Unser Unbewusstes: Wie kommen wir da dran?

Der Psychotherapeut Daniel Mackler erzählt, dass sein Reizdarm bald aufhörte, nachdem er den Beruf des Psychotherapeuten aufgegeben hatte (Youtube). Der psychische Druck liess nach und der Darm konnte sich erholen. Wir können nicht sprechen mit unserem Darm – aber wir können auf ihn hören. Er steht vielleicht besonders für unser Unbewusstes.
Da ist ein psychischer Raum in uns, der nach Sigmund Freud das Unbewusste (Ubw) genannt wird – doch was ist ein psychischer Raum? Wenn wir nachdenken, dann merken wir, dass wir in unserem Kopf mal mehr mal weniger „Platz“ haben – je mehr wir uns in die Ecke gedrängt fühlen, desto weniger können wir in Ruhe überlegen. Schnell platzt aus uns etwas heraus, wenn es uns zu eng geworden ist. Blitzschnell sind Aggressionen entstanden, die wir nicht für uns behalten konnten.
Eine Erfahrung, die uns peinlich ist, verdrängen wir. Wir wollen nicht mehr daran denken. Besonders Aggressionen und sexuelle Themen werden leicht verdrängt, sodass unser Unbewusstes vielleicht besonders reich ist aversiven und peinlichen Gefühlen und Vorstellungen.
Erinnerungen, Körperempfindungen und Vorstellungen sind uns nicht immer bewusst. Auch können wir Gefühle manchmal übergehen – doch ebenso, wie uns die Lage unserer Beine im Raum nicht immer bewusst ist, so können wir uns vieles wieder bewusst machen, wenn wir unsere Aufmerksamkeit dorthin lenken. Manchmal sind uns auch Regungen wie Schmerzen oder Hunger (ein Trieb), die vom Körperinneren ausgehen, nicht immer gleich bewusst. Ab einer bestimmten Schwelle merken wir: „Ich hab ja Hunger!“
„Hartnäckig Unbewusstes“ zeigt sich vielleicht im Traum, dem „Königsweg (Via regia) zum Unbewussten“, wie Freud ihn genannt hat. Er hatte das Bild, dass es in uns eine Instanz gibt, die Unbewusstes bewusst werden lässt oder eben nicht: den „Zensor“. Ich verstehe darunter so etwas wie das Gefühl einer Schranke, die aus inneren Verboten, Unwissenheit oder Angst besteht.
Ein bekanntes Symbol für das Unbewusste in der Psychoanalyse ist auch die Schlafzimmertür der Eltern. Viele Phantasien werden im Kind geweckt, wenn es davor steht. Das Kind hat – besonders noch zu Freuds Zeiten, aber auch im übertragenen Sinne – keinen Zutritt zum Schlafzimmer der Eltern. Es ist tabu. Ebenso haben wir oft keinen Zutritt zu unserem Unbewussten. Es ist so geheim, dass wir es selbst nicht kennen.
Das Unbewusste wird oft auch mit einem Keller assoziiert, mit Dunkelheit, Nacht und Tod. Stufen führen hinunter ins Unbewusste – das Unbewusste ist unten, das Bewusste eher oben.
„Für sie (die Psychoanalyse) war alles Psychische zunächst unbewußt, die Bewußtseinsqualität konnte dann dazukommen oder auch wegbleiben.“ Sigmund Freud: Abhandlungen, Begriff des Unbewussten:www.textlog.de/…
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Autorin: Dr. med. Dunja Voos, Psychoanalytikerin, Ärztin, praxis-voos.de. Bücher: amazon.de


