In Ruhe sterben dürfen – geht das?

Zu Beginn meines Arztberufs erschütterte mich das Leid einer alten Patientin. Die Frau war dement und machte sich eines Nachts auf den Weg zum Grab ihres verstorbenen Mannes. Unbemerkt schlich sie sich aus dem Krankenhaus und schaffte den Weg zum nahegelegenen Friedhof; sie legte sich auf den Boden und war in der Eiseskälte schon tief eingeschlafen.
Bis man sie fand. Man brachte sie ins Krankenhaus, erweckte sie wieder zum Leben, und dann lag sie da: Noch mit Erde unter den Fingernägeln weinte sie furchtbar, weil man sie nicht in Ruhe sterben gelassen hatte.
Weiterlesen als Mitglied.
Verwandte Artikel in diesem Blog:
- Suizidalität – über das Gefühl der Auswegslosigkeit
- Schreckliche Nahtoderfahrungen – wie können Betroffene damit leben?
Links:
Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben, DGHS: Infos zur Freitodbegleitung, dghs.de
Johann Sebastian Bach, Bachwerkeverzeichnis (BWV) 8: Liebster Gott, wann werd‘ ich sterben? youtube
leidfrei-sterben.de, Palliativnetz Witten e.V., sapv.de
Podcast: über das Ende
Pfarrerin und Bestatterin: Begleitung im assistierten Suizid, 11.12.2025, ueber-das-ende.podigee.io/52…
Do not resuscitate (DNR) Informations: Wisconsin Department of Health Services, dhs.wisconsin.gov/…
Die Schweizer Ärztin Dr. Erika Preisig gründete im Jahr 2011 den Verein Lifecircle, um sich weltweit dafür einzusetzen, dass Ärzte ihren Patienten zum Freitod verhelfen dürfen
Ken Murray (30.11.2011):
Essay: How Doctors Die. It’s Not Like the Rest of Us, But It Should Be.
Zocalo Public Square „Charlie was uninterested. He went home the next day, closed his practice, and never set foot in a hospital again. He focused on spending time with family and feeling as good as possible. Several months later, he died at home. He got no chemotherapy, radiation, or surgical treatment. Medicare didn’t spend much on him.“
Ken Murray (2013): Getting Comfortable With Death & Near-Death Experiences: How Doctors Die: A Model for Everyone? Mo Med. 2013 Sep-Oct;110(5):372–374. pmc.ncbi.nlm.nih.gov/…
Emily Wilson, 21.1.2016:
How Doctors Die. Physicians are less likely than the general population to undergo intense end-of-life treatments. hms.harvard.edu/…
Josef Giger-Bütler (2018): Wenn Menschen sterben wollen. Klett-Cotta. „Der Luzerner Psychotherapeut Josef Giger-Bütler plädiert in seinem neuen Buch für den Altersfreitod – ohne Einschränkungen. Ist das wirklich erstrebenswert? Beat Bühlmann (Redaktionsteam luzern60plus.ch), bekannter Journalist und Gerontologe, hat es gelesen.“ (lu-wahlen.ch …)
Philippe Ariès (1980): Geschichte des Todes. amazon
Arthur Imhof (1991): Ars morendi: Die Kunst des Sterbens einst und heute. amazon
Faut-il laisser son chien mourir naturellement ? nicksbeard.com …
Gian Domenico Borasio: Über das Sterben. Was wir wissen. Was wir tun können. Wie wir uns darauf einstellen. 7. Auflage 2012, CHBeck, München
Arbeitsgemeinschaft spezialisierte ambulante Palliativversorgung (AG SAPV), ag-sapv.de
Katri Elina Clemens und Eberhard Klaschik:
Wie läßt sich Atemnot bei Tumorpatienten effizient lindern? Morphin ist das Opioid, das am häufigsten zur Reduktion einer Atemnot verwendet wird. Ärzte-Zeitung, 2.5.2006
Beitrag vom 3.5.2026 (begonnen am 17.11.2012)
VG-Wort Zählpixel 6641701d2b3c4609a2cb0c973d186696
3 thoughts on “In Ruhe sterben dürfen – geht das?”
Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.
Vielleicht aber sollte man als Verwandter auch überlegen ob man überhaupt den Notdienst anruft, wenn sie dann doch nichts tun sollen.
Und vielleicht sollte man, in egal welchem Alter, immer mal ein Gespräch mit der Familie führen, was man sich so vorstellt. Leider wird das aber oft vom Betreffenden gescheut. Man müsste Entscheidungen fällen… das will nicht jeder…
Und cool wäre, es wenn eine Patientenverfügung PFLICHT wäre ab Rentenbezug. Da wäre doch ein schöner Stichtag. Kann man doch immer mal wieder anpassen. So ein Ding ist änderbar passend zur Lebenssituation.
Du sprichst mir aus der Seele !
Der Tod ist in Deutschland nunmal ein Tabuthema. Und scheinbar muss er um jeden Preis verhindert werden, auch wenn es noch so absurd ist. Wenn man ganz gemein wäre, könnte man ja noch argumentieren, dass die sauteure Operation eines schwer an Demenz erkrankten nach einem Sturz nochmal abgerechnet werden kann, bevor man einsieht, dass es keinen Sinn mehr hat.
Und wenn Rettungssanis oder Notärzte keine Konsequenzen fürchten müssen, wenn sie eine Patientenverfügung ignorieren, ist das ganze Konzept Patientenverfügung auch irgendwie hinfällig. Wenn ich verfüge, dass ich nicht reanimiert werden will, dann habe ich das nicht ohne Grund getan. Und wenn es dann doch einer tut, ist das nicht in Ordnung.