Da steht man in der Schlange an der Kasse und der unangenehme Mensch hinter einem hält den Mindestabstand nicht ein. Plötzlich entweicht ein dünnes Lüftchen, das es aber in sich hat. Man zeigt deutlich: “Mir stinkt’s!”. Bei Kindern kann man diesen Zusammenhang noch deutlicher feststellen als bei Erwachsenen. Auf Kindergeburtstagen und an Spielnachmittagen wird nicht nur gepupst, weil die Kinder Kinder sind. Sie tun damit oft auch ihren Unmut kund. Wer einmal darauf achtet, dass wir auch mit Körpergerüchen kommunizieren, wird erstaunt sein, wie oft wir das tun. Es ist ein großes Tabu. Menschen, die “zu viel Schweiß” produzieren und unangenehm riechen, werden oft in die Klinik zur Behandlung der “Hyperhidrosis” geschickt, ohne dass die Ärzte die psychosomatischen Zusammenhänge einmal betrachten würden. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Andreas Morlok, Pixelio) [Read more...]
Der Pups als Kommunikationsmittel – ein großes Tabu
Wie sich das Denken entwickelt –
Harold Searles und die Psychosentherapie
Gesunde Erwachsene können abstrakt denken. Sie können zum Beispiel Symbole verstehen: Das “Herz” steht zum Beispiel für die Liebe – Erwachsene denken in diesem Zusammenhang eher selten an ein konkretes, echtes Herz. Sie können sich innerlich ein Urlaubsziel ausmalen und stressige Zeiten überstehen, indem sie sich auf den Urlaub freuen und sich ihr Urlaubsziel immer wieder vorstellen. Gesunde Erwachsene können auch denken, dass sie heute vielleicht “weiß wie die Wand” aussehen und verstehen darunter, dass sie ganz blass sind. Bei schweren psychischen Störungen, wie z.B. bei Psychosen, ist dieses “freie” und abstrakte Denken eingeschränkt – oder es hat sich sogar nie entwickelt. Der amerikanische Psychoanalytiker Harold Searles (geb. 1918) ist als Spezialist für die Psychotherapie bei Schizophrenien bekannt. Er hat in seinem Buch “Der psychoanalytische Beitrag zur Schizophrenieforschung” sehr anschaulich beschrieben, wie sich das Denken Schizophrener vom Denken Gesunder unterscheidet und wie es sich vom krankhaften, konkreten Denken zum reiferen, abstrakteren Denken entwickelt. Searles vergleicht diese Entwicklungsschritte mit denen, die ein Kind durchläuft. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Lupo, Pixelio) [Read more...]
Entsymbolisierung
“Entsymbolisierung” ist ein Begriff, den der Psychoanalytiker Harold F. Searles geprägt hat. Kinder lernen im Laufe ihrer Entwicklung, nicht alles wörtlich zu nehmen, sondern auch Sinnbilder (Metaphern) und Symbole zu verstehen. Harold Searles beschreibt, dass bei schizophrenen Patienten diese Entwicklung manchmal wieder zurück läuft: Während viele Patienten früher sehr wohl Sinnbilder verstanden haben, nehmen sie in der Schizophrenie wieder alles wörtlich. Konnte der Patient vorher verstehen, dass “blau machen” eigentlich “Arbeit schwänzen” bedeutet, so stellt er sich infolge der Entsymbolisierung vor, dass da tatsächlich jemand etwas “blau macht”, also einem Gegenstand blaue Farbe verleiht. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Steffi Pelz Pixelio) [Read more...]
Konkretistisches Denken
Wenn kleine Kinder das Wort “Kreislaufprobleme” hören, denken sie, da hätte jemand Probleme damit, im Kreis zu laufen. Kleine Kinder können nur konkret denken, sie haben ein “konkretistisches” Denken. Redensarten und Wortbilder (Metaphern) zu verstehen, gelingt ihnen erst im Laufe ihrer Entwicklung. So ist es mit psychotischen Patienten sehr oft auch: Sie nehmen alles wörtlich und meinen das, was sie sagen, ebenfalls wörtlich. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Rita Köhler, Pixelio) [Read more...]
Buchtipp: Harold F. Searles:
Der psychoanalytische Beitrag zur Schizophrenieforschung
Die “Collected Papers on Schizophrenia and Related Subjects” des Psychoanalytikers Harold F. Searles (geb. 1918) wurden erstmals im Jahr 1965 veröffentlicht. 2008 legte sie der Psychosozial-Verlag neu auf: Das Buch “Der psychoanalytische Beitrag zur Schizophrenieforschung” ist 275 Seiten stark, eng bedruckt und herrlich gemütlich. Es wurde mit großer Sorgfalt aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Die Sprache stammt ungewohnterweise aus der Zeit vor dem Internet. Man kann schmunzeln, wenn man Formulierungen wie diese liest: “so aber dünkt es mir völlig natürlich …” (S. 84). Erholsamerweise gibt es keine Info-, Merkkästen oder sonstige Marginalien. In aller Seelenruhe und höchst präzise beschreibt Searles seine Arbeit mit schizophrenen Patienten. Gänzlich unaufgeregt, sehr nüchtern und logisch erklärt er, wie das “Verrücktsein” entstehen und wie die psychoanalytische Behandlung helfen kann. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Psychosozial-Verlag) [Read more...]



