Wir brauchen mehr hochfrequente Psychotherapien für frühtraumatisierte und psychotische Menschen

Bild Nr. 485 von Dunja Voos

„Ich brauche mehr Einzelgespräche“ – kaum einen Satz hörte ich als Ärztin in der Psychiatrie öfter. Der Hunger nach haltgebender und empathischer Beziehung ist riesig. Wenn das Selbst wie „rupturiert“ (eingerissen) ist, braucht der Mensch einen anderen Menschen, der dabei hilft, das Selbst wieder „ganz“ werden zu lassen.

Wenn man sich die Videos der Säuglingsforscherin BeatriceBeebe.com anschaut oder an das Still-Face-Experiment, youtube, denkt, dann sieht man, wieviel Gegenüber die menschliche Seele braucht, um gesund zu reifen. Schwer psychisch kranke Menschen haben oft einen großen Drang danach, diese Erfahrung einer engen Beziehung zu einem empathischen Menschen nachzuholen.

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Links:

Lindon, John A. (1994):
Gratification and Provision in Psychoanalysis Should We Get Rid of “The Rule of Abstinence”? Psychoanalytic Dialogues, 1994, 4 (4): 549-582, tandfonline.com/…

Garrett, Michael, mgarretmd.net (2019):
Psychotherapy for psychosis: Integrating cognitive-behavioral and psychodynamic treatment.
New York: Guilford Michael Garrett: „Although medication may be helpful for some people, I no longer prescribe, directing my focus to psychotherapy.  My clinical practice is currently TeleMedicine based.“

Nettis, Maria Antonietta et al. (2019):
Early-Life Adversity, Systemic Inflammation and Comorbid Physical and Psychiatric Illnesses of Adult Life. Neuroinflammation and Schizophrenia pp 207–225, link.springer.com/…

Bertram P Karon (2003):
The tragedy of schizophrenia without psychotherapy. The Journal of the American Academy of Psychoanalysis and Dynamic Psychiatry, 2003 Spring; 31(1): 89-118. doi: 10.1521/jaap.31.1.89.21931
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12722890/

Frieda Fromm-Reichmann (1939):
Transference Problems in Schizophrenics. The Psychoanalytic Quarterly, Vol. 8, 1939, Issue 4: Pages 412-426, Published online: 10 Dec 2017, doi.org/… , tandfonline.com/… „We think of schizophrenic as a person who has had serious traumatic experiences in early infancy at a time when his ego and its ability to examine reality were not yet developed.“ (Frieda Fromm-Reichmann, S. 412)

Beitrag vom 27.2.2026 (begonnen am 12.4.2018)

2 thoughts on “Wir brauchen mehr hochfrequente Psychotherapien für frühtraumatisierte und psychotische Menschen

  1. Dunja Voos sagt:

    Liebe Melande,

    Rückmeldung an die Therapeuten geben einerseits die Patienten, andererseits das eigene Gefühl des Therapeuten und auch die Kollegen, wenn der Therapeut in Supervisionen, Intervisionsgruppen, Balintgruppen etc. eingebunden ist. Ein Therapeut kann nach der Stunde oftmals genau wie der Patient sagen: „Das war eine ‚gute‘ oder eine ’schlechte‘ Stunde und das ‚Gut‘ oder ‚Schlecht‘ misst sich quasi an der Zufriedenheit mit der emotionalen Begegnung.

    Ihr Gefühl, nämlich dass sich der Therapeut nicht gut einfühlen konnte, ist immer wieder auch Thema von Seminaren für Psychotherapeuten/Psychoanalytiker. Das Sich-nicht-Einfühlen-Können kann so stark sein, dass ein Patient eine Psychoanalyse auch abbrechen kann.

    Auf der anderen Seite gibt es Patienten, die bei so uneinfühlsamen Eltern groß geworden sind, dass sie beim Analytiker „Uneinfühlsamkeit“ erleben, obwohl der Analytiker selbst viel Einfühlung verspürt. Hier kann dann auch die Übertragung stark am Werk sein.

    Ein großes Problem ist, dass die meisten Psychotherapeuten zu wenig Selbsterfahrung in Anspruch nehmen. Psychoanalytiker sind aufgrund der Ausbildung dazu verpflichtet, relativ viele Stunden Lehranalyse zu machen (bei der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung z.B. 600 Stunden). Durch diese Selbsterfahrung wächst das Einfühlungsvermögen enorm. Fehlt es dem Psychotherapeuten an guter Selbsterfahrung, kann man manchmal eine regelrechte „Psychophobie“ feststellen: Er stoppt den Patienten, bevor dieser überhaupt zu seinen wichtigsten Verletzungen vordringen kann, weil er selbst Angst hat, vor dem, was da zum Vorschein kommen könnte.

    Gute Therapeuten zu finden, bei denen es wirklich passt, ist oft eine schwierige Aufgabe und hat manchmal auch mit Glück zu tun.
    Lesetipp: Jeffrey Moussaieff Masson: Final Analysis.

    Viele Grüße, Dunja Voos

  2. Melande sagt:

    Liebe Frau Dr. Voos.
    Das hört sich alles so schön an für mich. Ich hätte auch dringend eine psycholanalytische Therapie benötigt. In meiner (Groß-) Stadt habe ich eine solche aber nicht gefunden. Stattdessen einen 65-jährigen Arzt/Psychoanalytiker (von der Grundausbildung aus), bei dem ich schnell einen Platz für eine tiefenpsychologisch fundierte Pschotherapie bekommen habe, nun nach 50 Stdn. einml pro Woche diese Therapie beendet habe. Mit ganz viel Fragen/Irritationen, was ….das denn wohl für eine Therapie gewesen war. Er hat die ganzen 50 Min. die ruhige gleichschwebende Aufmerksamkeit perfekt aufrechterhalten; an seinen Antworten zu meinen oft verzweifelten Berichten und Gefühlszuständen habe ich aber erkannt, dass er sich NICHT in mich einfühlen konnte.

    Frage: Wer gibt einem langjährig tätigem Psychotherapeuten Rückmeldungen/Kritik/Anregungen/Zusicherung u.s.w., dass er (noch) „ein guter Therapeut ist“, der den Bedürfnissen und Erfordernissen seiner Klienten/Patienten gerecht wird?

    Es fehlt in unserer Gesellschaft SEHR an solchen Terapien/Therapeuten, von denen man nach Lesen Ihrer fabelhaften Beiträge eine Vorstellung bekommt.

    Liebe Grüße
    Melande

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