Und ich hatte mich schon immmer so gewundert: Hatte ich doch im Medizinstudium gelernt, dass man die Alzheimer-Erkrankung eigentlich nur am Gehirn eines toten Menschen diagnostizieren kann. Wurde doch die Erkrankung nach dem Nervenarzt Alois Alzheimer benannt, der nach dem Tod der geistig verwirrten, 51-jährigen Auguste Deter im Jahre 1906 unter dem Mikroskop Plaques und Fibrillen fand. Fühlte ich mich doch oft genug schlecht ausgebildet, wenn andere so genau die Demenzen diagnostizierten und klassifizierten, während ich selbst dachte: Wie wollen sie sich so sicher sein? Jetzt hat mir die Diplom-Biologin und Wissenschaftsjournalistin Cornelia Stolze viele wertvolle Antworten geliefert. Ihr Buch “Vergiss Alzheimer!” zeigt mir: Ja, ich hatte im Studium gut aufgepasst und meine Zweifel waren oft genug gerechtfertigt. (Text: © Dunja Voos, Bild: © KiWi-Verlag) [Weiterlesen...]
Buchtipp: “Vergiss Alzheimer!”
Tinnitus und die Psyche
Wer einen Tinnitus bekommt, der ist zumeist stark verunsichert. Viele Fragen kommen auf: “Kann ich davon schwerhörig werden? Wird der Tinnitus je wieder aufhören? Wird er mich verrückt machen?” Wer im Internet nachliest, findet fast immer die Aufforderung: “Sofort zum Arzt!” Solche Appelle machen zu allem Überfluss noch mehr Angst. Dahinter steckt die “Drohung”, der Tinnitus würde nie wieder aufhören, wenn man nicht sofort etwas unternimmt. Doch wer einen Tinnitus bekommt, der hat vielleicht gerade “viel um die Ohren”. Vielleicht hat der Betroffene zu wenig auf sich selbst gehört. Er fühlt sich ausgeliefert und aufgeschreckt. Ein Arztbesuch mit langem Warten in überfüllten Wartezimmern ist oft das Letzte, das sich der Betroffene dann wünscht. (Text: © Dunja Voos, Bild: © MarMar, Pixelio) [Weiterlesen...]
Der Pups als Kommunikationsmittel – ein großes Tabu
Da steht man in der Schlange an der Kasse und der unangenehme Mensch hinter einem hält den Mindestabstand nicht ein. Plötzlich entweicht ein dünnes Lüftchen, das es aber in sich hat. Man zeigt deutlich: “Mir stinkt’s!”. Bei Kindern kann man diesen Zusammenhang noch deutlicher feststellen als bei Erwachsenen. Auf Kindergeburtstagen und an Spielnachmittagen wird nicht nur gepupst, weil die Kinder Kinder sind. Sie tun damit oft auch ihren Unmut kund. Wer einmal darauf achtet, dass wir auch mit Körpergerüchen kommunizieren, wird erstaunt sein, wie oft wir das tun. Es ist ein großes Tabu. Menschen, die “zu viel Schweiß” produzieren und unangenehm riechen, werden oft in die Klinik zur Behandlung der “Hyperhidrosis” geschickt, ohne dass die Ärzte die psychosomatischen Zusammenhänge einmal betrachten würden. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Andreas Morlok, Pixelio) [Weiterlesen...]
Strukturiertes Klinisches Interview für DSM-IV (SKID, SCID)
Mithilfe des strukturierten klinischen Interviews für DSM-IV (Structured Clinical Interview for DSM-IV) können Therapeuten erfassen, ob der Patient eine psychische Störung gemäß dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-IV = 4. Version) hat. Das SKID-I soll dabei helfen, sogenannte “Achse-I-Störungen” zu diagnostizieren. Dazu zählen akute psychische Störungen wie zum Beispiel eine Depression oder Angststörung. Das SKID-II soll eine “Achse-II-Störung” ermitteln. Zu den Achse-II-Störungen gehören die Persönlichkeitsstörungen. [Weiterlesen...]
Major Depression (Majore Depression)
Im englischsprachigen Raum wird eine schwere Depression als “Major Depression” bezeichnet. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) schreibt in seiner Leitliniensynopse zum Thema “Depression” aus dem Jahr 2009: (Text: © Dunja Voos. Bild: © Rainer Sturm, Pixelio) [Weiterlesen...]
Wie sich das Denken entwickelt –
Harold Searles und die Psychosentherapie
Gesunde Erwachsene können abstrakt denken. Sie können zum Beispiel Symbole verstehen: Das “Herz” steht zum Beispiel für die Liebe – Erwachsene denken in diesem Zusammenhang eher selten an ein konkretes, echtes Herz. Sie können sich innerlich ein Urlaubsziel ausmalen und stressige Zeiten überstehen, indem sie sich auf den Urlaub freuen und sich ihr Urlaubsziel immer wieder vorstellen. Gesunde Erwachsene können auch denken, dass sie heute vielleicht “weiß wie die Wand” aussehen und verstehen darunter, dass sie ganz blass sind. Bei schweren psychischen Störungen, wie z.B. bei Psychosen, ist dieses “freie” und abstrakte Denken eingeschränkt – oder es hat sich sogar nie entwickelt. Der amerikanische Psychoanalytiker Harold Searles (geb. 1918) ist als Spezialist für die Psychotherapie bei Schizophrenien bekannt. Er hat in seinem Buch “Der psychoanalytische Beitrag zur Schizophrenieforschung” sehr anschaulich beschrieben, wie sich das Denken Schizophrener vom Denken Gesunder unterscheidet und wie es sich vom krankhaften, konkreten Denken zum reiferen, abstrakteren Denken entwickelt. Searles vergleicht diese Entwicklungsschritte mit denen, die ein Kind durchläuft. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Lupo, Pixelio) [Weiterlesen...]
Rhein-Eifel-Institut für Psychotherapie
und Psychoanalyse: Termine 2012
Das Institut für Psychotherapie und Psychoanalyse Rhein-Eifel bietet auch in diesem Jahr wieder spannende Veranstaltungen und Kurse an. Der US-amerikanische Psychoanalytiker Otto Kernberg und der indische Psychoanalytiker Sudhir Kakar gehören zu den Referenten. Neuer Veranstaltungsort ab April ist die Rote Schule in Andernach. Hier ein Überblick über die Themen und Termine: (Text: © Dunja Voos, Bild: © Screenshot Rhein-Eifel-Institut) [Weiterlesen...]
Buchtipp: “Funkstille” von Tina Soliman
Das Thema “Kontaktabbruch zwischen Kindern und Eltern” ist hochaktuell und sehr emotional. Wann immer ich auch nur darauf hinweise, dass ich mich damit beschäftige, füllt sich mein Postkasten. Nun habe ich Tina Solimans Buch “Funkstille” gelesen – ein Buch, das dieses Thema von den verschiedensten Seiten beleuchtet. Die Journalistin Tina Soliman schrieb das Buch im Rahmen einer Doklumentation, die sie für das Fernsehen realisierte. Das Buch ist flott, sehr flott. Ein Durchmarsch durch verschiedene Geschichten, wobei namhafte Experten Antworten auf viele Fragen geben – darunter der Psychoanalytiker Udo Rauchfleisch, der Psychoanalytiker und Verleger Hans-Jürgen Wirth, seine Frau, die Psychotherapeutin Trin Haland-Wirth, der Psychoanalytiker Martin Teising und der Soziologe Helmut Dubiel. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Verlag Klett-Cotta) [Weiterlesen...]
Psychoanalyse tut gut – ein Ratgeber für Hilfesuchende
Mein Buch “Psychoanalyse tut gut – ein Ratgeber für Hilfesuchende” ist im August 2011 im Psychosozial-Verlag erschienen. Ich wende mich mit diesem Buch an Menschen mit psychischen Beschwerden, die auf der Suche nach Hilfe sind. Klar und einfach erkläre ich, wie psychoanalytische Therapien heute aussehen. Dabei muss niemand auf die Couch, der das nicht will. Die psychoanalytische Therapie “funktionert” auch sehr gut im Sitzen. Das Buch kostet 16,90 Euro. (Bild: © Psychosozial-Verlag) [Weiterlesen...]
Entsymbolisierung
“Entsymbolisierung” ist ein Begriff, den der Psychoanalytiker Harold F. Searles geprägt hat. Kinder lernen im Laufe ihrer Entwicklung, nicht alles wörtlich zu nehmen, sondern auch Sinnbilder (Metaphern) und Symbole zu verstehen. Harold Searles beschreibt, dass bei schizophrenen Patienten diese Entwicklung manchmal wieder zurück läuft: Während viele Patienten früher sehr wohl Sinnbilder verstanden haben, nehmen sie in der Schizophrenie wieder alles wörtlich. Konnte der Patient vorher verstehen, dass “blau machen” eigentlich “Arbeit schwänzen” bedeutet, so stellt er sich infolge der Entsymbolisierung vor, dass da tatsächlich jemand etwas “blau macht”, also einem Gegenstand blaue Farbe verleiht. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Steffi Pelz Pixelio) [Weiterlesen...]
Konkretistisches Denken
Wenn kleine Kinder das Wort “Kreislaufprobleme” hören, denken sie, da hätte jemand Probleme damit, im Kreis zu laufen. Kleine Kinder können nur konkret denken, sie haben ein “konkretistisches” Denken. Redensarten und Wortbilder (Metaphern) zu verstehen, gelingt ihnen erst im Laufe ihrer Entwicklung. So ist es mit psychotischen Patienten sehr oft auch: Sie nehmen alles wörtlich und meinen das, was sie sagen, ebenfalls wörtlich. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Rita Köhler, Pixelio) [Weiterlesen...]
“Ja, aber …” Der Zwang und die Psychoanalyse:
Fachtagung vom 24.-25.2.2012 in Salzburg
“Ist die Zwangsneurose eine Überich-Störung, die vor allem mit der Vaterbeziehung zu tun hat? Stimmt es, dass der Zwangsneurotiker ein Problem mit seiner Homosexualität hat? Wie lässt sich der offenkundige Zusammenhang von Zwang und Denken verstehen?” Diese Fragen und viele mehr werden bald auf der Tagung der Freiberg Wissenschaftlichen Gesellschaft beantwortet. Am Freitag/Samstag, dem 24./25.2.2012 können Fachleute beim “Arbeitskreis für Psychoanalyse in Österreich” auf interessante Redner stoßen, darunter auf den Baseler Psychoanalytiker Raymond Borens, auf den Leipziger Theologen und Philosophen Christoph Türcke und die Wiener Kinderanalytikerin Friedl Früh. Die Tagung findet im Parkhotel in Salzburg statt. Tagungskosten: 230 Euro (für Mitglieder 180 Euro). Informationen und Anmeldung auf www.psychoanalyse-freiberg.at.(Text: © Dunja Voos, Bild: © Freiberg Wissenschaftliche Gesellschaft) [Weiterlesen...]
Propensity-Score
“Propensity” heißt “Hang, Neigung”. Wenn Patienten in Beobachtungsstudien bestimmte Therapien erhalten, dann gibt es Gründe, warum Patient A eben Therapie A erhält und Patient B die Therapie B. Diese Tatsache wird mithilfe des “Propensity-Scores” berücksichtigt. Der Propensity-Score vermindert Verzerrungen von Studienergebnissen. Wenn eine Studie zum Beispiel zu dem Ergebnis kommt, dass Therapie A besser sei als Therapie B, dann wird dieses Ergebnis durch Einbeziehung des Propensity-Scores relativiert – also, Therapie A könnte zum Beispiel besser sein, weil diese Therapie nur jene Patienten erhalten, die im Durchschnitt noch jünger oder “gesünder” sind als Patienten, die mit Therapie B behandelt werden. Oder auf schlau: “Propensity-Score (PS) = bedingte Wahrscheinlichkeit, mit der – unter Betrachtung einer Anzahl von Variablen – ein Kandidat die Intervention erhalten würde” (Neukirch 2011). (Text: © Dunja Voos, Bild: © Rainer Sturm Pixelio) [Weiterlesen...]
Roman “Der gute Psychologe” –
könnte Angstpatienten ängstigen
Ich habe begonnen, den Roman “Der gute Psychologe” von dem Psychologen Noam Shpancer zu lesen. Ich bin erst auf Seite 41, aber ich muss mich schon aufregen. Denn hier sind verhaltenspsychologische Sichtweisen vertreten, die wohl vielen Angstpatienten einfach nicht gerecht werden und die sie an sich selbst zweifeln lassen könnten. Auf Seite 40 erklärt der Psychologe: “Panikattacken sind ein verbreitetes Phänomen; sehr unangenehm, wie Sie wohl wissen, aber ungefährlich. Niemand stirbt an einer Panikattacke.” Naja, so einfach ist es nun nicht. Eine Panikattacke bedeutet einen ungeheuren Stress für den Körper. Natürlich kann man Panikpatienten damit zunächst beruhigen, doch Studien haben gezeigt, dass Angsterkrankungen auf die Dauer schon auf das Herz gehen können (siehe unten, “Studien”).(Text: © Dunja Voos, Bild: © Knaus, Randomhouse) [Weiterlesen...]
NEO-Fünf-Faktoren-Inventar
Neurotizismus, Extraversion und Offenheit für Erfahrungen (NEO) werden mit dem NEO-Fünf-Faktoren-Inventar (Neo-FFI) gemessen. Psychologen wenden es an, um einen Überblick über die Persönlichkeit zu erhalten und um Persönlichkeitsstörungen festzustellen. Der Test dauert ungefähr 10 Minuten und besteht aus 60 Aussagen, denen der Befragte die Bewertungen von 0 (“starke Ablehnung”) bis 4 (“starke Zustimmung”) geben kann. Die Antworten geben Hinweise auf die fünf Persönlichkeitsmerkmale Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrung, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit (“Big Five”). Der NEO-FFI wurde von den Psychologen Paul T. Costa und Robert R. McCrae entwickelt. Im Internet sind solche Fragebögen normalerweise nicht zu finden, weil sie urheberrechtlich geschützt sind. Außerdem ist ihre Auswertung recht kompliziert. In Anhängen von entsprechenden Doktor- oder Diplomarbeiten kann man psychologische Tests jedoch oft in voller Länge finden. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Ruth Rudolph, Pixelio) [Weiterlesen...]


