Vojta-Therapie bei Babys – eine Kritik (englisch: Reflex Locomotion Therapy)

Wenn Du Dein Baby nach Vojta behandelst, fühlst Du Dich vielleicht selbst nicht gut. Dein Baby schreit sich dabei die Seele aus dem Leib und zeigt damit seine Not an. Es schwitzt dabei. Es kann nicht mehr, aber wird zum Weitermachen gezwungen. Mehrmals täglich. Nach Erfahrung der Vojta-Therapeuten schreit das Baby aufgrund von Anstrengung, nicht aus Schmerz. Doch entscheidend ist der Stress, den das Baby empfindet. Nach den heutigen Erkenntnissen der Säuglings- und Bindungsforschung müsste die Vojta-Therapie als psychologisch hoch traumatisierend angesehen werden. Vielleicht wolltest auch Du anfangs am liebsten die Therapie abbrechen, doch Du fühltest Dich neben der Vojta-Therapeutin hilflos. Vielleicht hatte die Therapeutin fachkundige Argumente und Dir wurde gesagt, die Vojtamethode sei die beste Möglichkeit, Deinem Baby zu helfen. Doch stimmt das?

Der tschechische Kinderneurologe Vaclav Vojta (1917-2000) ist der Begründer der nach ihm benannten physiotherapeutischen Methode, die in den 1950er und 1960er Jahren entstand. Das Wissen in der Kinderneurologie hat sich durch seine Erkenntnisse enorm erweitert.

Verordnet wird die Behandlung bei frühkindlichen Bewegungs- und Koordinationsstörungen sowie bei Teillähmungen (Paresen), die durch Schädigungen des Gehirns verursacht werden. Als Mutter wirst Du angeleitet, Dein Kind in bestimmte Ausgangslagen hinzulegen, in denen es sich nur wenig bewegen kannst. Dann sollst Du Triggerpunkte drücken, um damit gewünschte Bewegungsabläufe anzubahnen (Reflexlokomotion). Zum Beispiel vertieft sich die Atmung Deines Kindes, wenn Du die Brustzone zwischen der 7. und 8. Rippe drückst. Dein Kind fängt an, sich zu drehen. Es wird somit zur Bewegung gezwungen. Es hat keine Wahl.

Vojta-Therapie bei Babys – relativ weit verbreitet

Vojta-Kindertherapeuten gibt es viele. Auch in vielen kleinen Städten Deutschlands sind sie vertreten. In Großstädten wie Düsseldorf, München oder Hamburg sind es jeweils zwischen fünf und zehn. Diese Zahl habe ich über den Deutschen Zentralverband für Physiotherapie/Krankengymnastik (ZVK) ermittelt. Der ZVK zählt 30.000 Mitglieder. Bei der Internationalen Vojta Gesellschaft e.V. (IVG) sind rund 4.000 ausgebildete Vojta-Therapeuten in Deutschland registriert – wieviele davon speziell als Vojta-Kindertherapeuten arbeiten, konnte ich nicht herausfinden.

Gelegentlich habe ich eine Stunde Aufenthalt in einem Kinder-Therapiezentrum. Hier höre ich regelmäßig über 30 Minuten lang das Schreien von Babys und Kleinkindern, die nach Vojta behandelt werden. Die Schreie klingen nach furchtbarer Angst, nach seelischem Schmerz, Fassungslosigkeit und innerer Not. Oft denke ich nach ein paar Minuten, dass ich da eigentlich einschreiten müsste. Alles andere wäre unterlassene Hilfeleistung. Dieser Film von YouTube zeigt einen Ausschnitt aus einer Vojta-Therapie aus dem Ausland: https://www.youtube.com/embed/6wSFXnZvemQ. Auch in Deutschland wird so behandelt.

Folge Deinem Gefühl

Wenn Du Dein Baby in die Hände der Krankengymnastin gibst, fühlst Du Dich vielleicht hin- und hergerissen. Dein Instinkt sagt Dir vielleicht, dass Du sofort das Leid Deines Kindes beenden möchtest. Aber Du traust Dich nicht. Du denkst, Du müsstest da durch, um ein höheres Ziel zu erreichen: Die Gesundheit Deines Kindes. Auf der ZVK-Website steht zum Beispiel: „Die Therapie sollte so früh wie möglich beginnen. Denn bei Säuglingen ist das zentrale Nervensystem noch sehr formbar.“ So ein Satz klingt natürlich beeindruckend.

Nicht zu vergessen ist jedoch, dass sich unter traumatischem Stress beim Baby auch die Telomere verkürzen können – das sind die Endstücke der Chromosomen, von denen die Lebensdauer abhängt (Xuemei Li et al., 2017, Heidinger BJ et al., 2012). Frühkindlicher Stress wird von vielen Wissenschaftlern als lebensverkürzend angesehen.

„Aber der Arzt hat mir Vojta doch empfohlen!“, sagst Du vielleicht. „Ich möchte mir später keine Vorwürfe machen, wenn mein Kind sich motorisch nicht gut entwickelt!“ Das ist verständlich. Doch wie gesagt – je nachdem, wie traumatisch die Therapie auf Dein Baby wirkt (und das kannst Du hören), könnte sich möglicherweise auch seine Lebenserwartung erniedrigen. Bobath, Bewegungsangebote, natürliche Stimulation und eine entspannte Mutter-Kind-Bindung sind aus meiner Sicht die beste Methode, die Bewegung des Kindes auf gesunde Weise zu unterstützen.

Schwierige Argumente

Nicht selten argumentieren Therapeuten, dass das Kind später im Rollstuhl landen würde. Vojta könne dies verhindern, sagen sie. Doch wer will das sagen? Studien mit Kontrollgruppen, in denen Kinder ohne Vojta-Behandlung im Rollstuhl gelandet wären, gibt es meines Wissens nicht. In bestimmten Grenzen wissen Fachleute, was „gut“ ist für das Kind. Doch zum Einen kommt es auf die Fachrichtung an: Was viele Kinderärzte und Neurologen für richtig halten, halten viele Kinderpsychologen für eine Katastrophe. Dein Kind ist ein beseeltes Wesen und die Bewegung ist immer auch Ausdruck der Psyche. Ein Kind, das sich psychisch wohlfühlt, bewegt sich viel natürlicher als eines, das an psychischen Störungen leidet.

Die wirkliche Expertin/der wirkliche Expertin für Dein Kind bist Du: die Mutter/der Vater.

Hab den Mut, nach anderen Wegen zu suchen (siehe z.B. Krankengymnastik nach Bobath oder auch Feldenkrais). Den begonnenen Weg zu beenden kann sehr schwierig sein, weil Du vielleicht unter Schuldgefühlen leidest. Du hast die Übungen vielleicht schon so oft durchgeführt, dass Du jetzt umso mehr an dem Gedanken festhältst, dass die Therapie gut sein könnte für Dein Kind und aus körperlicher Sicht vielleicht sogar anderen Methoden überlegen ist.

Hinterfragen erlaubt

Hinterfrage ruhig, was Kinderärzte und Therapeuten Dir sagen. Scheue Dich nicht, den Kinderarzt zu wechseln und weitere Meinungen einzuholen. Zögere auch nicht, die Physiotherapeutin zu wechseln – wie auf jedem Gebiet gibt es auch hier einfühlsame und weniger einfühlsame Physiotherapeuten und Physiotherapeutinnen. Vojta ist eine sehr umstrittene Methode. Der seelische Schmerz, der dem Baby gerade im vorsprachlichen Bereich möglicherweise zugefügt wird, ist aus meiner Sicht weitaus größer, als der körperliche Nutzen, den die Therapie bringt. Dies ist jedoch meine persönliche Sichtweise – hierzu gibt es meines Wissens noch keine größeren Studien.

Verwandte Artikel in diesem Blog:

Links:

Dunja Voos
Vojta-Therapie bei Babys – ein Aufschrei.
Hilfe bei einem ganz speziellen Trauma
Selbstverlag, Pulheim, 9.2.2021
amazon.de

Dunn EC, Nishimi K, Powers A, Bradley B (2016):
Is developmental timing of trauma exposure associated with depressive and post-traumatic stress disorder symptoms in adulthood?
J Psychiatr Res. 2017 Jan; 84:119-127
doi: 10.1016/j.jpsychires.2016.09.004. Epub 2016 Sep 13. PMID: 27728852; PMCID: PMC5479490
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5479490/

Xuemei Li et al. (2017):
The association between post-traumatic stress disorder and shorter telomere length: A systematic review and meta-analysis.
Journal of Affective Disorders
Volume 218, 15 August 2017, Pages 322-326
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0165032716317621

Aly, Monika (Pikler-Gesellschaft Berlin):
Mein Kind im ersten Lebensjahr.
Frühgeboren, entwicklungsverzögert, behindert? Oder einfach anders? Antworten für Eltern.
S. 132: „Ungeeignete Therapiemethoden (Vojta, Doman, Kozijawkin, Petö)“
Berlin, Heidelberg, New York. Springer 2002, 2. Auflage
Link zu Amazon

Jacobi, Gert; Riepert, Thomas; Kieslich, Matthias und Bohl, Jürgen (2001):
Todesfall während der Physiotherapie nach Vojta
Fatal outcome during physiotherapy (Vojta’s method) in a 3-month old infant.
Case report and comments on manual therapy in children
Klin Padiatr 2001 Mar-Apr; 213 (2): 76-85
Zeitschrift für Klinische Pädiatrie, Thieme-Verlag 2001; 213 (2): 76-85, DOI: 10.1055/s-2001-12881
www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/s-2001-12881

Ludewig A, Mähler C:
Early Vojta- or Bobath-physiotherapy: what is the effect on mother-child relationship?
Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie, Georg-August-Universität Göttingen
Prax Kinderpsychol Kinderpsychiatr 1999 May-Jun; 48 (5): 326-339

Weber, S.:
Indikation zur krankengymnastischen Behandlung im Säuglingsalter zur Prophylaxe infantiler Zerebralparesen
Indication for Physiotherapy in Infancy in order to Prevent Infantile Cerebral Palsy
Klin Padiatr 1983; 195(5): 347-350
DOI: 10.1055/s-2008-1034395
www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-2008-1034395

„Die gebräuchlichsten krankengymnastischen Methoden werden kurz beschrieben und kritisch bewertet auch hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen. Der Beweis einer Überlegenheit der Effektivität im motorischen Bereich einer Methode kann nicht erbracht werden. Es zeigt sich jedoch, daß bei der Methode nach Vojta schädliche Nebenwirkungen psychischer Art nicht ausgeschlossen werden können.“ (Weber, S., 1983)

Schlütter, Jana:
Festhaltetherapien sollen gestörten Kindern helfen. Aber wohlmöglich haben sie schlimme Folgen
Im Griff der Eltern
Berliner Zeitung, 23.9.2004:

„Sie (die Eltern) müssen die Kinder zum Teil in Positionen festhalten, die Schmerzen bereiten“, sagt Dr. Elke Nowotny vom Kinderschutzzentrum Berlin. Sie befürchtet dadurch psychische Schäden: „Kinder verunsichert es, wenn sie die Hände einer engen Bezugsperson mal als sehr drückend und mal als liebevoll erleben.“

Mang, Robert:
Geistig behindert und seelisch gestört:
Leben und Entwicklung unter dem Eindruck von Gewalt und die Verantwortung des Pädagogen
Diplomarbeit 2011
http://bidok.uibk.ac.at/library/mang-gewalt.html

Dieser Beitrag wurde erstmals veröffentlicht am: 28.2.2011
Aktualisiert am 2.4.2024

136 thoughts on “Vojta-Therapie bei Babys – eine Kritik (englisch: Reflex Locomotion Therapy)

  1. Anonym sagt:

    Sehr geehrte Frau Dr. Voos,

    ich bin seit über 20 Jahren als Kinderphysiotherapeutin tätig, und immer wieder bestürzt, entsetzt und hilflos bei diesem Thema.

    Die Vojta Therapie hat keinen wissenschaftlichen Wirkungsbeleg, ist und bleibt Quälerei. Dr. Vojta soll am Ende seines Lebens recht frustriert gesagt haben: „Wir lösen nur den Fluchtreflex aus.“ Das habe ich auf einer Fortbildung gehört, aber leider keine Quelle zu diesem Zitat.

    Mir begegnen immer wieder Eltern von schwerst- und lebensverkürzt erkrankten Kindern und selbst hier begegnet man immer wieder Eltern, die diese Therapie unkritisch und empathielos anwenden. Es ist zutiefst verstörend.

    Das Vojta-Prinzip überhaupt noch als Therapie zu bezeichnen, ist eine Frechheit und Zumutung, im Zeitalter von Achtsamkeit und feinsten Behandlungsmöglichkeiten, die auf fundierten anatomischen Kenntnissen beruhen, wie osteopathischen Behandlungen, Akupressur-Techniken, manuelle Lymphdrainage etc.

    Die allermeisten Eltern sind mit genug Empathie und Intuition ausgestattet und erkennen die Tortur dieser Quälerei und brechen sie ab. Leider gibt es aber auch eine Menge verunsicherter, durch die Diagnose ihrer Kinder traumatisierter Eltern, die mit ihrer Kraft und Zuversicht am Ende sind und daher leicht beeinflussbar sind.

    Von diesen Eltern wird oft mit großer Überzeugung berichtet, dass die Kinder bei den Griffen und starren Positionen natürlich weinen und schreien, aber danach den ganzen Tag schlafen und entspannt seien. Diese Kinder haben enorme Regulations- Probleme und weinen und schreien sehr sehr sehr viel mehr als gesunde Babys. Die Eltern sind natürlich froh wenn endlich mal Ruhe einkehrt. Auch die Verdauung klappt unter den Griffen, dem Festhalten und Aufbäumen, dem Schreien und der Panik, dem Fluchtreflex. Die Kinder sind nass geschwitzt.

    Ein gut ausgebildeter Kinder-PhysioTherapeut würde sagen, das ist eine vegetative Entgleisung, sprich die Stesshormone bewirken die Atembeschleunigung, die Steigerung von Herzfrequenz und Blutdruck, die Gesichtsrötung, das Auftreten von kaltem, dünnen Schweiß, den Stuhlgang/das Einkoten Und die Erhöhung der Muskelspannung, um die es ja letztendlich geht. Das Kind soll ja zu einer muskulären Antwort gebracht werden.

    Schon mehrfach wollte ich den Kinderschutzbund einschalten. Die meisten Kinderärzte haben keinerlei Ahnung was sie da an Therapie verordnen. Es ist ein Desaster und diese Kindeswohlgefährdung gehört verboten.

  2. Dr. Andreas Rutz sagt:

    Ich bin pensionierter Kinderarzt, wegen eines spastisch gelähmten Bruders quasi mit BOBATH aufgewachsen.
    Zum Video: das Kind erscheint mir gesund; eine Cerebrale Bewegungsstörung sehe ich nicht. Warum wird es behandelt?
    Die Vojta-Diagnostik („Lage-Reaktionen“) habe ich während meiner beruflichen Tätigkeit nicht durchgeführt: ich betrachte sie als inhuman, un-pädiatrisch.
    Gegenüber der Vojta-Therapie wurden meine Vorbehalte im Lauf der Zeit immer größer. Nach meiner Kenntnis ist sie inzwischen obsolet.
    Grüße in die Runde!

  3. Dunja Voos sagt:

    Herzlichen Dank, liebe Astrid Schulze, für Ihren Kommentar und die wertvollen Links.

  4. Astrid Schulze sagt:

    In Skandinavien arbeitet man nicht nach Vojta. Kindern mit CP sind dort nicht schlechter dran als in D.
    siehe https://orcid.org/0000-0002-1801-8503 und https://cpup.se/sjukgymnastmanual-sidan-1/

  5. bea sagt:

    Hallo, lese gerade ein Buch über Kindheitstraumata und da war diese Therapie genannt als traumatisches Erlebnis, musste ich erst googeln. Wenn ich mir die Kommentare so durchgelese, auch positive, kommt es wohl sehr darauf an, wie man so etwas durchführt, beachte ich Grenzen, bin ich behutsam, kann ich das Schreien des Kindes unterschreiden, ist die Therapie überhaupt angebracht? Den Kopf etwas schiefhalten ist evtl. nicht gleich Lähmung oder eine verkürzte Sehne, da gibt es sicher Grenzen und in den 50zigern galten noch ein etwas anderer Umgang mit Kindern, die eher schädlich. Wenn man sein Kind so gut kennt, dass man weiß wann es Unwillen oder Todesangst ausdrückt und man empatisch, einführenden und behutsam ist, oder sein Kind mit der Brechstange gesund bekommen möchte, ich denke da könnten die kleinen Unterschiede liegen, dass es mal hilft, mal als absolute Folter erlebt wird. Da ist ein Unterschied zwischen liebevoller Unterstützung und mein Kind ist falsch, so wie es ist und das spürt ein Kind schon sehr früh denke ich.

  6. Dunja Voos sagt:

    Herzlichen Dank, liebe Logoilo, für diesen ausführlichen Erfahrungsbericht. Eine Kollegin von mir arbeitet in der Autismus-Forschung. Sie erzählte mir, dass in Betracht gezogen wird, ob die Vojta-Therapie autistische Phänomene hervorrufen könnte.
    Das Argument mit dem „Rollstuhl“ werde ich nie verstehen. Dazu gibt es meines Wissens keine einzige Studie. Ich kenne Patienten, die auch nach intensivster Vojta-Therapie im Rollstuhl sitzen. Eine Bekannte sagte einmal: „Mit der Behinderung kann ich sehr gut leben – nicht jedoch mit en psychischen Qualen, die die Vojta-Therapie in mir ausgelöst hat.“
    Schuldgefühle bei Müttern, Vätern, Verwandten sind häufig die Regel. Es ist wichtig, sich damit auseinanderzusetzen. Die meisten Beteiligten waren hilflos und ohnmächtig – sie konnten oft nichts ändern. Schlimm finde ich es, wenn die Menschen es in etwas Heroisches umkehren und sagen: „Wir haben das durchgezogen und es war gut so!“

  7. Logoilo sagt:

    Ich stieß auf diese Seite, nachdem ich wieder einmal mit meinem Neffen telefoniert hatte dessen Vojtabehandlungen im Säuglingsalter begonnen hatten. Das Gespräch hatte ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Vergeblichkeit in mir zurückgelassen. Da ich aber vor dem Gespräch eigentlich ganz guter Dinge war, kam mir der Gedanke, dass dieses schreckliche Gefühl auf die traumatische und wirklich tragische Kindheit meines Neffen zurückzuführen sei.

    Ein halbes Jahr nachdem er auf der Welt war, wurde eine cerebrale Schädigung durch Sauerstoffmangel bei der Geburt festgestellt. Die Folge war eine spastische Hemiparese mit deutlichen Auswirkungen auf die Entwicklung der Statumotorik. Mein Neffe bekam sechs Jahre lang Vojta Therapie, dreimal täglich. Mir widerstrebt die Verwendung des Wortes Therapie. Das Kind war ein halbes Jahr alt und wurde täglich dreimal, so empfand ich es „vergewaltigt“. Während ich versuche das hier in Worte zu fassen merke ich, dass es in keinster Weise dem Leid, das ihm widerfahren ist, angemessen scheint, es klingt viel zu banal.
    Als ich das erste Mal, völlig unvoreingenommen, eine solche „therapeutische Behandlung“ miterlebte, war mir sofort klar, dass hier etwas ungeheuerliches geschah.
    Mir schien, das 6 Monate alte Baby meiner Schwester schrie in Todesangst und vermutlich war es auch so. Ich wollte einschreiten, trösten, meine Schwester verbot es mir. Die Anwendungen mussten unbarmherzig bis zum Ende durchgeführt werden. Sie ließ sich durch nichts darin beirren und schien auch kein Mitleid mit ihrem Kind zu empfinden.
    Medizin die hilft muss wehtun. Das war ihre persönliche Erfahrung. Man muss nur durchhalten. Eine Physiotherapeutin hatte sie mit der Bemerkung überzeugt, dass man später dem Kind seine Behinderung nicht mehr ansehen würde.
    Nach solchen „Berhandlungen“ war das Baby erschöpft, resigniert, konnte nicht einmal mehr weinen. Nur noch wimmern. Er schaute mit einem unendlich traurigem Blick ins Leere. Er schaute niemanden mehr an und die Resignation in seinem kleinen Gesicht hätte man nur mit viel Verleugnung als „entspanntes Lächeln“ deuten können. Seine Verzweiflung wich allmählich der Hoffnungslosigkeit. Nach einem Jahr Behandlung zeigte er nur noch wenig Interesse an seiner Umgebung und entwickelte sich auch nicht wie andere Kinder. Ich glaube, als er zwei oder drei Jahre alt war, hatte er es sogar ganz aufgegeben zu weinen. Er lies alles über sich ergehen, Gegenwehr war ja nutzlos.

    Meine Schwester ließ sich angesichts dieser beängstigenden Entwicklung nicht beirren, sie hielt weiter daran fest, dass nur diese Behandlung und keine andere ihr Kind vor größeren Beeinträchtigungen und Benachteiligungen bewahren könne.
    Leider sollte sie nicht recht behalten. Natürlich lernte er Sprechen, auch Laufen, aber spielen konnte er nicht. Jedenfalls nicht so wie andere Kinder.
    Als er etwa drei oder vier Jahre alt war, ich kam in den Semesterferien nach Hause, fiel mir auf, dass mein Neffe eindeutig autistische Verhaltensweisen zeigte. Er er nahm keinen Blickkontakt mehr auf, schien in seiner eigenen Welt gefangen zu sein, beschäftigte sich offensichtlich mit quälenden inneren Empfindungen, die in seltsam anmutenden, für Außenstehende unerklärlichen Ausbrüchen, Ticks, Grimassen und merkwürdigen Bewegungen ihren Ausdruck fanden. Er reagierte auf Ansprache überhaupt nicht mehr. Wenn man etwas zu ihm sagte oder ihn etwas fragte, gab er keine Antwort. Er schien nicht einmal zu bemerken, dass noch jemand anwesend war. Es kostet große Anstrengung ihn da wieder herauszuholen. Inzwischen ist er Erwachsen,,einsam und von vielfältigen Ängsten und Bedrohungen geplagt. Die spastische Hemiparese besteht nach wie vor. Ob er ohne die Vojtatheapie an den Rollstuhl gefesselt wäre, vermag ich nicht zu beurteilen. Ein Kinderleben in sicherer Geborgenheit, die ihm möglicherweise hätte Flügel wachsen lassen können, blieb ihm jedoch verwehrt. Ich frage mich heute noch wie ich das habe zulassen können.

  8. Katharina sagt:

    Hallo, ich bin Psychologische Psychotherapeutin für Kinder- und Jugendliche und habe meinen eigenen Sohn mit 4 Monaten mit der Vojta-Therapie behandeln lassen (Körperfehlhaltung mit Schädelasymmetrie). „Leider“ habe ich mir zuvor auch diese Internetseite angeschaut, als ich für die Therapiemethode recherchiert habe. Ich bin aufgrund dessen sehr nervös hingefahren und musste mir BEVOR es überhaupt losging, ein paar Tränchen verdrücken: aus Angst, mein Kind würde seelische Qualen erleiden und ich hätte Schuld daran.
    Mein Sohn hat geschrien und zwar immer, wenn die Therapeutin ihn auf die Seite gelegt hat. Ich habe aber schnell herausgehört, dass dieses Schreien dem Schreien auf dem Wickeltisch gleichkam: Er mochte es nicht angezogen zu werden. Nach der Übung war er gleich wieder entspannt. Und nach der Therapie hat er die Therapieplan angelacht.
    Mein Kind war vor der Therapie ein fröhliches und viel lachendes Kind und ist es nun noch immer! Ich kann keine Wesensveränderung beobachten und fühlen. Auch nicht nachdem mein Mann und ich die Übung durchgeführt hatten, Inzwischen liegt er gerade und nicht mehr schief in seinem Bettchen und seine motorische Entwicklung geht gut voran! Ich kann diese Therapieform nur empfehlen!

  9. Marlene sagt:

    Es wirft ein sehr interessantes Licht auf Frau Dr. Voos, dass sie ausschließlich auf Kommentare antwortet, welche ihre Ansichten stützen. An einem echten Austausch mit Personen, denen mit dieser Methode geholfen wurde, scheint ihr nicht zu liegen.

  10. T. Bergerhoff sagt:

    Es ist unglaublich wie hetzerisch hier über eine erfolgreiche Therapiemethode geschrieben wird. Insbesondere Frau Voos hat es sich ja zum Ziel gesetzt einen online-Kampf gegen alles was mit dieser Methode zu tun hat zu publizieren. Alle positiven Berichte in diesem Blog werden rigoros ignoriert, nur die „schlimmen“ werden kommentiert. Es reicht eben nicht aus nur über etwas zu schreiben ohne sich wirklich damit auseinandergesetzt zu haben und damit meine ich die andere Seite der Medaille zu betrachten.
    In meiner Praxis turnen all jene Kinder Vojta deren Eltern das in gemeinsamer Absprache für notwendig und erfolgversprechend halten. Alle Kinder sind nach der Behandlung in einer positven Verfassung und lächeln den Therapeuten an. Viele Kinder sehe ich als Erwachsene nach über 20 jahren wireder und es bestehen keine psychischen Beeiträchtigungen – im Gegenteil. In der Praxis wird kein Kind – wie immer behauptet – „gezwungen“.
    Ich lade Frau Voos gerne in meine Praixs ein um sich ein objektiveres Bild über diese Therapieform zu machen und mitsammt den Müttern und Vätern die Behandlung live anzuschauen und zu diskiutieren und zu verstehen, dass es keinerlei „traumatisiernde Folter und Qual“ ist, wie es gerne propagiert wird.

  11. Dunja Voos sagt:

    Liebe Emilia,
    ganz herlichen Dank für Ihren Erfahrungsbericht!

  12. Emilia sagt:

    Mein Sohn wurde das erste Mal mit 3 Wochen nach Votja behandelt aufgrund stark ausgeprägten Hackefüßchen. Es war jedesmal schrecklich und ich bereue es ebenfalls ihm das angetan zu haben. Die Therapeutin meinte irgdnwann, ich soll mein Mann mit zu den Terminen schicken wenn ich das Gebrüll nicht aushalten kann. Wir haben nach einem 1/2 Jahr wöchentlich Votja zu einer Kollegin in derselben Physiotherapeuthischen Praxis gewechselt die nach Bobath (-und Votja) behandelt bzw beide ausbildungen besaß. Wir wollten unser Kind nicht mehr foltern lassen. Allerdings hat die Dame unsere Meinung nach eine „Mischmasch-Behandlung“ zwischen ein bisschen Bobath und Votja gemacht. Heute, 3 Jahre später, steht er im Kippfuß. Wir haben die Votja Übungen nicht wie gefordert zuhause durchgeführt zumindest nicht so wie von der Therapeutin gewünscht weil wir das Gebrüll nicht aushielten. Vielleicht sind die Füßchen auch deshalb noch immer nicht so wie sie sein sollen. Ich würde jedem davon abraten und nach Bobath behandeln lassen. LG

  13. J sagt:

    Hallo ich bin selbst Physiotherapeutin… wir “ durften “ in unserer Ausbildung dieser Therapie bei einem Säugling beiwohnen. Ich fand es unerträglich. Heute, als Mutter ich hätte meinem Kind diese Behandlung niemals angetan. Furchtbar . Ich sehe die Hoffnungen der Eltern auf Hilfe und verstehe ihr Ansinnen und den Wunsch nach Gesundung ihres Kindes- aber das geht für mich nicht – möglicherweise gibt es andere Wege –
    Nach Alternativen schauen und sich nicht von der Umwelt verrückt machen lassen… Mütter / Eltern hört auf euer Herz

  14. Holger Clever sagt:

    Sehr geehrte Frau Voos,

    ich habe eine Halbseitenspaßtick. Ich wurde in einer Schule für Körperbehinderte und zu Hause von meiner Mutter nach Vojta behandelt bis ich 19 Jahre alt war.

    Die Vojtatherapie fühlt sich evtl. etwas seltsam an, wenn halt die verschiedenen Punkte gedrückt werden. Sie ist aber auf keinen Fall schmerzhaft.
    Ich kann natürlich verstehen, das dies Therapie für Kleinkinder unangenehm ist, da sie ja nicht verstehen, was mit ihnen gemacht wird. Dies war auch bei mir so.
    Ich bin meiner Mutter und der Therapeutin in der Schule dankbar, dass sie die Therapie so konsequent durgezogen haben. Meine Mutter behandelte mich 3-4 Mal am Tag, je nach dem ob ich in der Schule behandelt wurde oder nicht.

    Herzliche Grüße

    Holger Clever

  15. Dunja Voos sagt:

    Liebe Irene,
    ich kann mir vorstellen, dass es schwer ist, das alles hier zu lesen, wenn man als Mutter selbst die Vojta-Therapie durchführt.
    Hier schreiben unter anderem Betroffene, die teilweise jahrelang die Vojta-Therapie erhalten haben und teilweise auch noch bewusste Erinnerungen dazu haben.
    Viele Grüße,
    Dunja Voos

  16. Irene sagt:

    Hallo zusammen.
    Ich bin per Zufall auf diesen Artikel gestoßen und bin ehrlicher weise ziemlich empört über diese negativ Kommentare von Menschen, die keinerlei Erfahrung mit der Vojtatherapie gemacht haben!
    Wer sich wirklich konstruktiv mit diesem Thema auseinander setzten möchte ist hier definitiv falsch!
    Ich selbst turne mit meiner Tochter, seit 6 Jahren, nach Vojta. Als sie noch im Säuglingsalter war hat sie auch „mal“ dabei geweint, so wie es Babys nun mal machen wenn sie etwas nicht gut heißen. Aber als sie älter wurde ging das vorbei.
    Sie war/ist, trotz ihrer Geh- Behinderung, motorisch und kognitiv immer ganz vorne dabei. Die „Turn Zeit“ ist immer unsere ganz besondere eigene Zeit. Wir lachen, haben Spaß, erzählen uns Geschichten u singen.
    Sie ist mein drittes Kind, aber wir beide haben eine ganz besondere (innigere) Bindung.
    Sie ist ein unglaublich fröhliches Mädchen (darauf werden wir von vielen Leute angesprochen) mit einem starken Willen.
    Speziell die Vojta Therapie hat ihr sehr geholfen und uns bisher vor einer Operation bewahrt.
    Diejenigen die hier diese Therapieform so in Verruf bringen sollten sich mal überlegen ob die Probleme, die manche Kinder angeblich daraus entwickeln, nicht anderen Ursprungs sind.
    Wenn vorher schon Beziehungen nicht stimmen u Familien kaputt gehen brauch man nicht lange auf die Suche gehen.
    Natürlich sollte man sich gut überlegen ob diese, oder auch eine andere, Therapieform das richtige für das Kind ist.
    Manch ein Kind wäre vielleicht beim ostheopaten, z.B. wegen Schiefhaltung des Kopfes, besser aufgehoben.
    Da kann aber die Vojtatherapie auch nichts dafür!
    MhG

  17. Hanna sagt:

    Danke für Ihren Artikel! Ich bin Erzieherin und ganz bei Ihnen, wenn Sie sagen, Eltern sollen ihrem Gefühl gerade in so einer Situation vertrauen. Man liest viel zu wenig Kritisches darüber. Aus bindungstheoretischer Perspektive ist das eine Katastrophe. Es muss mehr Wissen geben darüber, über Beziehung in der Erziehung. Danke für diesen Beitrag.

  18. Lucie sagt:

    An mir wurde wegen verkürzten Fußsehnen ca. 1,5 Jahren die Vojta Therapie durchgeführt. Ich schrie angeblich genauso wie das Baby auf dem Video, obwohl ich älter war. Meiner Mutter wurde erzählt, daß diese Schreie davon kommen, dass das Kind sich in einer unangenehmen Art von Schwerelosigkeit befindet, als ob man fallen würde. Sie hatte aus Angst um meine Mobilität und gegen ihrem Gefühl gehandelt. Heute bin ich Mitte dreißig und habe wegen diesem Trauma nicht nur etliche psychische Probleme, sondern auch Probleme in den Beziehungen und
    im Sexualleben. Ich kann Berührungen (außer vom Partner, dem ich voll vertraue) und Kinderschreie nur schwer ertragen. Kann mich nicht richtig „fallen lassen“ und manche Körperstellen anzufassen ist bis heute sehr unangenehm. Das schlimmste ist, dass ich wegen dieser traumatischen Erfahrung seit meine Kindheit so unter Stress stehe (was man erst mit dreißig Jahren herausfand), dass mein Immunsystem davon Schaden getragen hat. Ich bekam schon als Kind .eine Autoimmunerkrankung, viele andere gesundheitliche Probleme und seit 1,5 Jahren eine schwere unheilbaren neuroimunnologische Multisystem Erkrankung, die immer schlimmer wird.
    Man hat mich mit Vojta Therapie angeblich vor Krücken bewahrt. Die wären mir ehrlich gesagt viel lieber als das was ich jetzt erleben muß. Stehe kurz vor einem Rentenantrag, habe mein Berufstraum begraben müssen, kann als Alleinerziehende mich nur begrenzt um meine Tochter kümmern, meinen Hobbys nicht mehr nachgehen, meine partnerschaftliche Beziehung leider darunter, etc. Und ich kämpfe. Jeden Tag. Von Homöopathie, Kinesiologie, Akupunktur und andere Alternativmedizin über Traumatherapie bis hin zur speziellen Ernährung. Bisher ohne Erfolg. Mein ganzheitlich Arzt, der Autor mehrerer Büchern sowohl auch Klinik Chefarzt ist, meinte, dass Vojta der Kinderseele sehr große seelische Schaden verursacht und ich bin ein Beispielfall, wenn das eigene System dadurch zusammenbricht.
    Ich hatte zwar mit mehreren traumatischen Erfahrungen zu tun, aber diese Vojta Folter war einer der schlimmsten.
    Schön, wenn einige meinen es hat keine Auswirkungen auf ihr Leben. Aber es ist ein Trauma. Für jeden. Einige haben es anscheinend wunderbar verdrängen können und es ist gut möglich, dass sich bei denen die Folgen nicht so drastisch zeigen wie bei mir. Das ist aber russisches Roulette und ich würde meinem Kind so was nie antun, es sei den sein Leben wäre unmittelbar bedroht.
    Danke für ihren Artikel. Ich bin ehrlich gesagt auch geschockt, Nicht aber von ihrem Artikel, sondern dass es für Vojta „Therapie“ so gut wie keine Kritik gibt.

  19. Flo sagt:

    Guten Tag,
    dieser Beitrag ist ein Paradebeispiel was in der heutigen Gesellschaft verkehrt läuft.
    Es wird eine These aufgestellt und dann wird versucht diese mit selektiven Studien zu untermauern.
    Alle Gegenteiligen Studien werden ignoriert.
    In meinem Beruf bin ich für diverse medizinische Studien zuständig und man kann alles beweisen wenn man dies nur möchte.
    Viele notwendige Behandlungsmethoden können schmerzhaft aber notwendig sein.
    Es gibt im übrigen sehr viele Studien wie absolut schädlich Psychoanalyse sein kann und absolut unangebracht in vielen Fällen. Und diese Meinung vertreten unter anderem auch Verhaltenstherapeuten und Psychiater. Und trotzdem bieten Sie diese an. Sie sehen dass mann für alles ein Gegenargument finden kann.
    Falls ich im Erwachsenenalter schwere bewegunseinschränkende Behinderungen hätte und erfahren würde das z. B. Sie als meine Mutter aufgrund von Vermutungen und Mitleid eine effektive Behandlung abgelegt haben, wäre diese Mutter Kind Beziehung wohl mehr belastet als eine Vojta Therapie es nach ihrer Meinung verursachen würde.
    Solche generellen Aussagen stehen für mich auf einer Ebene mit Impfgegnern, es gibt ein für und wider, aber sollte ich erfahren, dass Ich als Kind Schäden davongetragen habe weil meine Mutter mich nicht hat impfen lassen, garantiere ich Ihnen das Verhältnis zu meiner Mutter wäre bis zum Tod auf das äußerste gestört. Ich gehe davon aus, dass dies den meisten Menschen so gehen würde.

  20. Dunja Voos sagt:

    Sehr geehrte B.G.,
    vielen Dank für Ihren Erfahrungsbericht.
    Ja, es ist schwierig mit der Vojta-Therapie – dass sie wirkt und auch tiefgreifend wirkt, glaube ich sehr wohl. Und dass Mütter in einer äußerst schwierigen Lage sind, hier eine Entscheidung treffen zu müssen, das sehe ich auch.
    Viele Mütter entscheiden sich sozusagen für „das Körperliche“ und „halten durch“ und sind auch „stolz“ darauf.
    Es gibt in der Tat keine Langzeitstudien, die die möglichen psychischen Traumata durch die Vojta-Therapie untersuchen, was ich sehr schade finde.
    Als angehende Psychoanalytikerin habe ich die psychische Seite im Blick und habe die Theorie, dass das Baby die Mutter als Angreiferin wahrnimmt. Ich habe die Theorie, dass die Übungen für die Babys Qual bedeuten und dass dies im impliziten Gedächtnis abgespeichert wird. Ich meine, dass die Betroffenen später oft Angst vor Nähe und Enge entwickeln können und dass sie unter vielen vegetativen Problemen leiden, besonders wenn etwas „anstrengend“ ist. Ich beobachte auch immer wieder, dass junge Menschen in die Psychiatrie oder Psychotherapie kommen, bei denen doch „alles gut“ war, doch wenn man nachfragt, dann haben sie lange die Vojta-Therapie erhalten. Viele dieser jungen Menschen können nicht arbeiten oder haben keine Partnerschaft. Es ist meine Theorie, dass die Vojta-Therapie da eine große Mit-Ursache ist, wenn nicht sogar häufig die Haupt-Ursache.
    Davon ist nichts erwiesen, es sind „nur“ Herleitungen aus eigenen Erfahrungen und aus Erfahrungen mit Patienten und aus Herleitungen von der Bindungs- und Säunglingsforschung und aus Theorien zur Frühtraumatisierung.
    Die Mutter, die vor der Frage steht, ob sie die Vojta-Therapie durchführen soll, um Spastiken möglicherweise zu verhindern, steht in einem ungeheuren Dilemma; jede Mutter muss das für sich entscheiden. Ich glaube jedoch, dass meine kritische Sicht wichtig ist und verbreitet werden sollte, denn von offizieller Seite (Physiotherapeuten, Verbände etc.) ist überwiegend Positives zu lesen.
    Ich wünsche mir, dass dieses wichtige Feld bald einmal erforscht werden wird.

  21. B.G. sagt:

    Guten Tag,

    ich finde die Einsitigkeit dieses Artikels, sowie auch die einseitige Rückmeldungen zu nur negativen Berichten hier erschreckend und verärgernd. Ich erwarte deshalb auf Grund meiner postiven Erfahrungen mit der Vojta Therapie keine Reaktion der Autorin.

    Meiner Erfahrung und meinem Empfinden nach (und das zeigen auch die Kommentare bei der Umfrage im andern Beitrag hier auf der Seite), vermelden häufig die jenigen, die die Vojta-Therapie anwenden große Erfolge und sind dankbar über die kindliche Entwicklung. Diejenigen, die die Therapie angebrochen haben, sind die, die schockiert sind und es für eine Qual halten.
    Ja, um diese Art der Therapie – die gerade zu Beginn sehr viel Kraft kostet – muss man dahinter stehen und das Beste für sein Kind wollen. Ich habe auch feststellen können, dass unser Kind bei der Therapie starkt schwitzt und es sehr anstrengend ist, hatte aber nie den Eindruck, dass ich ihm weh tue, da das Schreien von dem 5 Monate anhaltenden Koliken-Schreien deutlich zu unterscheiden war. Wir hatten nach edm turnen stets das gleiche Ritual: „Fertig“ sagen, Hochnehmen, singen und Kuscheln. Danach stillen. Ich habe eine gute Bindung zu meinem Kind und auch das Gefühl, dass dies auf Gegenseitigkeit beruht.

    In einem Beitrag steht, dass die Person in einem Wohnheim arbeitet und die Menschen mit Behinderung glücklich sind. Das freut mich und so soll es sein, wenn keine Heilung oder Besserung der Behinderung möglich ist. Ich kenne Kinder, die nicht hätten laufen können ohne Vojta (mein erwachsener Schwager, der heute, trotz Schlaganfall als Baby mit halbseitiger Spastik, Fußball spielt. Und das Kind einer Kommilitonin, 24. SSW, welches nicht nur auf den Rollstuhl angewiesen ist). Wäre es besser, sie nicht therapiert zu haben?! Ihnen kein „normales“ Leben zu Hause oder später in der eigenen Wohnung ohne Heim und ohne jedliche Einschränkungen zu ermöglichen? Ich würde mich soweit herauslehen zu behaupten, dass diese beiden auch (genauso) glücklich sind und eine gute Bindung zu ihren Eltern haben. Ich wollte jedenfalls nicht die jenige sein, weshalb unser Kind eine Spastik engtwickelt, stigmatisiert wird und sich nicht „normal“ entwickelt.

    Unser Kind ist in der 32. SSW geboren mit 42,5 cm und 1790 g. 5 Tage Beatmung und 6 Wochen auf der Intensivstation waren nötig. Unser Kind hat die Therapie mit 5 Wochen noch im Krankenhaus begonnen und konnte mit 10 Monaten (also 9 Monate Vojta) aufhören. Inzwischen sagt der Arzt es sei ein motorischer Frühstarter. Ich bin froh und stolz, dass wir die Vojta Therapie gemacht haben und eine tolle und motivierende Physiotherapeutin hatten. Ich kann die Therapie – wie sie in unserem Fall war, aufgrund einer neurologischen Störung – nur empfehlen, obwohl ich zu Beginn manchmal mitgeweint habe. Ich würde unserem Kind immer wieder die Chance geben, sich mit etwas Hilfe altersentsprechend entwickeln zu können ohne langfristige Schäden oder Beeinträchtigungen zu behalten.
    Nachdem uns die Neurologin die Therapie für unser Kind verschreib, habe ich mich durch das halbe Internet gelesen und die Meinungen gehen einfach sehr auseinander. Ich finde es jedoch schade, dass so negativ berichtet wird (vor allem von Leuten, die abgebrochen und die therapie nciht beendet haben). Übrigens ist es wissenschaftlich NICHT nachgewiesen, dass es psychische Langzeitschäden durch die Vojta-Therapie gibt*.

    Meiner Meinung nach grenzt es schon fast an verantwortungslosigkeit, wie negativ die Therapieform hier beschrieben wird und wie die Eltern hier ermutigt werden, die Therapie abzubrechen. ich denke gerade Eltern, die am überlegen sind, wie sie ihrem Kind helfen können, sind hier leider schlecht beraten. Denn ohne die Hintergründe und das jeweilige Kind nicht persönlich gesehen zu haben, erachte ich es als unmöglich und anmaßend, von Vojta abzuraten (oder dies zu empfehlen). Wenn Eltern unsicher sind, sollten diese sich mit richtigen Fachkräften, wie Therapeut*innen und Ärt*innen austauschen. Ich habe mir auch im Vorfeld mehrere Meinungen von Ärzt*innen und (Physio-/ Psycho-) Therapeut*innen eingeholt und bin der Meinung für mein Kind das richtige getan zu haben, obwohl es nicht immer eindach war. Mir war wichtig: Wenn ich frühzeitig mit therapiere, kann mein Kind sich altersentsprechend entwickeln und die Therapie greift direkt, besser und über einen kürzeren Zeitraum.

    Betroffenen Eltern möchte ich Mut und Durchhaltevermögen zusprechen, denn es zahlt sich aus!

    Herzliche Grüße von einer Mutter mit einem inzwischen dank Vojta- Therapie kerngesunden Kleinkind.

    PS: Auch das ADHS etwas mit Vojta zu tun haben könnte, finde ich abwegig – oder gibt es dafür Belege? Mein Kind hat als Frühgeburt auch eine höhere Wahrscheinlichkeit für ADHS- sollte es dies noch bekommen, kann das aber sehr viele unterschiedliche Faktoren haben.

    PPS: Wer sich neben der angegebenen Literatur, die den Focus auf das Negative zu legen scheint, eine eigene Meinung bilden möchte, kann dies mit Hilfe des folgenden Buches:
    Orth, Heiduí (2017): Das Kind in der Vojta-Therapie: Praxisbegleiter für Eltern und Therapeuten. 3. Aufl. München: Elsevier.

    *vgl. Gutenbrunner, Christoph/Glaesener, Jean-Jacques (2007): Rehabilitation, Physikalische Medizin und Naturheilverfahren. Heidelberg: Springer Medizin Verlag. S. 153

  22. Petra Schulz sagt:

    Guten Tag,
    mein Sohn kam in der 30. Woche per Kaiserschnitt auf die Welt. Schnell stand auch fest, dass er eine konsumierende Grunderkrankung haben muss.
    Er war ca 4 – 5 Monate im Inkubator, teilweise über Lungentubus beatmet oder mit zusätzlichem Sauerstoff und Ernährung über eine Sonde.
    Später stellte sich dann die Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose heraus.
    Mit ca 1,5 bis 2 Jahren bekam er die Vojtatherapie verschrieben, weil er Entwicklungsstörungen durch die lange Zeit im Inkubator hatte; und ich bekam eine Schulung zur Selbstbehandlung, da die Therapie mehrmals täglich auch im häuslichen Bereich von mir durchgeführt wurde. Die Anleitung war sehr gut und wurde auch immer wieder neu mit der Physiotherapeutin trainiert. Die Therapie führten wir ca 2 Jahre durch; der Erfolg war überwältigend. Nachdem ich die Therapie mit meinem Sohn regelmäßig durchführen konnte, machte er regelrechte Entwicklungssprünge, auch kognitiv in der Sprachentwicklung.
    Bekommen hatte er die Therapie wegen Problemen mit dem Gleichgewicht und dem „Finden der Körpermitte“; gewirkt hat sie allerdings auf vielen Ebenen.
    Auch die emotionale Entwicklung hat davon keinen Schaden genommen.. wir sind im Gegenteil ein eingeschweißtes Team.
    Wenn ich meinen Sohn behandelt hatte, gab es eine sehr große Nähe zu ihm und die Finger fanden fast schon allein die Druckreflexpunkte.
    Das Schreien war nicht schlimmer als bei Impfungen, die ich ihm ja auch nicht versage, weil er schreit.
    Ich hatte ihm im Übrigen auch, da er einen beidseitigen Leistenbruch als Folge der Frühgeburt hatte, bis zur Leisten-OP den Hodensack von den Darmschlingen frei massiert. Das hatten die Schwestern im Krankenhaus komplett mir überlassen, weil ich den besseren Zugang, das bessere Feingefühl zu den anatomischen Besonderheiten meines Sohnes hatte. Auch ein Ergebnis der Vojtatherapie; ich erlangte damit die Befähigung, mich mit den Fingern in meinen Sohn „hinein zu fühlen“.
    Ich bin unendlich dankbar, dass er diese Therapie bekam, weil viele seiner heutigen Fähigkeiten ohne diese nicht so gut möglich wären.
    Er hatte auch das Glück, im Rahmen einer Mitarbeiter- Schulung vom Prof. Vojta persönlich behandelt zu werden.
    Ich sehe im Fall meines Sohnes nur Vorteile.

  23. Dunja Voos sagt:

    Sehr geehrte Frau Sauer,
    vielen Dank für Ihren Kommentar. Es wäre so wichtig, die Kinderärzte noch einmal genau über die Bindungstheorie, die Entwicklungspsychologie und den Zusammenhang mit der traumatisierenden Wirkung der Vojta-Therapie zu informieren. Sehr vielen Kinderärzten ist nicht klar, was sie Mutter und Kind mit der Verordnung der Vojta-Therapie aus psychologischer Sicht antun. Ein Kinderarzt bedankte sich einmal bei mir für meine Informationskampagne. Er verordnet seither keine Vojta-Therapie mehr.

    Dass ein Baby eine Seite bevorzugt, kommt recht häufig vor. Ich würde Ihnen empfehlen, Ihrem Kind viel Bewegung zu bieten, nochmals mit dem Kinderarzt zu sprechen und nach Alternativen zur Vojta-Therapie zu suchen.

    Herzliche Grüße,
    Dunja Voos

  24. Nadine Sauer mit Luana sagt:

    Sehr geehrte Frau Dr. Voos,
    Ich bin grade auf ihren Eintrag gestoßen und hoffe auf eine Antwort von Ihnen.
    Bei der u4 meiner kleinen Tochter verordnete der Kinderarzt Krankengymnastik nach vojta, aufgrund eines rechtsdralls des Kopfes/ des Nackens. ( ja auch ich sehe die leichte schiefstellung)
    Gestern hatten wir einen Termin, dieser verlief nach Bobath zum kennenlernen, da war meine Tochter auch voll dabei und interessiert. Die Physiotherapeutin möchte nach Vojta und Bobath arbeiten.
    Heute hatten wir einen neuen Termin und dieser verlief nach Vojta. Ich könnt immernoch weinen weil ich das weinen meiner kleinen im Ohr habe. Ebenso is mir zuhause aufgefallen das sie viele kleine rote Punkte um die Augen hat und eine geplatzte Ader im Auge.
    Ich habe die Übung auch selbst durchgeführt nach Anleitung…. :( ich hasse nich gerade dafür….

    Jetzt frage ich mich ob Osteopathie besser geeignet wäre für die kleine Maus, oder ob Bobath ausreicht…

    Die Physiotherapeutin war super lieb zu meiner kleinen vor und nach der Anwendung… aber wenn mein Kind schreit kann ja was nicht in Ordnung sein, vorallem weil ich nicht empfand das es nur ein wenen vor Anstrengung war….
    Ich will die Bindung zu meiner Tochter nicht stören durch solche Therapieformen…

    Hoffentlich antworten Sie mir….
    Lg

  25. Dunja Voos sagt:

    Ich habe großen Respekt vor Ihrem Vater – dass er es nicht über’s Herz gebracht hat, heißt, dass er seinem Herzen gefolgt ist …

  26. Kari sagt:

    Guten Tag,

    bei meiner Recherche für eine Abschlussprüfung stolperte ich über den Begriff der Vojta Therapie und beschloss die Gelegenheit zu nutzen die Ursprünge zu recherchieren. Als Säugling wurde bei mir das KISS Syndrom diagnostiziert und eine Vojta Therapie empfohlen. Gut 21 Jahre später bin ich, die niemals laufen lernen sollte, die niemals überhaupt fähig sein sollte gerade zu stehen fit. Nun, jetzt mag man anzweifeln ob dieser Erfolg dank jahrelanger Therapie zustande kam, doch die Ärzte mit denen meine Mutter damals gesprochen hat und Vojta nicht empfohlen hatte (es dauerte sehr lang bis man meiner Mutter sagte, dass es überhaupt Hoffnung gäbe) informierten sie, dass sie sich nichts vormachen soll und mich einfach ohne Behandlung „weiterleben“ lassen soll, ich wäre behindert und das würde so bleiben.

    Muss gestehen, dass ich meiner (sehr sanften und liebevollen) Mutter verdammt dankbar bin, dass sie täglich bei jedem Wetter zur Therapie gefahren ist und die anderen zweimal pro Tag unseren Küchentisch zweckentfremdet hat. Ich gehe nämlich gern mal spazieren und will das nicht missen. ;)

    Habe ich geschrien? Ja. Meine Mutter erzählte mir, dass sie Alpträume hatte und am Anfang selber weinte als sie mit mir turnte. Aber sie war versessen darauf durchzuhalten um mir das bestmöglichste leben zu ermöglichen. Hatte sie Angst ich würde sie hassen? Ja. Hatte ich jemals etwas anderes als eine unglaublich starke Bindung zu ihr? Nein.

    Ich stimme einem der Vorposter zu, sobald ich alt genug war um mich sprachlich auszudrücken (in meiner vor pubertären Phase hatte ich nochmal ein paar Monate Vojta Therapie aufgrund eines schiefgegangenen Wachstums schubs) habe ich nicht mehr geschrien. Warum? Weil es nicht weh tut sondern nur ein merkwürdiges Gefühl ist, unangenehm aber nicht schmerzhaft. Es ist als würde man einen neuen Sport anfangen und plötzlich Muskeln und Körperpartien benutzen die man vorher nie gebraucht hat. Ich werde nicht lügen und behaupten, dass es mir Spaß gemacht hat, aber es war keine Folter. Auch während meiner zweiten Therapiezeit gab es Pausen zwischen den Übungen und dann wurde nicht mehr gespielt sondern sich unterhalten.

    Ich habe großen Respekt vor allen Eltern die nicht nur bei der Therapie zuschauen sondern auch mitmachen, mein Vater beispielsweise hat es nicht übers Herz gebracht, ich kann mir vorstellen wie schwer es ist.
    Doch ich kann nur sagen, dass ich froh bin, dass meine Mutter so störrisch weitergemacht hat.

    LG

  27. R. F. sagt:

    Hallo,
    ich bin entsetzt über diesen Artikel und das Video ist auch weit entfernt von der Realität. Ich bin selbst Physiotherapeutin und habe Vojta am eigenen Leib erfahren, diese Therapie ist sehr anstrengend und löst nach der ersten Behandlung bereits Muskelkater aus. Ich selber habe keine Schmerzen bei dieser Therapie empfunden, lediglich nur Anstrengung. Als meine Tochter 2016 mit ca. 5 Monaten Physiotherapie (Bobath, Vojta) verschrieben bekam entschied ich mich bewusst für Vojta. Da ich bereits ein Praktikum bei einer Vojta Therapeutin absolviert hatte und einfach nur begeistert war von dieser Therapie. Die ersten beiden Termine waren für meine Tochter ungewohnt und anstrengend, es gab sehr viele Spielpausen in denen gelacht wurde. So wie das Baby im Video schreit, so hat meine Tochter nicht geschrien, das sie die ersten Male die vorgegebenen Positionen unangenehm fand weil es anstrengend und ungewohnt war, ist verständlich. Unsere Vojta Therapeutin ist die ganze Therapie langsam angegangen und hat sich nach meiner Tochter gerichtet, wenn sie angefangen hat zu weinen wurde eine Spielpause gemacht, dann wurde es erneut probiert. Den einen Tag wurde viel erreicht, weil meine Tochter alles prima durchführen lassen hat, einen anderen Tag wurde nur wenig geschafft und mehr gespielt, weil sie nicht gut drauf war.
    Ich denke das sich einige die solch schlechte Erfahrungen gemacht hatten, einfach nur einen schlechten Therapeuten gewählt hatten. Schließlich gibt es auch Therapeuten, wie auch in jedem anderen Beruf üblich, die die Prüfung nur mit ach und krach bestanden haben.
    Diese Woche muss ich mit meinem Sohn (4 1/2 Monate) das erste mal zur Vojta Therapie, dieses Mal zu einer anderen Therapeutin. Ich bin mir aber auch sicher, dass ihm die Therapie helfen wird.

    LG R. F.

  28. Klaudia nöh sagt:

    Ich bin total schockiert!
    Mein Sohn wird dieses Jahr 30 Jahre alt-ein total empathisch er und emotionaler Mensch:)
    M. Kam 3tage später,noch mit käseschmiere und so goldig duftend auf die welt:))
    Nach 2wo fiel mir beim stillen und wickeln auf,dass er wie „ein flitzebogen“ -nach einer Seite gekrümmt-da lag.
    Die Folge war die vojta Methode ,welche ich mit blutenden Herzen 13 Monate tgl 3×20 mindurchgeführt habe.ich hab alles getan,damit mein Sohn gesund wird.
    Heute hat m.seit Jahren ein sehr hohes Aggressionspotential und ich würde fast schon ein erwachsenen adhs vermuten!
    Damals hatte ich kein handay und kein goole,
    Da ich jetzt aber all diese artikel gelesen hab,wird auf einmal so vieles klarer
    Ich werde mit meinem sohn sprechen und diese folgen gemeinsam in für m.’s gute bahnen lenken!
    Wir schaffen das,weil ich meinen sohn sehr liebe!

  29. Dunja Voos sagt:

    Liebe Sylphes,
    herzlichen Dank für diesen wunderbaren Kommentar, der mir aus der Seele spricht. Die Vojta-Behandlung bei Babys erscheint mir oft wie eine herzlose, aber auch „wütende“ Reparaturwerkstatt. Ich finde, das Schlimmste, was man einem Kind antun kann, ist, es bindungs- und beziehungsunfähig zu machen. Dann ist die Lebensfreude zerstört. Es gibt viele Behinderte, die glückliche Beziehungen führen und es gibt vergleichbar Behinderte, für die eine Beziehung unvorstellbar ist – meiner Erfahrung nach sind dies oft die Menschen, die als Baby die Vojta-Therapie erlitten haben.
    Viele Grüße,
    Dunja Voos

  30. sylphes sagt:

    liebe lesenden
    ich bin entsetzt über diese therapie sowie über die gründe, warum ein kind so eine therapie erhalten sollte. als ehemalige betreuerin in einem wohnheim für menschen mit z.t. schweren mehrfachbehinderungen durfte ich erfahren, wie glücklich bzw. „normal“ sich behinderte menschen fühlen können, die von ihren eltern einfach geliebt und angenommen wurden und werden, anstatt dass an ihnen dauernd herumgedoktert und herumtherapiert wurde. das ist bestimmt einfach zu sagen als „aussenstehende“. aber es ist als aussenstehende eben auch so offensichtlich zu erkennen, wie sehr menschen (egal wie stark geistig behindert) darunter leiden, wenn sie spüren, dass sie so, wie sie sind, nicht richtig sind. der förderwahn bzw. -druck der eltern ist einfach ungeheuer belastend für die „kinder“, die einfach nur geliebt und angenommen werden wollen. ist ja bei nicht-behinderten nicht anders.

  31. Reinhard Bautsch sagt:

    Guten Tag Frau Dr. Voos,
    ich kann sie und all die Mütter und Väter verstehen, dass sie die Vojta-Methode ablehnen. Babys entwickeln sich nicht mit anderen Babys im Gleichschritt. Deswegen gleich mit „Kanonen“ zu schießen ist Unsinn.
    Aber: In bestimmten Fällen ist die Vojta-Methode erforderlich.
    Meine Tochter wurde 1975 – APGAR 1 – mit Kaiserschnitt wegen einer doppelten Nabelschnurumschlingung geboren. Eine komplette, halbseitige Lähmung aufgrund der Gehirnschädigung (Sauerstoffmangel) war die erschütternde Folge.
    Ein Jahr vorher hatte ich einen Bericht über die vollständige Rekonvaleszenz nach dreifachem Schlaganfall der Schauspielerin Paticia Neal (Ehefrau des Authors Roald Dahl) gelesen. Ich wußte nicht mehr wie die Methode heißt, wußte nur, dass durch eine Art Rückkoppelung andere, noch funktionierende Gehirnregionen die Funktion der zerstörten Teile übernehmen können. Und das eine Therapie sehr zeitnah beginnen soll sowie die Erkenntnis dass „junge“ Gehirne viel schneller und vollständiger heilen als „erwachsene“ Gehirne. Habe Spezialisten in Hamburg und Mainz aufgesucht. Antwort war ich solle in 2 Jahren mal mit dem Kind vorsprechen. Viel telefoniert uns schlussendlich von der Mayoklinik in Rochester/Minnesota den Namen eines deutschen Arztes erhalten. Prof. Dr. Brüster in Neuss und Düsseldorf. Er hat nach einer Untersuchung unserer Tochter die Vojta-Methode empfohlen. Inklusive der emotionalen Auswirkungen auf das Kind und die Eltern. Da es am Wohnort und in dessen Nähe keine Krankengymnastin mit Vojta-Ausbildung gab, jemanden gesucht der bereit war das zu lernen und dann die Ausbildung etc. selber bezahlt. vom 4. bis zum 12. Lebensmonat dreimal am Tag die „Kindquälerei“ durchgeführt. Morgens Krankengymnastin, mittags meine Frau und abens ich. Inklusive Heilig Abend und Sylvester. Anfang des 13. Monats unsere Tochter zu einem Check-Termin vorgestellt. Der Arzt meinte wir sollen ihm das kranke Kind zeigen! Nach unserem Hinweis, das dieses unsere Tochter ist sah er uns an und meinte „Haben sie das wirklich dreimal am Tag all die Monate durchgestanden?!“
    Die Hemiparese war komplett geheilt. Und so ist es bis heute. Ein EEG wegen starker Migräneanfälle (Pubertätszeit) ließ den Arzt verzweifeln. Aus bestimmten Hirnregionen kamen keine Signale. Wie den auch.
    Fazit: Wäre ich damals nicht so stur gewesen, hätten meine Frau und ich unsere eigenen Emotionen nicht hinter das erhoffte Ergebnis gestellt um diese schreckliche Zeit der Quälerei durchzustehen, unsere Tochter wäre halbseitig gelähmt.
    Es gibt also gute Gründe, die Vojta-Methode anzuwenden. Unsere Tochter verdankt ihr ein besseres Leben.
    PS Ich habe eben Korrektur gelesen. Und wieder kommen mir die Tränen. Mist!

  32. Sabrina Meinen sagt:

    Hallo an alle,
    Hallo an Mia,
    Ich hoffe ihr konntet mit Bobath beginnen. Ich selbst bin Ergotherapeutin und habe einen Grundkurs in Bobath (Erwachsene). Mein Sohn ist dieses Jahr zu früh geboren. Ich habe mich um Physiotherapie bemüht und auf Bobath geachtet. Somit konnte mein Sohn einiges aufholen.
    Ich kann mir diese Weg für dein Kind auch vorstellen. Denn Bobath ist die sanfte Anstrengung. Wenn mein Sohn keine Lust hat, bzw. sich wieder zurück dreht, so bekommt er eine andere Position angeboten. Also geht es immer mit dem Kind zusammen und nicht nur nach dem Therapeuten.
    Ein Grundsatz von Bobath ist, dass der Patient das Ziel vorgibt. Und weil dein Sohn zu klein dafür ist, gibst du das Ziel vor. Wenn du selbst zufrieden bist, dann hast du kein Ziel und damit findet keine Therapie statt … ohne Ziel behandel ich selbst auch nicht. Ich schicke die Patienten sogar wieder weg.
    Mia, du hast geschrieben dein Sohn mochte die Bauchlage nicht. Ich kann mir vorstellen, dass es an der Anstrengung lag, es wird zu schwer gewesen sein. Und das wird seine eigentliche Ursache im Herzen haben. Eine gute Abhilfe hierfür ist, wenn der Therapeut die Eltern anleitet das Kind entsprechend zu lagern, damit es weniger Kraft für die Position aufbringen muss. Und damit kann das Kind Spaß an der Lage entwickeln. Und das geht bei Bobath gut.

    Lernendes ist für alle wichtig: fragt den Therapeut warum er gerade das macht. Er muss es erklären können und ihr müsst ihm folgen können. Sonst funktioniert die Therapie nicht. Dann muss sie beendet werden oder der Therapeut wählt einen anderen Ansatz.

    Ich hoffe, dies hilft …

    Grüße
    Sabrina

  33. Dunja Voos sagt:

    Liebe Dari,
    wegen eines verkürzten Zungenbändchens Vojta-Therapie. Das finde ich unfassbar. Wie gut, dass Sie auf sich selbst gehört haben und das Schreien als „Schreien in der Not“ erkannt haben. Ihr vier Monate alter Sohn ist sicher nicht „verwöhnt“, sondern er wird von Ihnen emotional verstanden. Alle guten Wünsche!
    Dunja Voos

  34. Dari sagt:

    Hallo. Leider haben ich den Beitrag erst entdeckt nachden wir bei einer Vojta-Physio waren. Aber der Beitrag half mir, diese Therapie nun abzubrechen. Ich fand es furchtbar, wie herzzerreißend mein Baby geschrien hat. Das war kein „Mir passt es jetzt nicht“ sondern ein Schreien in der Not. Dabei hat der Therapeut auch noch erwähnt wie verwöhnt mein vier Monate alter Sohn ist, weil ich ihn gleich beruhigen möchte. Das war total deplatziert… Zumal ich mich eh frage ob er die Therapie braucht. Er ist teilweise viel weiter als andere Kinder zu der Zeit und uns wurde die Therapie wegen eines verkürzten Zungenbändchens empfohlen…

  35. Dunja Voos sagt:

    Liebe Mia,

    ich freue mich sehr über Ihren Beitrag! Ja, gerade Ärzte können häufig viel zu wenig abwarten, wie sich ein Kind von sich aus entwickelt. Immer alles in „normale Bahnen“ schieben zu wollen, führt zu viel Leid. Durch die Vojta-Therapie erlernt ein Baby meines Erachtens Angst und Anspannung. Die Vojta-Therapie ist sehr anstrengend, sodass meines Wissens Kinder mit einem Herzfehler sowieso keine Vojta-Therapie erhalten sollen. Das Trauma der Vojta-Therapie bleibt in den Muskeln stecken, was später zu weiteren Anspannungen – besonders in Beziehungen – führt, so meine Erfahrung. Ich freue mich immer sehr, wenn es mir durch meine Beiträge gelungen ist, dass einem Baby und seiner Mutter die psychisch-körperlichen Qualen der Vojta-Therapie erspart bleiben.

    Herzliche Grüße und viel Freude mit Ihrem Sohn!
    Dunja Voos

  36. Mia sagt:

    Sehr geehrte Frau Dr. Voos,

    Ich bin sehr froh, auf Ihren Artikel gestoßen zu sein. Das hilft uns ungemein, am Dienstag nein zu der Therapie sagen zu können. Unser Sohn wurde diese mit 11 Monaten verschrieben, weil er bei der u6 noch nicht frei sitzen und den Vierfüßlerstand konnte. Mittlerweile ist er fast 12 Monate und er kommt von sich aus in den Sitz und auch den Vierfüßlerstand probiert er mittlerweile. Wir fanden es eh schon übertrieben, dass er bereits Physiotherapie erhalten soll.. wenn ein Kind bis 1.5 Jahre Zeit zum laufen lernen eigentlich hat. Er wurde vielleicht von uns in den ersten Monaten aufgrund seines angeborenen Herzfehler etwas zu sehr verwöhnt. Haben ihn nicht so oft auf den Bauch gelegt etc. Aber er hat dabei auch jedes mal protestiert.. daher wollten wir ihn nicht unnötig quälen. Mittlerweile dreht er sich selbst auf den Bauch hin und zurück. Rollt und robbt auf seine Art. Eigentlich ein völlig normales Baby. Er scheint keine Blockaden zu haben etc. Trotzdem hat uns die neue Kinderärztin einfach Vojta verschrieben, weil er nicht der Statistik entspricht. Sein Herzfehler wurde mit 2 Monaten übrigens weitestgehend behoben. Ich finde er hat auch einen 2 Monate Rückstand ungefähr.. aber das lag mit an uns. Wenn der Physio mir Dienstag erzählt, es sei schon drastisch bei ihm… werden wir alles absagen und lassen. Für uns kommt max. Bobath in Frage und das werde ich auch der Kinderärztin sagen.

    Danke für den Artikel.

    LG Mia

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