Adipositas ist das medizinische Wort für starkes Übergewicht, oder auch “Fettleibigkeit” (lateinisch adeps = fett). Adipositas permagna schreiben Ärzte hin, wenn sie die “richtig Dicken” meinen, denn “permagnus” kommt aus dem Lateinischen und heißt “sehr groß”. Ab einem Body-Mass-Index (BMI)* von 25 gilt man als übergewichtig, ab einem BMI von 30 als “fettleibig” (= adipös). Ab einem BMI von 40 wird der Ausdruck “Adipositas per magna” verwendet. Der etwas “boshafte” Beigeschmack ist dabei nicht zu verleugnen. Der Ratschlag zu Obst, Vollkornprodukten und gesunder Ernährung ist immer da, doch die Bedeutung der Psyche wird eher selten erwähnt.(Text: © Dunja Voos, Bild: © Gänseblümchen, Pixelio)
Übergewicht hat viele Ursachen
Stress im Berufsleben, Einsamkeit, Beziehungsstörungen, traumatische Erfahrungen, sexueller Missbrauch und körperliche Gewalt in der Kindheit (Midei AJ und Matthews KA 2011) und viele psychosoziale Faktoren mehr können entscheidende Ursachen des Übergewichts sein. Auch übergewichtige Menschen wissen, wie eine gesunde Ernährung aussieht. Es ist meistens nicht die Unwissenheit, die zu Übergewicht führt, sondern der Mangel an erfreulichen Momenten, an guten Beziehungen, an Wärme, Erholung, Schlaf oder auch einfach Geld.
Psychotherapie zum Abnehmen?
Viele Übergewichtige wissen selbst, dass ihr Übergewicht seelisch bedingt ist. Durch das Essen bekommen sie das, was ihnen gut tut: Wärme, Trost, Stressdämpfung, schöne Erinnerungen. Es ist nicht das Sechs-Gänge-Menü in Gesellschaft, das dick macht, sondern jenes in Einsamkeit. Es geht nicht um die Frage: “Was machen die Dicken falsch, dass sie so dick sind?” Es geht um die Frage: “Was belastet die Übergewichtigen so sehr? Wie schwer haben sie es im Leben?”
Keine Selbstkasteiung
Wenn Sie abnehmen wollen, quälen Sie sich beim Thema “Essen” nicht selbst. Lassen Sie auf keinen Fall Heißhunger entstehen. Achten Sie darauf, dass Ihr Essen gut schmeckt, gut gewürzt ist und wirklich befriedigt. Dazu gehört auch, auf “Light-Produkte” zu verzichten. Denn sie gaukeln dem Körper vor, Zucker, Fett oder Vitamine zu bekommen, die in Wirklichkeit nicht geliefert werden. Das hat zur Folge, dass man ein riesiges Verlangen nach eben diesen Stoffen bekommt und schließlich das Doppelte und Dreifache vom Normalen isst. Lieber echte Butter als Margarine, lieber echten Zucker als Süßstoffe verwenden. Speisen wie “gedünsteter Kohlrabi” klingen schon danach, dass man die Diät nicht durchhalten kann. Am besten ist eine Ernährung wie bisher gewohnt, nur mit kleinen Abwandlungen – vielleicht auch mit kleinen Abwandlungen der Situation oder Umgebung, in der man isst. Auch das Essgeschirr ist entscheidend. Wer z.B. gerne Milchprodukte trinkt, der kann seinen Trinkjogurt oder Kakao in ein längliches Glas schütten – so hat man das Gefühl, mehr zu bekommen, obwohl weniger drin ist.
Wärme und Schlaf
Wer abnehmen will, der sollte auf genügend Schlaf achten. Wissenschaftler haben festgestellt, dass Menschen, die an Schlafmangel leiden, besonders anfällig für Übergewicht sind (Patel und Hu, 2008). Wer nicht genug schläft und übermüdet ist, der holt sich seine Energie aus dem Essen – an den Stellen, an denen Schlaf zur Erholung angesagt wäre. Beobachten Sie das einmal: Wenn Sie müde sind, aber keine Gelegenheit haben, sich hinzulegen, greifen Sie wahrscheinlich entweder zum Kaffee oder/und zum Essen. Ein Schläfchen am Mittag kann manchmal den zweiten Schokopudding ersetzen. Auf genügend Schlaf zu achten ist natürlich leichter gesagt, als getan. Wer im Schichtdienst arbeitet, kann nicht einfach sein Berufsleben umkrempeln; wer kleine Kinder hat, kann sie nicht zum Schlafen zwingen. Und wer aufgrund von Depressionen, Ängsten oder Rückenschmerzen nur wenig Schlaf findet, der kann nicht auf Kommando gut schlafen. Wichtig ist jedoch das Bewusstsein für die Zusammenhänge.
*BMI = (Körpergewicht in kg) pro (Körperlänge in Metern²)
Verwandte Artikel in diesem Blog:
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Dicke Kinder nicht zum Dünnsein zwingen
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Links:
Website der Diplom-Ökotrophologin und Wissenschaftsjournalistin Ulrike Gonder:
www.ernaehrgesund.de
Nicole Lauscher:
Schönheitswahn – der Körper als Baustelle
Psychoanalytikerin Susie Orbach über das Schönheitsideal
Focus Gesundheit 11.6.2010
Studien:
Koball, Afton M.; Meers, Molly R.; Storfer-Isser, Amy; Domoff, Sarah E.; Musher-Eizenman, Dara R. (2011):
Eating when bored: Revision of the emotional eating scale with a focus on boredom
Health Psychology, Oct 17, 2011, No Pagination Specified. doi: 10.1037/a0025893
Schlafmangel fördert Adipositas (2007)
Ärztezeitung 13.3.2007
Sanjay R Patel und Frank B Hu (2008):
Short Sleep Duration and Weight Gain: A Systematic Review
Obesity 2008, 16 (3): 643-653. doi: 10.1038/oby.2007.118
Petra Warschburger:
Psychosoziale Faktoren der Adipositas in Kindheit und Adoleszenz.
SpringerLink
M. Holub und M. Götz (2003):
Ursachen und Folgen der Adipositas im Kindesalter
Monatszeitschrift Kinderheilkunde, SpringerLink, 1.2.2003
Hungerhormon vertreibt Angst und Depressionen
Deutsches Ärzteblatt, 16. Juni 2008
B Kuntz, T Lampert (2008):
Sozioökonomische Einflussgrößen der Verbreitung von
Übergewicht und Adipositas in Deutschland
Abstract, Uni Bielefeld 2008
(PDF)
James A. Levine et al. (2005):
Interindividual Variation in Posture Allocation:
Possible Role in Human Obesity
Science 28 January 2005:
Vol. 307. no. 5709, pp. 584 – 586
Abstract
Bereits kleine Bewegungen können beim Abnehmen helfen:
“If obese individuals adopted the NEAT*-enhanced behaviors of their lean counterparts, they might expend an additional 350 calories (kcal) per day.” (*NEAT = Non-Exercise Activity Thermogenesis)
James A. Levine, der “NEAT-Forscher” (2005)
Dieser Beitrag wurde erstmals veröffentlicht am: 30.10.2011
Aktualisiert am: 25.4.2013





Liebe Frau Dr. Voss,
ich möchte mich aufrichtig bei Ihnen bedanken zu diesem Thema.
Lieder gibt es immer noch nicht genügend Informationen bei einer dissoziativen Identitätsstörung und Übergewicht und Übergeicht nach sexuellem Missbrauch in Therapie.
Immerhin bin ich mächtig stolz, das ich es geschafft habe mein Gewicht von 138 kg auf 88 kg zu reduzieren.
Es war Kampf, ein unendlicher Kampf und wie gesagt, ich habe erkannt, diese Schlafstörungen und Flash Backs führten und führen immer noch dazu, das ich esse, esse mich warm und erlebe dann erst einmal ein wohliges sattes Gefühl.
Es ist nur von kurzer Dauer und ich bin dankbar, das ich dann 3 Hunde habe, die mir immer wieder sagen, lasse mal den Kühlschrank zu und laufe mit uns durch Wald und Feld.
Danke, das Sie mir und meinen Seelchen immer wieder eine große Hilfe sind, ich glaube ich habe es noch niemals gesagt,,, Danke das es Sie gibt..
Bleiben Sie behütet.. Christina mit Seelchen…
Ich bin ebenfalls mit zwei Dutzend Kilos zuviel unterwegs. Mit Programmen wie dem berühmten WW kann ich nichts anfangen. Auf den guten Weg gebracht haben mich Aufmerksamkeitstechniken in Zusammenhang mit Essen, sowie Body-Feedback und Medidation. Und ganz, ganz viel Selbstmitgefühl und Selbstliebe.
Der wichtige Schritt ist, von den Selbstvorwürfen wegzukommen (“Wieso hast du jetzt diese Schokolade gegessen und erst noch die ganze Tafel wenn du doch genau weisst, dass du abnehmen solltest….”) und hin zum (analytischen) Selbstmitgefühl: “Was hat mich so traurig/einsam/elend gemacht, dass ich so viel Schoki zum Trost essen musste, damit es mir besser ging?”
Ein weiterer Schritt ist zu lernen auf das zu achten, was man isst, wie man es isst, den Geschmack, den Geruch… Man isst dadurch viel bewusster und langsamer. Und hört auf, tagsüber hundert kleine Sachen in den Mund zu stopfen (wie die Brötchenreste des Kleinen, das halbe Joghurt, das er stehen liess,….)
Gute Ressourcen finden sich hier: http://www.arbor-verlag.de/thema/achtsam-essen
Zitat
„Stress im Berufsleben, Einsamkeit, Beziehungsstörungen, sexueller Missbrauch in der Kindheit und viele psychosoziale Faktoren mehr können entscheidende Ursachen des Übergewichts sein“
Die angeführten Faktoren mögen ja durchaus die Ursache für übermäßige Nahrungsaufnahme sein, sind es aber dennoch nur mittelbar.
Die ‚Transformation‘ von bspw „Einsamkeit“ in die entsprechende Reaktion (nämlich „Essen“) ist ja nicht zwangsläufig und unabwendbar. Nicht jeder der einsam ist neigt zu Fettleibigkeit.
In meinem Verständnis ist die Kosten / Nutzen Abwägung übermäßigen Essens (mit) ausschlaggebend. Der Lustgewinn (oder Unlust-Vermeidungs-Gewinn) überwiegt doch offenbar eindeutig die Kosten die sich aus solchen Gewohnheiten ergeben.
Insofern fände ich es sinnvoll die von Fettleibigkeit betroffenen flankierend an den entstehenden Kosten etwaiger Adipositas-Folgebehandlungen zu beteiligen.
Der NEAT-Ansatz ist aber, wenn ich das richtig verstanden habe, bloße Theorie?
Mehr alltägliche Bewegung zu realisieren, ist wegen der alten Gewohnheiten schwierig – eine Frage der Motivation und des Umfelds.
Sportvereine bieten wenig an, wo Übergewichtige sich wohlfühlen.
Bedingt wäre Qi-Gong zu empfehlen; ich vermute es jedenfalls.
Konzepte, die die Selbstkontrolle erleichtern, kommen auch an die Grenzen des Machbaren…
Zur Wirksamkeit von Psychotherapie und -Analyse bei Adipositas liegen m.W. noch nicht einmal Daten vor.
Relativ sicher lässt sich aber belegen, dass das Interesse an dem Thema verhältnismäßig gering ist.
Was den Ansatz, mit Selbsthilfegruppen wirksame Veränderungen zu ermöglichen, betrifft: Der ist völlig in Vergessenheit geraten, lange, bevoer er den Kinderschuhen entwachsen ist.
Da wäre noch vieles möglich, wenn es gewollt wäre.
Liebe Silke,
ja, das mit dem Kleinkind kenn ich auch. Ich glaube, in dieser Zeit bleibt einem fast nichts anderes übrig, als die mütterlichen Rundungen an sich zu akzeptieren. Für Schlaf und Bewegung ist dann später wieder mehr Zeit
.
Liebe Dunja,
ich habe mit Ineresse gelesen, dass Schlafmangel zu erhöhtem Appetit führt. Seitdem habe ich diesen Aspekt einmal bei mir beobachtet und stelle genau das bei mir fest: Zu wenig Schlaf zerstört meinen Biorhythmus, ich kann nicht richtig frühstücken, weil ich zu müde bin und habe im Laufe des Tages einen völlig chaotischen Appetit gekoppelt mit einer Unlust auf gesunde Lebensmittel. Von Spaß beim Kochen kann keine Rede sein und dadurch schmeckt das Essen auch nicht besser. Schokoriegel und Co. gehen in dieser Situation wirklich besser.
Da mein Schlafmangel häufig mit unterbrochenen Nächten durch ein kleines Kind verursacht ist, fühle ich mich jedoch etwas hilflos bezüglich der Ursachenbekämpfung und setze darauf, dass die Zeit es richten wird. Von per magna bin ich zum Glück noch sehr weit entfernt.
Liebe Lotta,
ich bin überzeugt, dass die Operation der schlechteste Weg ist und dass diese oft durchgeführt wird, obwohl noch viele andere Wege gegangen werden könnten. Die Verlockung, sofort etwas “Einschneidendes” zu tun, ist natürlich groß. Doch ob man sich danach auf längere Sicht wirklich erleichtert fühlt, ist fraglich.
Dunja
Liebe Lotta,
ich bin überzeugt, dass die Operation der schlechteste Weg ist und dass diese oft durchgeführt wird, obwohl noch viele andere Wege gegangen werden könnten. Die Verlockung, sofort etwas “Einschneidendes” zu tun, ist natürlich groß. Doch ob sich die Patienten hinterher auch auf längere Sicht wirklich so erleichtert fühlen, ist fraglich.
Dunja
Also ich bin sicher, dass Adipositas einiges mit der Psyche und auch mit Vorsorge zu tun hat. Doch was macht man, wenn es schon passiert ist. Ich kann in meiner Situation keinen Sport treiben und durch FDH oder Vermeidung psychischen Stresses kann man auch nicht wirklich 50kg abnehmen. Ich habe auf der Seite adipositasmuenchen.de Informationan zu operativen Behandlungen gelesen und bin der Meinung, dass ab einem bestimmten Stadium fast nichts anderes mehr hilft.
LG Lotta