Wie kann ich mit meinem unaushaltbarem Schuldgefühl leben?

Manche unserer eigenen Taten erleben wir wie ein Trauma. Die Bilder verfolgen uns und es gibt nichts auf der Welt, das entschuldigen könnte, was wir getan haben. Manchmal kann uns das Leben in furchtbare Zwangslagen bringen.

Schuld kann unterschiedlich groß sein. „Dass ich mein Kind so sehr angechrien habe, verzeihe ich mir nie“, denke ich. „Dass ich mein Versprechen nicht gehalten habe, lässt mich verzweifeln.“ Wer schuldig ist, dem fällt es sehr schwer, darüber zu sprechen.

Sich schuldig fühlen zu können heißt, sich als ein Selbst erleben zu können, das getrennt von anderen ist. Es heisst, sich selbst als Autor eigener Taten erleben zu können und es heisst, empathisch sein zu können. Wenn wir uns schuldig fühlen, fühlen wir uns als jemand, der aktiv etwas getan oder gelassen hat. Vielleicht haben wir uns selbst enorm geschadet, vielleicht haben wir uns selbst oder anderen sogar eine Behinderung zugefügt (ich denke z.B. an Samuel-Koch.com und den Unfall mit seinem Vater in der Sendung „Wetten dass“ vor vielen Jahren). Wenn wir uns schuldig fühlen, fühlen wir das Prinzip von Ursache und Wirkung. Mit dem Schuldgefühl geht häufig das Gefühl von Reue einher, wozu auch der Wunsch nach Wiedergutmachung gehört. Mit solchen Regungen können wir mit anderen Menschen in Verbindung und in Resonanz treten.

„Als meine Tochter klein war, habe ich beim Kochen nicht aufgepasst und sie mit heissem Wasser übergossen.“ … „In der Schwangerschaft konnte ich nicht aufhören, Alkohol zu trinken – mein Kind ist halbseitengelähmt“ … „Beim Klettern ist meine Schwester abgestürzt – ich fühle mich schuldig für ihren Tod.“ … „Ich bin trotz Müdigkeit nochmal los und habe mir den Arm schwer gebrochen. Ich habe mir selbst eine Behinderung zugefügt.“ … „Ich habe im Affekt meinen Mann erstochen.“ Schuld kann unerträglich gross sein.

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Links:

John Steiner (1990):
Pathological Organizations as Obstacles to Mourning: The Role of Unbearable Guilt
International Journal of Psychoanalysis 1990, 71, S. 87-94, pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/2332300/

Hanna Segal (2000):
The Mind of the Fundamentalist/Terrorist. Not Learning from experience: Hiroshima, the Gulf War and 11 September. In: Newsletter of the International Psychoanalytical Association, Vol 11, Issue 1, 2002: Seite 33-35: „In 1987 I wrote a paper, ‘Silence is the real crime’, about the change in our mentality with the advent of nuclear weapons. I contended that the threat of nuclear annihilation profoundly changed the nature of our collective anxieties, turning the normal fear of death and understandable aggression into the terror of actual total annihilation.“ www.ipa.world/…pdf

Theodor Reik (1925):
Geständniszwang und Strafbedürfnis. Probleme der Psychoanalyse und der Kriminologie. Leipzig-Wien-Zürich, Internationaler Psychoanalytischer Verlag, 1925, www.zvab.com/…

Beitrag vom 24.3.2026 (begonnen am 17.4.2018)

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