Dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt, befürchteten die Gallier bei Asterix und Obelix. Die Angst vor Naturkatastrophen ist bei vielen ebenso präsent wie die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Aber auch die Sorge, der andere könnte einen nicht mehr lieben oder das Gefühl, zu kurz zu kommen, sind alltägliche Begleiter des Lebens. Besonders im eigenen Inneren lauern “Gefahren” wie ungewollte Wut, Rachegelüste, scheinbar nicht zu erfüllende Sehnsüchte, “unpassende” Liebe und vieles mehr. Mit diesen Dingen will die Psyche fertig werden – sie will sich vor Unlust und Angst schützen. Das Ich wehrt äußere und innere Gefahren reflexartig ab und hat dabei verschiedene Möglichkeiten. [Read more...]
Abwehr
Regression
Der Begriff “Regression” stammt vom lateinischen Wort “regredi” ab, was “zurückgehen” bedeutet. Wer sich von altersentsprechenden Verhaltensweisen zurückzieht auf frühere Entwicklungsstufen, der regrediert. In kritischen Situationen neigen wir zur Regression. Wir wollen nicht allein sein, verkrümeln uns in unser Bett oder weinen leicht vor anderen. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Lisa-Marie, Pixelio) [Read more...]
Strukturniveau
Die Psyche “besteht” nach psychoanalytischer Lehre aus “Es, Ich und Über-Ich”. Die Psychoanalytiker sprechen hier vom Strukturmodell (= Instanzenmodell). Wer als Kind das Glück hatte, sich mithilfe stabiler Eltern gesund zu entwickeln, der hat schließlich ein reifes Ich, ein reifes Überich (nicht allzu streng und nicht allzu locker) und einen guten Kontakt zum “Es”. Diese Ich-Reife ermöglicht, dass man mit seinen Emotionen gut umgehen kann. Man wird nicht umgehauen von eigenen Affekten wie Wut oder Angst, sondern kann sich selbst steuern – mal mit mehr, mal mit weniger Mühe. [Read more...]
Projektive Identifizierung
Manchmal löst ein anderer immer wieder dasselbe Gefühl in uns aus: Wir fühlen uns im Kontakt mit ihm hilflos, wütend, ohnmächtig oder schuldig. Kleine Kinder können uns “wütend machen”, wenn sie selbst wütend sind. Patienten in der Psychoanalyse, denen noch die Worte für Erlebtes und innere Nöte fehlen, “machen”, dass der Therapeut sich plötzlich so (traurig, neidisch, verzweifelt, stark) fühlt, wie sich selbst unbewusst fühlen. Wenn der andere “macht”, dass ich mich so fühle, wie er, dann spricht man von “Projektiver Identifizierung”. Der andere “legt” dann sein Gefühl, seine Eigenschaft oder Phantasie “in mich hinein”. Im Lehrbuch “Psychosomatische Medizin und Psychotherapie” (Kohlhammer 2004) wird es auf Seite 64 so erklärt: “Andere Personen werden durch Manipulation dazu gebracht, sich so zu fühlen, wie man sich selbst fühlt.” Die Projektive Identifizierung ist eine sogenannte “primitive” Form der Abwehr. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Water-Joy, Pixelio) [Read more...]
Identifikation und Introjektion
Wer sich mit einem anderen Menschen identifiziert, der übernimmt seine Verhaltensweisen und Meinungen. Kleine Kinder spielen, wie der Vater zur Arbeit zu gehen und wie die Mutter das Baby zu wickeln. In diesem Moment fühlen sie sich wie die Eltern. So lernt das Kind, sich in eine andere Person hineinzuversetzten. Gleichzeitig wird ein Vorbild so zum Ich-Ideal: “Ich möchte sein wie der Cowboy im Film”, denkt der kleine Junge. Später möchte er dann “idealerweise” männlich und cool sein. Wenn er so ist, ist er zufrieden mit sich – er entspricht dann seinem “Ich-Ideal”. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Robert Babiak, Pixelio) [Read more...]
Wendung gegen das Selbst
Wer nicht weiß, wohin mit seinen Aggressionen, der wendet sie manchmal gegen sich selbst. Das kann bewusst oder unbewusst geschehen. Wer nie seinen Ärger äußern durfte, der merkt gar nicht mehr, wenn er aggressiv ist. So kann man sich auch nicht mit dem Gegenüber, dem der Ärger gilt, auseinandersetzen. Stattdessen bleibt man freundlich und bekommt Magenschmerzen oder eine Panikattacke. Manche Menschen werden dann auch müde und gleichgültig. Die Wendung gegen das Selbst ist typisch für die Depression und ist eine Form der Abwehr. (Text: © Dunja Voos, Bild: © S.Media, Pixelio)
Konversionsstörung und Arc de Cercle
Verbotene Wünsche drücken sich manchmal in körperlichen Symptomen aus, die den ursprünglichen Gedanken widerspiegeln. Normalerweise weinen wir, wenn wir traurig sind oder werden rot, wenn wir uns schämen. Die körperliche Reaktion begleitet dabei die psychische Situation. Bei einer Konversion jedoch tritt die körperliche Reaktion an die Stelle der psychischen Reaktion. Die psychische Reaktion selbst wird nicht mehr wahrgenommen. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Thomas Schommler, Pixelio) [Read more...]
Sublimierung
Wir haben immer wieder Impulse, die wir nicht einfach jetzt und hier ausleben können. Diese Impulse lenken wir um und machen daraus etwas, das sich sehen lassen kann. Kinder, die mit Kot spielen wollen, geben sich schließlich mit Fingerfarben zufrieden. Menschen, die auf Sexualität verzichten, geben sich der Kunst hin. Wer wütend ist, der veranstaltet keine Schlägerei, sondern macht Sport. Offiziell also: “Sublimierung ist die Umwandlung von sozial weniger akzeptablen Triebzielen in sozial höherwertige” (Hoffmann/Hochapfel). Sublimierung ist eine Form der Abwehr. Allerdings gibt es auch Autoren, die die Sublimierung nicht zur Abwehr zählen, sondern sie als notwendigen Schritt zur kulturellen Entwicklung sehen.
Isolierung
Manches lässt uns kalt wie Eis. Dabei müsste es uns emotional berühren und starke Gefühle hervorrufen. Doch es gibt Dinge in der Vergangenheit und Gegenwart, die wollen wir nicht an uns heranlassen. Wir bleiben dann gerade bei diesen Themen betont sachlich. Wir isolieren das Gefühl von der Sache und verdrängen es ins Unbewusste. Bei Menschen mit einer Zwangsstörung oder schizoiden Neurose ist dieser Mechanismus sehr ausgeprägt. Sie beschäftigen sich mit Zwängen in Situationen, die eigentlich starke Gefühle auslösen müssten. Diese erscheinen dem Patienten jedoch so bedrohlich, dass er sie lieber “überfährt” mit Zwängen. Die Isolierung ist ein Abwehrmechanismus.
Ungeschehenmachen
“Noch ist die Schwiegermutter gesund”, sagen wir. “Klopf auf Holz!”, schieben wir eilig hinterher. Ungeschehenmachen nennen das die Psychoanalytiker. Diese Form der Abwehr soll Gedachtes wieder rückgängig machen. Wer magisch denkt, der hat Angst, schon allein ein “böser” Wunsch könnte reale Auswirkungen haben. Eine magische Formel soll den Schaden dann wieder beheben. “Manche rituelle Handlung läuft nach diesem Muster ab” (Siegfried Elhardt, Tiefenpsychologie, Kohlhammer 2001: 62).
Verschiebung
Die Hackordnung am Arbeitsplatz ist wohl jedem bekannt. Wer sauer auf den Chef ist, der lässt seine Wut gerne an schwächeren Kollegen aus. Das ist eine typische “Verschiebung von oben nach unten”. Werden starke Gefühle wie Lust oder Wut aufgestaut, dann muss diese Energie irgendwo hin. Wenn es zu gefährlich erscheint, sie dort abzugeben, wo sie hingehört, wird die Energie an harmloseren Orten und Gegenständen abgelassen. [Read more...]
Rationalisierung
Wenn dem Fuchs die Trauben zu hoch hängen, dann sagt er, dass sie ihm zu bitter schmecken. Was Theodor Storm in seinem Gedicht “Der Fuchs und die Traube” beschreibt, heißt Rationalisierung. Mit solchen Scheinbegründungen versuchen wir, uns über nicht Erreichtes hinwegzutrösten. Meistens wird solch eine Scheinbegründung schulterzuckend und extrem locker ausgesprochen. Der ursprüngliche Wunsch war jedoch sehr emotionsgeladen. Rationalisierung ist eine Form der Abwehr.



