Warten auf einen Psychotherapieplatz – wie kann ich das aushalten?

„Ich fühle mich total verlassen. Ich habe nur noch Angst, möchte mein Bett nicht verlassen, will mit niemandem reden. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie ich weiter funktionieren soll. Ich will nur noch weinen, aber ich kann nicht“, sagst du vielleicht.

Wenn du auf einen Therapieplatz wartest, befindest du dich vielleicht in großer Not. Vielleicht hast du sogar das Gefühl, du könntest es unmöglich alleine schaffen, bis die Therapie anfängt – doch das ist oft „normal“, wenn man so kurz vor dem Ziel steht. Vielleicht hast du Angst vor dir selbst und deinen eigenen Regungen. Du spürst sie vielleicht als eine Bedrohung, von der du nicht weisst, woher sie kommt. Der Psychoanalytiker Donald Winnicott sprach auch von der „Angst vor dem Zusammenbruch“.

Vielleicht befürchtest du, du könntest dir selbst oder anderen etwas Schlimmes antun, bevor die Therapie endlich beginnt. Oder du fühlst dich so alleine, dass du wieder Unterschlupf bei deinen Eltern suchst, obwohl dir die Beziehung zu ihnen im Augenblick vielleicht gar nicht gut tut. Vielleicht denkst du darüber nach, notfallmäßig in eine Klinik zu gehen, vielleicht kannst du dich aber auch bis zum Beginn der Therapie irgendwie durchbeissen.

Die Zeit vergeht

Doch auch die Wartezeit auf einen Therapieplatz geht vorbei. Viel Bewegung, viel Ruhe, viel Kontakt nach außen ist wichtig – aber auch das Fernsehen hilft. Allein dein Entschluss, eine Therapie zu machen, war ein Riesenschritt. Vielleicht gelingt es dir, dich zu Spaziergängen, zum Saunaabend, zum Schwimmen oder Laufen zu motivieren.

Bewegung und Wärme helfen häufig auch der Psyche. Die Wärmflasche oder die heisse Dusche können zum wichtigsten Überbrückungsinstrument werden;

Wenn du nachts nicht schlafen kannst, versuche, dich mittags hinzulegen. Ebenso hilfreich sind oft gute, „strukturierende“ und haltgebende Fernsehsendungen. Und zum Schluss noch die gute Nachricht: Der Psychologe Thomas Huckert, Uni Trier, hat zusammen mit Kollegen untersucht, wie es 106 Patienten in der 6-monatigen Wartezeit auf einen Therapieplatz erging. Bei knapp der Hälfte blieben die Beschwerden während der Wartezeit auf dem gleichen Level. Bei etwas mehr als einem Viertel verbesserten sich die Beschwerden sogar. Etwas weniger als ein Viertel der Patienten klagten über eine Verschlimmerung ihrer Beschwerden während der Wartezeit. Doch so schwer, so „unmöglich“ und unzumutbar das Warten auch erscheint: Wahrscheinlich wirst du feststellen, dass sich das Warten gelohnt hat.

Verwandte Artikel in diesem Blog:

Links:

Marion Sonnenmoser:
Vorbereitung auf die Psychotherapie: Wartezeit sinnvoll nutzen
PP 10, Ausgabe März 2011, Seite 118

Huckert, Thomas; Hank, Petra; Krampen, Günter (2012):
Veränderungen in der Symptombelastung während der Wartezeit auf einen ambulanten Psychotherapieplatz.
Psychother Psych Med 2012; 62(08): 301-309, DOI: 10.1055/s-0032-1314837
www.thieme-connect.de/…

Dieser Beitrag wurde erstmals veröffentlicht am 8.1.2013
Aktualisiert am 26.12.2025

3 thoughts on “Warten auf einen Psychotherapieplatz – wie kann ich das aushalten?

  1. Denise Frost sagt:

    Guter Beitrag! Die Möglichkeit der DPV / DPG war mir bisher noch nicht bekannt und lässt mich hoffen, vielleicht nicht ewig in der „Warteschleife“ zu stecken! Danke für den Hinweis und weiter so mit dem Blog!

  2. Hallo,

    wenn man Traumatherapie machen will dann kommt man mit 3 Monaten bei weitem nicht hin – eher ein Jahr und länger, wenn man überhaupt auf Wartelisten genommen wird.

    Dazu, mit DIS – noch schwerer. Dann diese Therapieunterbrechungen… weil die Krankenkasse nicht weiter finanzieren will.

    Es ist schwer, wenn man Hilfe braucht.

    Freundlichen Gruß, anja und sterne

  3. Hallo mein Name ist Michael
    Ich finde diesen Beitrag sehr Interessant weil es sich bei einen wieder Spiegelt,der unter Angstzustände leidet,ich konnte da ein Lied von Singen,ich musste eine Ewigkeit warten bis ich ein Termin bekommen habe,und dann sitzt du mit deinen Panikattacken da und wirst fast verrückt.
    Gruß:
    M.L

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