Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine psychische Störung, die nach einer seelischen Verletzung (Traumatisierung) auftreten kann. Eine PTBS kann sich nach einem einzigen Ereignis, z. B. nach einem Autounfall, entwickeln. Sie kann jedoch auch die Folge von wiederkehrenden seelischen Verletzungen sein: Menschen, die in ihrer Familie Gewalt erleben mussten oder Soldaten, die von Kriegserlebnissen erschüttert sind, können schließlich an einer PTBS leiden. (Text: Dunja Voos. Bild: © Dagmar Zechel, Pixelio)
Ein Unfall mit Folgen
Viele Menschen reagieren in einem katastrophalen Moment mit einer sogenannten peritraumatischen Reaktion. Sie erleben Angst und Schrecken, sehen sich “von außen zu” (dissoziieren), erstarren oder übergeben sich. Nach wenigen Tagen oder Wochen folgt dann eine akute Traumareaktion mit Schlafstörungen, Grübeln, oder intensiven inneren Bildern, die immer wieder an das dramatische Ereignis erinnern. Diese Reaktion kann nach einigen Tagen wieder abklingen. Manchmal bleibt sie jedoch hartnäckig bestehen und es entwickelt sich eine posttraumatische Belastungsstörung.
Typische Symptome der PTBS
Bei den Symptomen der PTBS spricht der Experte auch vom “Intrusiven Syndrom”. Das bedeutet, dass sich die Erinnerungen als “Flashbacks” aufdrängen. Immer wieder kehren die schrecklichen Bilder zurück und bewirken, dass der Betroffene schreckhaft ist, unter Ängsten leidet und von Alpträumen geplagt wird. Die Betroffenen sind übererregt, angesapannt und gereizt. Auch der Körper reagiert: mit Herzrasen, Zittern oder Verdauungsstörungen. Diese Situation führt dazu, dass sich die Betroffenen mehr und mehr isolieren – sie ziehen sich aus dem Gesellschaftsleben zurück.
Andauernde Verletzungen in der Kindheit
Kinder, die in ihrer Familie Alkoholismus, sexuelle Übergriffe, Missbrauch und andere Formen der Gewalt erleben mussten, können sich meist nicht auf gesunde Art entwickeln. Viele werden dann spätestens in der Jugend auffällig: Sie sind zutiefst misstrauisch, launisch, oft wütend oder ängstlich, sehr verletzlich und sie fühlen sich leer. Hier spricht man von einer posttraumatischen Persönlichkeitsstörung, die mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung sehr eng verwandt ist.
Das Trauma ist noch immer gegenwärtig
Seelische Verletzungen sind schwer zu verarbeiten. Bei vielen Betroffenen sind die traumatischen Erlebnisse so gegenwärtig, als wäre sie eben erst passiert, obwohl sie vielleicht schon Jahre entfernt sind. Das kann offensichtlich so sein, indem die Gedanken oft um die schrecklichen Erlebnisse kreisen. Die Gegenwärtigkeit des Traumas kann sich aber auch durch Gefühle und Verhalten äußern, die eigentlich nicht zur aktuellen Situation passen. doch der Betroffene fühlt und handelt so, als würde ihm gerade wieder “vertraut-Schreckliches” zustoßen.
Psychotherapie hilft
So dramatisch die Erlebnisse auch waren und so tief sie sich eingeprägt haben, so sehr können Betroffene jedoch auch auf Hilfe hoffen. In einer Psychotherapie, die je nach Trauma-Erfahrung von sehr kurzer oder von sehr langer Dauer sein kann, hat der Betroffene einen Begleiter, der es ihm möglich macht, das kaum Fassbare zu verarbeiten. Das Erlebte kann nach und nach “integriert” werden, also in irgendeiner Form angenommen werden. Es wird mehr und mehr zur Vergangenheit. Es wird immer leichter, über das Erlebte nachzudenken und zu sprechen, ohne davon überwältigt zu werden.
Unglückliche Namensgebung
Über den Begriff der Posttraumatischen Belastungsstörung wird viel diskutiert. Einige Experten sind der Meinung, dass er geändert werden sollte, weil die Betroffenen durch die Bezeichnung “Störung” stigmatisiert werden. Denn das Gehirn war bzw. die Betroffenen waren ja ursprünglich gesund – es ist ihnen allerdings etwas widerfahren, was das ursprünglich Gesunde stark verformt hat. Der englische Begriff für die Posttraumatische Belastungsstörung lautet “Posttraumatic Stress Disorder (PTSD)”. Einen interessanten (englischsprachigen) Artikel zur Begriffsfindung gibt es hier: Medpagetoday.com: American Psychoanalytic Association (APsaA): “Name change needed for PTSD”.
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Borderline-Störung
Adressen von Psychotherapeuten:
Deutsche Gesellschaft für Psychanalyse und Tiefenpsychologie (DGPT)
Deutsche Psychoanalytische Vereinigung (DPV)
Deutsches Institut für Psychotraumatologie e.V. (DIPT)
Lesetipps:
Birte Vogel:
Leben mit dem Echo – Karsten D. Hartmann.
Porträt eines Betroffenen.
In: Das Porträt. Weblog von Birte Vogel.
Gabriele Kahn:
Das Innere-Kinder-Retten
Psychosozial-Verlag 2010
Links:
DSM-IV-TR Criteria for PTSD
National Center for PTSD
United States Department of Veterans Affairs
Marion Sonnenmoser:
Sekundäre Traumatisierung – Mythos oder Realität?
“Therapeuten von traumatisierten Patienten entwickeln zum Teil selbst posttraumatische Symptome.”
Deutsches Ärzteblatt, PP 9, Ausgabe März 2010, Seite 117





















