Einzelkinder – werden ihre Probleme übersehen?

Die meisten Einzelkinder, die ich kenne, haben sich ihr Leben lang Geschwister gewünscht. Über die spezielle Einsamkeit von Einzelkindern wird selten gesprochen. Auf Einzelkindern lastet der Blick der Eltern viel schwerer. Sie haben gegenüber den Eltern keine Verbündeten. Die „Verwöhnung“, die die Einzelkinder oft erfahren, lässt sie sich manchmal nur noch einsamer fühlen. Einzelkinder wünschen sich vielleicht viel, so das gängige Bild. „Doch eigentlich habe ich mir immer nur Eines gewünscht: ein Geschwisterkind“, sagt eine ältere Frau. Die vielen Wünsche kommen oft daher, dass das, was sich das Einzelkind wirklich wünscht, nicht in Erfüllung geht.

Einzelkindsein kann lebenslange Trauer über ein fehlendes Geschwister bedeuten.

Oft gibt es das Bild, dass Einzelkinder verschont blieben vom Thema „Konkurrenz“. Doch auch sie haben damit zu kämpfen, wenn ihnen andere Kinder vorgehalten werden. Wichtig wäre es, sich übereinander Gedanken zu machen, die eigenen schmerzlichen Erlebnisse zu erkennen und sich ernsthaft zu fragen, wie es dem Einzelkind oder dem Geschwisterkind damit geht. Ob Geschwister- oder Einzelkind: Jeder möchte seinen Frieden mit seiner Situation schließen.

Manchmal geht es Einzelkindern ähnlich wie Paaren, die keine Kinder bekommen konnten: Bis zu ihrem Tod fehlt vielen etwas Essenzielles, das sie vielleicht als von der Natur vorgesehen dachten. Diesen Schmerz gilt es zu verstehen und in guter Weise zu halten.

Einzelkind. Das Kind, es steht im Mittelpunkt. Ob gut oder schlecht: Die Eltern starren, beobachten, zupfen, küssen, streicheln, beschämen, lauschen, verfolgen, quälen, verlassen. Sie loben und schimpfen. Das Kind, es hat keinen eigenen Raum. Nur manchmal ganz oft, wenn die Eltern sich streiten, dann sind sie beschäftigt. Es ist ihr Streit. Das Kind, es mag ihn nicht hören. Es macht ihm Angst. Es hält sich die Ohren zu und läuft im Flur auf und ab. Ganz allein.

„As an only child of an only child, a great number of her friends lived within the pages of a book, and she soon discovered what would become a life-long fascination with words, stories and character.“ joanna cannon

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Literatur:

Christine Geserick, Sonja Dörfler, Markus Kaindl:
Sind Einzelkinder anders?
GGS-Daten für Österreich, Frankreich, Norwegen und Russland
Universität Wien, Working Paper Nr. 79, 2013

Valentina Wieser (2016):
Mythos Einzelkind? Gängige Vorurteile und ihre Herkunft.
Warum sich Paare trotz vermeintlicher Nachteile für ein Einzelkind entscheiden
Bachelorarbeit Pädagogik, 2016
amazon

Anna-Maria Wallner (2013):
Einzelkinder: Geboren für Reihe eins
16.02.2013, diepresse.com/home/kultur/film/1345631/ „Erich Kästner und Jean Paul Sartre, Robert Musil und Elfriede Jelinek – viele berühmte Schriftsteller, Astronauten und Journalisten sind Einzelkinder. Sie erzählen uns von ihren guten und schlechten Erfahrungen.“

Beitrag vom 24.2.2026 (begonnen am 11.4.2017)

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