose Provokation“. Doch was Scham bereitet, ist die feine Dosierung. Weiterlesen
Früher waren sie alle noch da. Die Geburtstagsfeiern fanden immer statt. Dann starben Oma und Opa, trennten sich Onkel und Tante, zog man weg, weil man ja beruflich flexibel sein muss. Nun schaust Du Dich um: Wo sind sie alle hin? Die Daten im Jahr sind immer noch dieselben. Stichtage versetzen Dir einen Stich. Du sehnst Dich nach Familie. Und siehst, wie die Nachbarin ihre demente Schwiegermutter entkräftet zum Arzt fährt. So will man’s doch auch nicht. Wie wollen wir’s dann? Weiterlesen

„Es kann nicht sein, dass Dir Deine Mutter immer noch so wichtig ist! Dass Du Dich von ihr verfolgt fühlst, dass Du sie um Erlaubnis fragst, dass Du Dich bedrängt fühlst. Am besten ist es, Du nimmst mal ein Foto von ihr und verbrennst es oder Du schickst ein Bild von ihr den Rhein runter.“ Solche Trennungsversuche klappen in der Regel nicht. Auch, wer ans andere Ende der Welt zieht, kann die Mutter innerlich mitnehmen. Weiterlesen