23.02.2012.

Persönlichkeitsstörung

Persönlichkeitsgestörte Menschen erkennt man oft auf den ersten Blick. Es sind manchmal die “bunten Früchtchen” unter uns: der eigenbrödlerische Professor, der cholerische Chef, der komische Kauz von nebenan. Auch viele Stars sind persönlichkeitsgestört. Doch Persönlichkeitsstörungen müssen nicht so auffällig sein. Sie sind relativ weit verbreitet: Etwa 10% der Bevölkerung sind hierzulande betroffen (AWMF-Leitlinie “Persönlichkeitsstörungen”, 2008). Doch auch, wenn dieser schonungslose Begriff scheinbar nichts Gutes verheißt, gibt es Aussicht auf ein glücklicheres Leben. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Renate Franke, Pixelio)

Einsam und “besonders”

Bei einer Persönlichkeitsstörung leidet die Person entweder an sich selbst oder andere leiden an ihr. Oder beides ist der Fall. Die Betroffenen können häufig keine befriedigenden Beziehungen knüpfen. Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale sind unter Umständen extrem ausgeprägt (akzentuierte Persönlichkeitsmerkmale). Oft gelingt es dem Persönlichkeitsgestörten nicht, sich selbst zu verwirklichen.

Einige haben einen enormen Leidensdruck, doch ein Leitsymptom fehlt. Andere sind gut “kompensiert” und wundern sich, dass sie manchmal von nahestehenden Personen aufgefordert werden, doch eine Therapie zu machen. Sie bemerken ihre “Macken” nicht. Ihr Verhalten ist “ichsynton” – das bedeutet, dass dem Betroffenen das eigene Verhalten nicht fremd oder “falsch” vorkommt. Oft fehlt es den Betroffenen an Flexibilität. Sie würden gerne anders, aber können irgendwie nicht.

Alte Wunden

Die Ursachen der Persönlichkeitsstörungen liegen meist in der Kindheit. In der psychoanalytischen Theorie heißt die Persönlichkeitsstörung auch Charakterneurose und zählt zu den Frühen Störungen. Typische Persönlichkeitsstörungen sind die narzisstische und die Borderline-Persönlichkeitsstörung. Im Erwachsenenalter entstehen solche Störungen manchmal aber auch nach lang anhaltenden Extremsituationen. Außerdem können Hirnerkrankungen die Persönlichkeit verändern, was dann als Psycho-organisches Syndrom (POS) oder Hirnorganisches Psycho-Syndrom (HOPS) bezeichnet wird.

Einteilung in Cluster

Nach dem amerikanischen Diagnostic and Statistical Manual of Mental Diseases (DSM) werden die Persönlichkeitsstörungen in “Cluster” unterteilt. Die Einteilung sieht so aus:

Cluster A: Persönlichkeitsstörungen mit absonderlichem/exzentrischem Verhalten: paranoide/schizoide/schizotypische Persönlichkeitsstörungen
Cluster B: Persönlichkeitsstörungen mit dramatischem Verhalten: Borderline/emotional instabile/histrionische/narzisstische/antisoziale Persönlichkeitsstörung
Cluster C: Persönlichkeitsstörungen mit ängstlichem Verhalten: vermeidend-unsichere/dependente/zwanghafte Persönlichkeitsstörungen

Eine sehr schöne Zusammenfassung zu den Cluster-Persönlichkeitsstörungen liefert Wikipedia.

Ursachen in der Kindheit – Hilfe jetzt

Wer schon länger “irgendwie unglücklich” ist und am Leben leidet, ohne genau sagen zu können, was eigentlich los ist, der hat manchmal Hemmungen, einen Therapeuten aufzusuchen. Doch damit zögert man sein Leiden nur unnötig hinaus. Wer an eine analytische Therapie denkt, der findet Adressen auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse und Tiefenpsychologie (DGPT).

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Narzissmus
Persönlichkeit
Schizoide Persönlichkeitsstörung (Schizoide Neurose)

Links:
Irene Roski über Leon Wurmser:
Störungen der Persönlichkeit

56. DGPT-Tagung 2005 (PDF)

Bridget F. Grant et al. (2004):
Prevalence, Correlates, and Disability of Personality Disorders in the United States: Results From the National Epidemiologic Survey on Alcohol and Related Conditions.
Journal of Clinical Psychiatry, Vol 65(7), Jul 2004, 948-958
Abstract auf PsycNET:

“Results: Overall, 14.79% of adult Americans (95% CI = 14.08 to 15.50), or 30.8 million, had at least 1 personality disorder.”

Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) 2008:
Leitlinie Persönlichkeitsstörungen

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