“Jetzt könnte ich ihr die Brille von der Nase hauen”, denke ich. Meine Wut wächst, das “Es”, der Trieb, lässt mich zum Tier werden. Doch ich lächele freundlich und zeige meiner Kollegin nichts von meiner Wut. Mein strenges “Über-Ich”, das Gewissen, verbietet es mir. Aber zum Glück gibt ja noch das Ich, den Vermittler. Das “Ich” kann austarieren und steuern. Ich muss ihr nicht gleich die Brille wegschlagen, aber besonders freundlich brauche ich auch nicht zu sein. Ich verändere meinen Gesichtsausdruck und zeige Missfallen. Freundlich, aber bestimmt, sage ich meine Meinung.
Das Instanzenmodell
So könnte ein Dialog zwischen “Es, Ich und Über-Ich” aussehen. Der Psychoanalytiker Sigmund Freud hat die Theorie entwickelt, dass die Psyche aus diesen drei Instanzen besteht. Kämpfe zwischen diesen Instanzen können bewusst oder unbewusst ablaufen und zu unlösbaren Konflikten führen.
Bewusst oder unbewusst?
Das Es “gehört ganz dem Unbewussten an” (Elhardt). Das Ich und das Über-Ich sind zwar größtenteils bewusst – Anteile des Ichs und Über-Ichs können jedoch auch unbewusst sein. Zum Beispiel laufen manche Abwehrmechanismen des Ich unbewusst ab. Die Forderung nach Selbst-Bestrafung kann ein unbewusster Teil des Über-Ichs sein.
Unterscheide: Instanzenmodell und topographisches Modell
Merke: “Instanzenmodell” ist die Bezeichnung für das Gefüge “Es, Ich und Über-Ich.” Das “topographische Modell” steht für die Welten “bewusst” (bw) und “unbewusst” (ubw). Beide Modelle sind “Strukturmodelle” von Freud.
Literatur:
Siegfried Elhardt
Tiefenpsychologie
Kohlhammer Urban 2001: 32–36





Lieber Herr Wilkat,
auch heute noch ist Freuds Instanzenmodell von “Es, Ich und Über-Ich” aktuell. Natürlich hat sich die Psychoanalyse immer weiter entwickelt. Besonders wichtig in den psychoanalytischen Therapien heute sind die Erkenntnisse der Bindungsforschung. Ich werde einmal schauen, ob ich Literatur dazu finde, die beschreibt, wie sich die Psychoanalyse von ihren Ursprüngen bis heute entwickelt hat und werde sie dann an dieser Stelle nennen.
Viele Grüße
Dunja Voos
Guten Tag Fr. Dr. Voos
Mich interessiert inwieweit das Freud’sche Modell noch aktuell ist.
Wissenschaftl. Erkenntnisse entwickeln sich weiter,gibt es hier Bereiche die man heute verwirft / was hat bis heute Gültigkeit / welche Arten von Modifizierungen / Weiterentwicklungen gibt es ? Welche Felder der ursprümlichen Theorie / welche aktuellen Entwicklungen dominieren die “therapeutische Szene” und: Gibt`s überblicksartige Literatur dazu ? Danke Ihnen vorab !
VG
Robby Wilkat