Meistens können wir uns unsere Gefühle und unser Verhalten selbst erklären. Wir können uns vorstellen, wie es ist, wenn wir ärgerlich sind, warum wir es sind und wie wir uns beruhigen können. Wir können aber auch in Grenzen ahnen, was im Kopf unseres Gegenübers vorgeht. Wir können uns vorstellen, was er sich wünscht, welche Gefühle und Überzeugungen er hat, ob er die Wahrheit sagt oder lügt – und verstehen auch das. Diese Fähigkeit, uns “mentale Zustände” in uns selbst und in anderen vorzustellen, heißt “Reflexionsfunktion”, oder auch “Mentalisierungsfunktion”. Wir erlangen diese Fähigkeit bereits im Kleinkindalter – allerdings nicht von selbst: Die enge Bindung zu Mutter und Vater (bzw. einer verlässlichen Bezugsperson) ist dabei unabdingbar. [Read more...]
Mentalisierung (Reflexion):
Warum wir über uns und andere nachdenken können
Wie sprichst Du eigentlich mit Dir?
“Sag mal – wie sprichst Du eigentlich mit mir?”, fragen wir vorwurfsvoll den anderen. Doch was ist mit uns selbst? Wie sprechen wir eigentlich mit uns? Vielen fällt es leicht, freundlich zu anderen zu sein. Wir sprechen anderen Mut zu, sagen ihnen: “Kopf hoch, das wird schon, Du machst das doch gut.” Doch wer einmal auf seine Selbstgespräche achtet, wird möglicherweise feststellen, dass diese nicht die nettesten sind. Da sagt man sich: “Mensch, jetzt reiß Dich aber mal zusammen”, oder “Das verzeih ich mir nie”, oder “Da war ich zu hochnäsig. Dass mir das aber auch immer wieder passiert – peinlich!” Wie wir mit uns selbst reden, hängt oft unweigerlich damit zusammen, wie unsere Eltern mit uns sprachen. Und was die Eltern uns sagten, kann man sehr einfach herausfinden: Man muss sich bloß selbst zuhören. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Petra Borg, Pixelio) [Read more...]
Einsamkeit: Am schlimmsten sind die Sonntage
Sonn- und Feiertage – einsame Menschen würden sie am liebsten abschaffen. Auch die Abende oder schlaflosen Nächte können die Einsamkeit verstärken. Viele Menschen sind davon betroffen. Aber darüber sprechen – das tun nur die wenigsten. Meistens schämen sich die Einsamen ihrer Einsamkeit. Eine stille Wut auf die anderen und ein schmerzender Neid auf alle, die nicht einsam sind, macht sich breit. Dabei sind nicht nur alte und kranke Menschen oder “komische Kauze” betroffen – gerade die Singles in den besten Jahren, beruflich erfolgreiche und attraktive Frauen und Männer sind einsam und halten die Stille kaum länger aus. Geplatzte Träume oder Kinderlosigkeit wider Willen lässt den Schmerz an manchen (Feier-)Tagen sehr, sehr groß werden. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Heinz Lampe, Pixelio) [Read more...]
Shared Attention – geteilte Aufmerksamkeit
Mutter (Vater, Oma, Opa …) und Kind können einander betrachten, miteinander kuscheln, spielen und reden. Oder aber sie können beisammen sein, während jeder seiner Beschäftigung nachgeht: Die Mutter kocht, das Kind spielt. Eine Idylle – und eine wichtige Erfahrung für beide. Dann gibt es noch die “Shared Attention”, die “geteilte Aufmerksamkeit”, bei der Mutter und Kind sich gemeinsam um etwas kümmern, zusammen etwas schaffen oder gemeinsam etwas betrachten. Beide schauen auf dasselbe “Dritte” mit demselben Interesse und derselben Freude. Auch diese Erfahrung ist ganz wichtig. Kinder, die diese Erfahrung oft genug und ausreichend lang mit der Mutter (dem Vater etc.) gemacht haben, können sich leicht mit anderen auf etwas Gemeinsames einlassen. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Erika Hartmann, Pixelio)
Depersonalisation und Derealisation
Es gibt Momente, da wird’s einem ganz komisch. In unangenehmer Weise meint man, neben sich zu stehen. Man fühlt sich dabei völlig isoliert, ohne Bezug zu sich selbst oder zu anderen. Diesen Zustand nennen Ärzte und Psychologen “Depersonalisation”. Dieses Gefühl tritt häufig ab der Pubertät auf sowie bei psychischer Anspannung. Besonders gut kennen es Patienten mit einer Angst- oder Borderlinestörung. Da erscheint einem z.B. die eigene Hand ganz fremd oder man hört sich lachen und hat das Gefühl, man ist emotional ganz woanders. Nach ein paar Momenten vergeht dieses Gefühl wieder. Das gleiche Gefühl kann sich auch in Bezug auf die Umwelt einstellen. Alles um einen herum kommt einem dann fremd vor. Das bezeichnet man als “Derealisation”. Oft sind die Zustände “Derealisation” und “Depersonalisation” nicht zu trennen – sie treten oft gleichzeitig auf. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Rainer Sturm, Pixelio) [Read more...]
Proxemik: richtiger Abstand durch Floskeln
“Machst Du bitte die Türe zu? Es wird kalt.” Wie fühlt es sich an, wenn jemand so etwas zu Ihnen sagt? Irgendwie ist es doch ungewohnt. Es klingt, als würde der andere sich über Ihre Nachlässigkeit ärgern. Manch ein Selbstsicherheits-Trainer würde behaupten: “Es geht doch nur um die Sache. Ein persönlicher Angriff ist das nicht.” Aber warum fühlt es sich so an? Weil eine solche Aussage uns einfach sprachlich zu nah kommt. So, wie wir körperlich einen Abstand von etwa einem Meter zum Nächsten brauchen, benötigen wir auch einen gewissen sprachlichen Abstand. (Text: © Dunja Voos. Bild: © Susanne Beeck, Pixelio) [Read more...]
Wieviel Herd verträgt die Frau?
Unter Müttern wird heiß diskutiert: Wieviel Kinderbetreuung ist nötig? Wieviel kann/darf die Mutter arbeiten und wie sehr sollte sie sich um die Kinder kümmern? Die “Herdprämie” hat diese Diskussion angeheizt. (Als “Herdprämie” wird das Betreuungsgeld bezeichnet, das Eltern erhalten, wenn sie ihre Kinder selbst betreuen und nicht in die Kindertagesstätte schicken.) Gerade unter Müttern wird viel über den “Herd” diskutiert – er ist ein interessantes Symbol unserer Zeit. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Petra Bork, Pixelio) [Read more...]
Weihnachten – das Fest der Trauer
Weihnachten ist für viele Menschen ein großes Problem. Der Alltag ist eingefroren und die sozialen Beziehungen schlafen für eine gefühlte Ewigkeit ein. Seelische Störungen verstärken sich – ebenso wie Konflikte in der Familie. Viele Singles, viele “Kinder”, die keinen (vertrauensvollen) Kontakt zu ihren Eltern und ihrer Familie haben, sind Weihnachten alleine. Die Kombination aus Wochenende und Weihnachten am Montag, so wie in diesem Jahr (2012), ist für viele besonders schwer auszuhalten. Mich würden Ihre Erfahrungen interessieren – wie geht es Ihnen an Weihnachten? Über Kommentare in den nächsten Tagen würde ich mich sehr freuen. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Rainer Sturm, Pixelio)
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“Du musst mal lernen, loszulassen.”
Manchmal übertreiben wir es mit unserer “Loslass-Kultur”. Natürlich gibt es krankhafte “Ödipussis”, bei denen das “Sich-nicht-trennen-Können” eine große Rolle spielt. Doch heute hören und geben wir diesen Rat oft zu schnell. Da ist die Frau, die vor einem Jahr ihren Mann verloren hat. Da ist die junge Mutter, die ihr sechs Monate altes Kind nicht bei der Tagesmutter lassen will. Und dann ist da derjenige, der es “gut” mit uns meint und sagt: “Du musst mal lernen, loszulassen.” (Text: © Dunja Voos, Bild: © Günter Havlena, Pixelio) [Read more...]
Paul Ekman – der “Gesichtsforscher”
Sind wir überrascht, heben wir die Augenbrauen und öffnen die Augen weit. Das tun alle Menschen auf der Welt – unsere Gesichter spechen eine Sprache. Der amerikanische Psychologe Paul Ekman hat sein ganzes Berufsleben lang Gesichter erforscht. Zusammen mit seinen Kollegen Wallace V. Friesen und Joseph C. Hager entwickelte er das “Facial Action Coding System”, eine Datensammlung einer schier unglaublichen Anzahl von Gesichtsausdrücken. Ekmans Erkenntnisse werden unter anderem in der Therapie von Menschen mit Autismus eingesetzt – hier können die Patienten “lernen”, welche Gesichtsausdrücke welche Gefühle ausdrücken. Paul Ekman erforschte jedoch nicht nur die Mimik, sondern auch die gesamte Körpersprache. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Katharina Wieland-Müller, Pixelio) [Read more...]
STEEP™ – der Kurs zur Freude am Elternsein;
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STEEP ist die Abkürzung für “Steps towards effective and enjoyable parenting”. Es ist ein 1986 in den USA entwickeltes Programm, das die Eltern schrittweise hinführt zu einer “gelingenden und Freude bereitenden Elternschaft”. In Deutschland heißt das Projekt “WiEge – Wie Elternschaft gelingt”. Das Programm entstand aus der “Minnesota Längsschnittstudie über Eltern und Kinder”. Zielgruppe sind werdende und frischgebackene Eltern von Kindern im Alter von 0-3 Jahren. Das Programm basiert auf der Bindungstheorie von John Bowlby. Es will die Eltern-Kind-Bindung stärken. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Klaus Kienitz, Pixelio) [Read more...]
“Du musst lernen, Dich selbst zu lieben.”
Du musst lernen, Dich selbst zu lieben” oder: “Nimm Dich an, wie Du bist”, sind wohl die häufigsten Sätze, die fallen, wenn sich jemand unzufrieden mit sich selbst zeigt. Diese Sätze sind so leicht daher gesagt, doch Selbstliebe und Selbstakzeptanz sind die schwierigsten Kunststücke unseres Lebens. Dabei reicht es nicht, sich die “Selbstliebe” aufzuerlegen und sie zu üben. Selbstliebe und Selbstinteresse entstehen dadurch, dass wir von anderen liebevoll und mit Interesse angeblickt werden. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Rainer Sturm, Pixelio) [Read more...]



