23.05.2013.

Reizdarmsyndrom

Manchmal fällt es ihnen schwer, ihre Gefühle “aus-zu-drücken”. Patienten mit einem Reizdarmsyndrom (Colon irritabile) machen oft viel durch. Sie leiden unter starken Darmbeschwerden, trauen sich kaum in die Stadt oder quälen sich mit einem aufgeblähten Bauch. Die vielen Arztbesuche bringen ihnen nur selten wirkliche Besserung. Es gibt viele körperliche Erklärungsansätze, aber die Psyche spielt wohl bei den meisten Betroffenen eine große Rolle. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Mike Schwarzenbeck, Pixelio)

Psychische Entlastung beruhigt den Darm

Patienten, die in einer Psychotherapie lernen, ihre verborgenen Gefühle zu erkennen, bessern sich die Darmbeschwerden oft. Denn der gereizte Darm ist häufig ein sogenanntes “Affektäquivalent”. Was eigentlich von der Seele erlebt wird, ist bei den Betroffenen in den Körper verlagert. Das Völlegefühl oder der Durchfall sind dann das Äquivalent für eine psychische Äußerung, für ein inneres Aufgeregtsein. Beispielsweise kann unbewusste sexuelle Erregung zu plötzlichem Durchfall führen. Manchmal wollen die Patienten auch einen anderen “los-werden”. Doch anstatt das zu fühlen, in ihren eigenen Grenzen zu steuern oder zu äußern, bekommen die Betroffenen Durchfall. Die Betroffenen sind innerlich oft sehr angespannt und diese Anspannung übersetzt sich direkt in den Darm.

Die Gefühle sitzen im Bauch

Wenn die Gründe für die Anspannung erkannt werden, dann geht es vielen Betroffenen besser. Nicht selten leiden sie auch unter einer Angststörung oder Depression. In einer Psychotherapie können Betroffene die Zusammenhänge zwischen Darm und Emotion verstehen lernen. Ähnlich wie ein Kind, das zunächst nur den Begriff “Bauchweh” für jegliches emotionales Unwohlsein kennt, kann der Betroffene “nachreifen” und sich selbst besser kennenlernen. Die Betroffenen können in einer Psychotherapie herausfinden, was sie wirklich belastet, sodass der Darm entlastet wird. Diese Sichtweise mag vielen zunächst “weit hergeholt” erscheinen – zudem ist eine Psychotherapie zeitaufwendig und teilweise auch schmerzlich. Aber der Weg lohnt sich bei vielen.

Adressen von psychoanalytisch orientierten Therapeuten:

Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse,
Psychosomatik, Psychotherapie und Tiefenpsychologie (DGPT)

www.dgpt.de

Links:

RDS-Forum

www.selbsthilfe-bei-reizdarm.de

Empfohlene Psychotherapieverfahren:

“Einige psychotherapeutische Verfahren wurden überprüft und können empfohlen werden. Bewährt haben sich verhaltenstherapeutische Kombinationsverfahren, psychoanalytische Kurzzeittherapie, kognitive Verhaltenstherapie, progressive Muskelentspannung und die Hypnotherapie.”

Aus: Jürgen Hotz et al.: Das Reizdarmsyndrom: Definition, Diagnosesicherung, Pathophysiologie und Therapiemöglichkeiten. Dtsch Arztebl 2000; 97(48)

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